Es war kein Jahr großer Projekte. Mit diesen Worten blickt der Besigheimer Bürgermeister Florian Bargmann auf das Jahr 2025 zurück. Gemeinsam mit dem Gemeinderat sei es darum gegangen, Vorhaben zu verschieben und zu sparen, um handlungsfähig zu bleiben. Denn die Finanzen sind knapp. „Wir sind vorausschauend vorgegangen“, sagt Bargmann.
Besigheim Der Weg des Sparens wird fortgesetzt
Bürgermeister Florian Bargmann äußert sich zu den Perspektiven der Stadt und zur Kritik an seiner Amtsführung.
Die weiteren Planungen für den Enzpark wurden gestoppt, nur noch das Flößerdeck wird fertiggestellt. Die Sanierung von Realschule und Gymnasium wurde einige Jahre in die Zukunft geschoben. Steuern und Gebühren wurden erhöht und belasteten die Besigheimer zusätzlich.
Haushaltsdefizit verringert
Der Haushalt 2025 ist zwar immer noch nicht ausgeglichen, aber das Defizit konnte gegenüber den Planungen deutlich verringert werden, darauf könne man stolz sein. Bargmann bezifferte das Minus in der Kasse zum Jahresende mit rund einer Million Euro.
Besser wird es finanziell vorerst nicht, der Weg des Sparens muss fortgesetzt werden. „Wir haben drei schwierige Jahre vor uns.“ Mit dem Gemeinderat zusammen wurde ein informeller Ausschuss gebildet. „Wir durchforsten Prozesse in der Verwaltung, die nicht mehr zeitgemäß sind“, sagte der Bürgermeister. Der Blick richtet sich beispielsweise auf die Kitas, wo das Personal stärker bedarfsorientiert eingesetzt werden soll.
Ein großer Wunsch sei eine durchgehende Digitalisierung der Verwaltung. Das aber könne Besigheim als Stadt nicht alleine leisten, sagt Bargmann, „das muss von oben kommen.“ Ein erster Schritt könnte die Kontrolle gebührenpflichtiger Parkplätze durch Videos sein, die das Kennzeichen erfassen. Der Bürgermeister macht aber auch deutlich: Wenn sich die Zeiten weiter verschlechtern, „müssen wir auch an die freiwilligen Leistungen ran“ und nennt die Musikschule, das Freibad und das Quartiersmanagement.
Wegweisende Entscheidung
Eine wegweisende Entscheidung des vergangenen Jahres war das Parkverbot auf dem Marktplatz, verbunden mit der Ausweitung der Gastronomie der „Marktwirtschaft“. Das war in der Stadt nicht unumstritten, aber die Umgestaltung „hat sehr zur Belebung der Innenstadt beigetragen“, sagt Bargmann. „Mehrheitlich kommt der neue Marktplatz sehr gut an“, neue Läden konnten eröffnet werden.
Große Projekte aus der Vergangenheit können im neuen Jahr abgeschlossen werden. Im Januar soll die neue Grundschule bezogen werden. Mit Kosten von mehr als 20 Millionen Euro ist es für Besigheim „das größte Projekt aller Zeiten“, sagt der Bürgermeister. Offizielle Eröffnung ist im April. Ungefähr zeitgleich kann auch die neue Kita in der Wartturmsiedlung bezogen werden.
Für das Frühjahr ist auch die Eröffnung des nördlichen Enzparks geplant. Bis dahin soll möglichst auch das Flößerdeck für die Bürger nutzbar sein. Der Platz rund um den alten Umspannturm, die Unterführung unter der Enzbrücke und die Wege rundum sind beinahe fertig. „Das wird für die Besigheimer und für Gäste ein wunderbarer Ort“, hofft Bargmann.
Prozess der Bürgerbeteiligung
Mit einem Prozess der Bürgerbeteiligung greift der Bürgermeister 2026 einen Wunsch aus der Bürgerschaft auf. „Jeder hat die Chance mitzuarbeiten“, hebt Bargmann hervor. Durch Diskussion und Teilnahme sollen Ideen und Vorschläge erarbeitet werden, die bis in das Jahr 2040 hineinreichen. Dieser Prozess wird strukturiert und professionell begleitet und wird das ganze erste Halbjahr andauern.
Zu den großen Vorhaben dürfte auch die Verbesserung der Zusammenarbeit von Bürgermeister und Gemeinderat gehören. Von mehreren Fraktionen, am schärfsten von der CDU, hatte sich Bargmann massive Kritik an seiner Amtsführung anhören müssen.
Bargmanns Antwort: Etwas mehr als ein Jahr sei vergangen, dass er als Bürgermeister und danach der Gemeinderat neu ins Amt gekommen seien. Nach 32 Jahren, in denen sein Vorgänger Steffen Bühler die Stadt geführt habe, „muss jeder seine Rolle neu finden“, sagte Bargmann. In der Sache sei die Zusammenarbeit aber gut. „Viele Entscheidungen zeigen, dass wir handlungsfähig sind.“
„Ich nehme konstruktive Kritik an“, versicherte Bargmann. Als Bürgermeister müsse man gewisse Dinge allerdings auch selbst entscheiden. Zuletzt hatten vor allem das Weihnachtswunderland und die Besigheim Card des Marketing Concept Besigheim, MCB, für großen Ärger im Gemeinderat gesorgt.
Bedenken ernst genommen
Die Bedenken aus dem Gemeinderat wegen des Weihnachtswunderlandes habe er ernst genommen. Weder gibt es Musik, noch dauert die Veranstaltung bis spät in die Nacht. „Jetzt gibt es viele positive Rückmeldungen.“ Über die „Besigheim Card“ sei der Gemeinderat rechtzeitig informiert worden. Noch sei die Einkaufskarte nicht bei den Nutzern, der MCB suche nach weiteren Partnern.
CDU-Fraktionschef Uli Gerstetter hatte Bargmann sogar indirekt vorgeworfen, seine Amtsgeschäfte nicht mit dem gleichen Ernst zu führen wie das Engagement für den MCB, dessen stellvertretender Vorsitzender Bargmann ist. „Niemand sieht, was ich sonst noch mache“, kommentiert der Bürgermeister diese Vorwürfe. Zu 95 Prozent sei er mit anderen Dingen beschäftigt. Ihm sei allerdings auch klar, dass er mehr an seiner Außenwirkung arbeiten müsse.
