Besigheim Ein witziger Blick hinter die Fassade

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Bei der Besigheimer  Studiobühne fand die Premiere von „Ein ungleiches Paar“ statt. ⇥ Foto: MARTIN KALB

Bei der Studiobühne hat Regisseur Silas Körner „Ein ungleiches Paar“ in Szene gesetzt.

Viele Jahre nach seinem Erfolgsstück, das mit Walter Matthau und Jack Lemmon als schlampigen Reporter und Hypochonder im Kino gezeigt wurde, schrieb Simon die weibliche Adaption von „The Odd Couple“.

Um die Frauen geht es in „Ein ungleiches Paar“, doch die Charaktere ähneln sich. Da ist die lässig-abgebrühte Olive, die als Filmproduzentin arbeitet und wöchentlich ihre Freundinnen zum Trivial-Pursuit-Abend einlädt. Nicht gekommen ist diesmal Florence, die biedere wie spießige Ehefrau, die an diesem Abend vermisst wird. Schnell stellt sich heraus, dass ihr Mann sich von ihr getrennt hat und sie sich mit Suizidgedanken trägt. Und bald steht sie auch schon vor der Tür. Olive ruft daher eine unmögliche Zweier-WG ins Leben, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Voller Tempo

Es ist ein Stück voller Tempo und Situationskomik, das beim Publikum von Beginn an für Unterhaltung sorgt. Denn es treffen unterhaltsam zwei Welten aufeinander, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten.

Die saubere Flo übernimmt das Regiment im Haushalt und besteht auf Untersetzer, Vermeiden von Krümeln und Tischmanieren, ihre Freundin und Gastgeberin Olive kann ihr Leben plötzlich nicht mehr weiterleben wie bisher. Kathrin Sudmann spielt die pingelige und verzweifelte Ehefrau mit Bravour, ebenso wie Claudia Hermann die lockere Großstadtpflanze, die sie auf andere Gedanken bringen will. Zwei angeblich rassige Spanier von nebenan (Michael Rahms und Christoph Konkol) werden zum Essen eingeladen, was sich zum mittleren Fiasko entwickelt.

Der Mädchenabend mit ihren Freundinnen (Nelly Schwarz, Nilberk Durdu, Mareike Pfeiffer, Emily Zundel) ist da beim Sauberkeitswahn der neuen Mitbewohnerin schon längst gestorben.

„Es gibt zwei Arten von Freundinnen, die einen wahnsinnig machen: Die, die sich das Rauchen abgewöhnen und die, die frisch geschieden sind“, weiß die Single-Frau Olive. Wenn sie dann noch mit dem Bioionisator die Raumluft verbessern wollen und die Spielkarten desinfizieren, ist es ganz vorbei mit der Freundschaft. Fein beobachtet und mit vielen kleinen Details geht das Stück den Charakteren auf den Grund, die hier aufeinandertreffen.

Es wird auch mitgesungen

Und es zeigt unterhaltsam wie schonungslos die Menschen hinter der Fassade: Die lässige Olive fühlt sich im Grunde sehr oft allein, und die perfekte Ehefrau Florence entpuppt sich als neurotisch-unsichere Frau, die vor den Trümmern ihrer Ehe steht und allen Schuldgefühle auferlegt.

Neil Simons Dialoge machen das Ganze zum rasanten Stück in zwei Akten, das vor Witz nur so strotzt und beim Publikum der Studiobühne bestens ankommt. Es wird sogar mitgesungen in den Umbaupausen, und mit „Que Sera, Sera“ werden die alten Zeiten wieder lebendig. Mit den beiden Spaniern kommt es auch noch  zu viel sprachlicher Verwirrung. Doch die beiden sind, wie sich herausstellt, ziemlich konservativ und wie der Zufall es will, ist einer der beiden genauso veranlagt wie Florence. Es gibt wieder Hoffnung für sie und ein Happy End, das keiner mehr für möglich gehalten hatte.

Es ist das fünfte Stück, das Regisseur Silas Körner für die Studiobühne inszenierte, die  übers Jahr mit 30 bis 40 Akteuren arbeitet. Nach der reibungslosen und gefeierten Premiere gibt es „Ein ungleiches Paar“ noch an den nächsten zwei Wochenenden zu sehen.


Info Nächste Termine sind am Freitag, 21. Februar, Samstag, 22. Februar, Sonntag, 23. Februar, Freitag, 28. Februar, Samstag, 29. Februar, und Sonntag, 01. März. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr.

www.sb-besigheim.de 

 
 
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