Wir haben noch viele Unternehmen, die sagen, dass es bei Ihnen gut läuft.“ Mit diesen Worten führte Landrat Dietmar Allgaier am Dienstag in der Stadthalle Alte Kelter in Besigheim in einen Abend ein, der Optimismus ausstrahlen sollte.
Besigheim „Damit es wieder rumpelt in der Halle“
Wie gelingt Transformation und wie bringt man Mitarbeiter dazu, Veränderung positiv zu sehen? Darum ging es bei „Wirtschaft im Gespräch“ in der Stadthalle Alte Kelter.
Wie schaffen es Unternehmen, sich anzupassen, sich neu zu organisieren, neue Produkte und Techniken in den Markt zu bringen? Diesen Fragen ging die Veranstaltung nach, die der Landkreis mittlerweile zum vierten Mal unter dem Titel „Wirtschaft im Gespräch“ anbot, immer an verschiedenen Orten im Landkreis. Rund 150 Unternehmer und Verwaltungschefs waren diesmal gekommen, eine Rekordzahl, wie Allgaier vermerkte.
Prof. Dr. Katharina Hölzle, die Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation, sieht eine Hauptaufgabe darin, die Menschen zu motivieren, den stetigen Drang nach Veränderung mitzutragen. Das Institut hat zahlreiche Beispiele erfolgreicher Transformation zusammengetragen.
Viele Unternehmen haben sich bisher auf diesen Weg begeben, trotz einer gewissen Bequemlichkeit, die der Erfolg der vergangenen 15 Jahre mit sich gebracht habe. „Wir haben es verlernt, Veränderung positiv zu sehen“, sagte sie. Um Ressourcen an industrieller Wertschöpfung und neuen Technologien besser nutzen zu könne, brauche es ein Zielbild, führte Hölzle in ihrem Impulsvortrag aus. Was die Produktion angeht, sieht sie zentrale Punkte in der digitalen Souveränität, also der Unabhängigkeit von Software aus dem Ausland, in anpassungsfähigen Techniken und in der Entwicklung von „green hightech“, wie sie sagte. Vernetzung und „Innovationsverbünde“ müssten genutzt werden mit dem Ziel, neue Materialien zu entwickeln und den Mangel an eigenen Rohstoffen auszugleichen. Nachhaltigkeit könnte sich in ökonomischer Sicht als vorteilhaft erweisen, um beispielsweise Kupfer und seltene Metalle zu recyceln. „Wir wissen wie Arbeit und Produktivität funktionieren“, sagte Hölzle und fuhr fort: „Wir können China-Speed.“
Für den Ludwigsburger Filterspezialisten Mann+Hummel gehört Veränderung zum Unternehmenskern. Das ging aus den Ausführungen von Hanno Höhn hervor, dem Geschäftsführer von Mann+Hummel in Deutschland. Längst habe sich das Unternehmen aus der Abhängigkeit der Automobilindustrie gelöst und sich sehr unterschiedlich aufgestellt. Die verschiedenen Sparten zielten darauf „saubere Luft und sauberes Wasser“ zu schaffen, „wir fokussieren uns auf Filtration“. Ziele werden im Unternehmen im Großen und im Kleinen vorgegeben.
Arbeit in Richtung Resultate
Um die Mitarbeiter auf diesen Weg zu bringen und ein neues „Mindset“, zu entwickeln, müsse Verhalten trainiert werden. Denn ein Konzept zu entwickeln „ist gar nichts“, sagte Höhn, solange es nicht umgesetzt ist. „Wir arbeiten in Richtung Resultate.“ Einzelne „Sprints“ werden formuliert um Ziele schnell zu erreichen. Schritt für Schritt und Woche für Woche werde der Erfolg in den Teams gemessen. Statt Perfektionismus redete Höhn einer gewissen Hemdsärmeligkeit das Wort nach dem Motto: „Einfach mal machen“.
Ganz ähnlich formulierte es auch André Konzelmann, Chef des gleichnamigen Kunststoff-Spezialisten aus Löchgau. Manche Entwicklungen „haben wir mit einem guten Team einfach getan“, sagte er. Dazu gehört beispielsweise die Entwicklung eines Berst-Ringes, einer Membran, die Li-Ionen-Batterien vor Überhitzung und Brand schützt. Dafür hat Konzelmann den Innovationspreis des Landes erhalten.
Längst sei Konzelmann kein klassisches Spritzgieß-Unternehmen mehr. Die Kundschaft teile sich auf in Medizintechnik, Automotive und Industrie. Teure Forschung werde betrieben, um den Kunden einen Mehrwert an Funktionen und Service der Produkte zu schaffen.
„Das ist eine ganz andere Verantwortung“, sagte der Firmenchef. Für Führungskräfte sei es wichtig, authentisch aufzutreten und den Mitarbeitern Sinnhaftigkeit zu vermitteln. Das alles mit dem Ziel, „dass es wieder rumpelt in der Halle“.
