Besigheim „Barrierefreiheit ist kein Extra“

Von Jonathan Lung
Der Förderkreis für Behinderte setzt sich für Behinderte in Besigheim ein: (von links) Miriam Staudacher, Maike Ahlgrimm, Stefanie Güse und Selma Schopf, am Eingang zum Verwaltungsgebäude der Stadt. Für Rollstuhlfahrer eine unüberbrückbare Barriere. Foto: /Martin Kalb

Beim Ortstermin werden zahlreiche Erschwernisse für Menschen mit Behinderung deutlich. Um sie zu beseitigen, bräuchte es ein Umdenken. 

Was das Problem ist: wir sind halt eine Stadt, die auf einem Sporn liegt“, das ist Miriam Staudacher, Maike Ahlgrimm, Stefanie Güse, Karin Stahl und Selma Schopf klar. Die aktiven Mitglieder des Förderkreises für Behinderte Besigheim kennen die Probleme, die Menschen mit Behinderung in Besigheim haben. Beim Ortstermin in der Innenstadt erläutern sie, warum auch kleine Maßnahmen viel bewirken können.

„Jemand der im Rollstuhl sitzt, ohne dass eine Begleitperson dabei ist, kann, auch wenn er teilmobil ist, die meisten Sachen nicht machen“, sagt Karin Stahl mit Blick auf den Eingang zum Verwaltungsgebäude der Stadt. Dort ist zwar ein Handlauf an der Treppe angebracht, der Fußgängern hilft, nicht jedoch Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. „Diese Menschen benötigen einen tieferen Handlauf und eine Rampe“. Die Rampe ist vorhanden, nämlich am zweiten Eingang zum Gebäude, dort aber ohne Handlauf und mit einer schwer zu öffnenden Türe. Und während es im Rathaus einen Aufzug gibt, mit dem Menschen mit Beeinträchtigung in die oberen Stockwerke gelangen können, ist im Verwaltungsgebäude keiner vorhanden.

Verbesserungsbedarf sehen die Aktiven vom Förderkreis für Behinderte auch beim Spielplatzangebot: „Der Spielplatz an der Enz ist wunderschön, aber leider alles andere als barrierefrei“, so Selma Schopf. „Für Rollstuhlfahrer ist er aufgrund der vielen Niveauunterschiede faktisch nicht nutzbar.“

Ein Punkt, der seit Jahren im Fokus der Kritik steht, ist der Besigheimer Bahnhof. „Der ist null barrierefrei.“ Den sukzessiven Ausbau der Bordsteinabsenkungen und barrierefreien Bushaltestellen auf Besigheimer Gemarkung nimmt der Verein wohlwollend zur Kenntnis. Und er begrüßt Angebote wie den individuellen Fahrdienst für behinderte Menschen im Landkreis Ludwigsburg, den der Landkreis in Kooperation mit den Johannitern und dem Malteser Hilfsdienst ins Leben gerufen hat, um schwerstbehinderten Mitbürgern die Teilnahme am öffentlichen Leben zu erleichtern.

Rote Punkte in Sachen Barrierefreiheit

Nachholbedarf sieht der Verein dann wieder beim Thema barrierefreier Zugang zu Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben. „Wenn man als Mensch mit Einschränkung hier übernachten will, findet man hier nur rote Punkte“, sagen die Ausschussmitglieder mit Blick auf den Plan, der die Barrieresituation für Menschen mit Einschränkungen in der Stadt aufzeigt.

„Auf dem Plan ist auch erkennbar, dass ein nicht unerheblicher Teil des Wege- und Straßennetzes in Besigheim nicht oder nur eingeschränkt barrierefrei ist,“ so Maike Ahlgrimm. „Selbst wenn der Zutritt zu einem Restaurant noch bewältigbar wäre, scheitert ein Besuch oft daran, dass keine Behindertentoiletten zur Verfügung stehen“, ergänzt Karin Stahl und berichtet weiter: „Oder es ist so eng, dass man mit einem elektrischen Rollstuhl beispielsweise gar nicht durchkommt.“ „Die Behindertentoilette neben dem Verwaltungsgebäude ist generell eine gute Sache“, sagt Stefanie Güse. Die Topografie ist aber wohl die größte Barriere in Besigheim. Die Steilheit sei, so Güse, für Menschen mit Beeinträchtigung nur schwer oder gar nicht zu bewältigen. „Die beste Lösung wäre hier ein Außenaufzug vom Parkplatz auf dem Kies hoch zur Altstadt“, sagt auch Karin Stahl. „Barrierefreiheit ist kein Extra sondern sollte die Norm sein“, sagt Miriam Staudacher.

 
 
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