Schnell füllten sich am Freitagabend die Karten auf den Tischen der Alten Kelter in Besigheim. Geordnet nach sechs Themenfeldern notierten die Besigheimer darauf, welche Wünsche sie an ein künftiges Leitbild der Stadt haben. Es ging um Klimaschutz, die Gestaltung von Freiflächen, um Wohnen und Arbeiten, um die Anforderungen der Jugendlichen, um Kulturelles und Soziales, um die Themen Mobilität und Verkehr, und schließlich um die allgemeine Definition eines Zukunftsbildes für die Stadt.
Besigheim Erste Schritte auf dem Wegzum neuen Leitbild
Bei einer Auftaktveranstaltung in der Stadthalle Alte Kelter formulierten Besigheimer ihre Wünsche an die Stadt. Sie sollen ins Leitbild einfließen.
„Wir wollen Ihnen zuhören“, sagte Bürgermeister Florian Bargmann zur Einführung. Die Zusicherung einer Bürgerbeteiligung war einer der Schwerpunkte von Bargmanns Wahlkampfes vor zwei Jahren gewesen. Der Wunsch nach Beteiligung sei groß in der Stadt, sagte er. Ein Leitbild sei mehr als die Summe individueller Wünsche. Mit seiner Ausarbeitung sollen Erfahrungen und Perspektiven gewonnen werden, die in die Entscheidungen der Stadt und des Gemeinderates einfließen sollen.
Wann ist der Prozess erfolgreich?
Dieser Prozess fällt allerdings in eine Zeit, die von Finanzknappheit geprägt ist, machte der Bürgermeister deutlich. Die Stadt muss sich auf ihre gesetzlichen Aufgaben konzentrieren, Projekte müssen gestreckt und verschoben werden. Prioritäten müssen gesetzt werden, je nachdem, was leistbar ist und welche Fördermittel zur Verfügung stehen. Freiwillige Leistungen, „die eine Stadt erst lebenswert machen“, entfallen nach und nach. Es stelle sich die Frage: „Nach welchen Grundsätzen treffen wir diese Entscheidungen?“ Eine mögliche Antwort sollen die Bürgerbeteiligung und das neue Leitbild liefern.
Für die praktische Umsetzung der Bürgerbeteiligung hat sich die Stadt die Unterstützung der Servicestelle Bürgerbeteiligung des Landes gesichert. Als Moderation wurde Kristina Oldenburg von der Agentur Kokonsult in Frankfurt beauftragt. Erfolgreich sei ein solcher Prozess, wenn sich möglichst viele Bürger beteiligen, Ziele definiert, Zukunftsbilder erarbeitet und alle Generationen einbezogen werden. Am Schluss müssen Verantwortlichkeiten festgelegt und Fortschritte laufend überprüft werden, machte Oldenburg deutlich.
Erste Ziele bereits festgelegt
Einige dieser Ziele und die Richtung, in die sich das Leitbild entwickeln könnte, wurden gegen Ende der Veranstaltung bereits formuliert. Die Stadt sollte die Errichtung von Agri-Solaranlagen vorantreiben, hieß es beispielsweise. Alternativen für den Erhalt der Steillagen könnten entwickelt werden. Der Wunsch nach einem Begegnungsraum für mehrere Generationen wurde geäußert. Im Enzpark wurden Verbesserungen gewünscht. Weitere Anstrengungen müssten unternommen werden, um Unternehmen in der Stadt anzusiedeln und zu halten. Der Busverkehr nach Ingersheim und Bietigheim könnte verbessert werden.
Jugend hält an Wünschen fest
Aus Sicht der Jugendlichen wurde erneut der Wunsch nach einem Pumptrack und einem Skaterpark formuliert. Beide Projekte waren zuletzt an den Finanznöten der Stadt gescheitert.
Mehrfach ging es um die Zukunft der Altstadt. Zwar besteht der Wunsch nach weiteren kulturellen Veranstaltungen. In der Altstadt könnte es aber etwas ruhiger zugehen, hieß es. Tourismus, Wohnen und Gewerbe in der Altstadt sollten besser aufeinander abgestimmt werden. Eine weitere Verkehrsberuhigung können sich etliche Bürger vorstellen, dabei sollte aber auf die Bewohner der Altstadt Rücksicht genommen werden.
Es gibt in Besigheim viele Männer und Frauen, die sich gerne in der Stadt engagieren. Sie wollen gehört werden und sicher sein, dass ihre Ideen für ein Leitbild vom Gemeinderat auch beachtet werden. Auch das gehört zu den zentralen Erkenntnissen, die am Freitag formuliert wurden. Diese Bürger wünschen sich mehr Miteinander und mehr Leichtigkeit.
Anmeldung heute noch offen
Noch bis zu diesem Dienstag, 16. Juni, können sich Besigheimer online über die Homepage der Stadt an diesem Prozess beteiligen. Dort können sie sich auch bis 22. Juni zu den Workshops anmelden, bei denen die Erkenntnisse der Online-Befragung und der Auftaktveranstaltung vom Freitag vertieft und schließlich formuliert werden sollen.
