Besigheim Ideen für neues Leitbild gesucht

Von Michael Soltys
Bürgermeister Florian Bargmann versprach bei der Einwohnerversammlung am Mittwoch in der Stadthalle mehr Beteiligung, mehr Informationen, mehr Transparenz. Foto: /Oliver Bürkle

Die Beteiligung der Bürger ist ein großes Projekt für 2026. Rathauschef Florian Bargmann moderierte in der Stadthalle eine informative Bürgerversammlung.  

Mehr Beteiligung, mehr Informationen, mehr Transparenz. Das versprach Bürgermeister Florian Bargmann den Besigheimern, die am Mittwochabend in die Stadthalle Alte Kelter zur Bürgerversammlung gekommen waren. Erreichen will er dies vorab durch eine formelle Bürgerbeteiligung im kommenden Jahr. Am Schluss soll ein Leitbild für die Stadt stehen, „das nicht von oben kommt.“

Keine Reaktion auf jüngsteQuerelen im Gemeinderat

Auf die aktuellen Themen der Stadt ging Bargmann stichwortartig ein. Für den Rathauschef selbst war dies „der spannendste Teil des Abends“, der sich ansonsten um Sachinformationen über die Lärmaktionsplanung und die Gefahren bei Starkregen drehte. Wer im Publikum erhofft oder erwartet hatte, dass die jüngsten Querelen zwischen Bürgermeister und Gemeinderat (die BZ berichtete) bei der Bürgerversammlung eine Rolle spielten, der sah sich enttäuscht. Reibung sei normal, Kritik gehöre dazu, sagte Bargmann. Sie sei notwendig, wenn sie konstruktiv vorgebracht werde.

Den Start als Bürgermeister im April vergangenen Jahres habe er sich einfacher vorgestellt, fuhr Bargmann fort. Seine Amtszeit sei bisher geprägt von einer ernsthaften kommunalen Finanzkrise. Grund- und Gewerbesteuer und viele Gebühren mussten erhöht werden.

Diese Maßnahmen haben gewirkt, stellte Florian Bargmann fest. Aber „wir stehen erst am Anfang der Konsolidierung“. Wenn nicht jetzt gespart werde, dann stünden der Stadt und den Bürgern später möglicherweise härtere Maßnahmen bevor: die Reduzierung von freiwilligen Aufgaben und von Personal. Aus Kostengründen musste bereits die Beteiligung am VVS-Rider gekündigt werden.

Weitere Steuererhöhungen seien nicht geplant, versicherte Bargmann. Anders die Gebühren: Hier kündigte er moderate Erhöhungen an. Hoffnung setzt er auf die 7,8 Millionen Euro, die Besigheim bis zum Jahr 2042 aus dem Sondervermögen des Bundes erhalten wird.

Der Verkehr in der Innenstadt, Veranstaltungen und Gastronomie sind in Besigheim ein Dauerthema. Bei einer Umfrage haben sich viele Besigheimer für eine Verkehrsberuhigung in der Kirchstraße ausgesprochen, sagte Bargmann. Prompt kam Widerspruch aus dem Publikum. Das seien Besigheimer, die nicht in der Innenstadt wohnen, hieß es. Die Türkengasse etwa sei ein Stiefkind. Anwohner kämen kaum zu ihren Garagen, der Krankenwagen brauche in Notfällen zu lange. Die Zahl der Veranstaltungen sei viel zu hoch. Das Winzerfest sollte auf ein vernünftiges Maß zurückgefahren werden.

Widerspruch aus dem Publikum zur Verkehrsberuhigung

Kritik hatte es auch am „Weihnachts-Wunderland“ gegeben, das in diesen Tagen auf dem Marktplatz aufgebaut wird. Im Gemeinderat habe Einigkeit darüber bestanden, dass der Marktplatz autofrei wird. „Aber ein dauerhaft leerer Platz ist nicht attraktiv“, sagte Bargmann. Er warb dafür, sich auf die erste Veranstaltung dieser Art einzulassen und das Ergebnis zu bewerten. Es habe keinen Sinn, den Künstler, der das Weihnachts-Wunderland aufbaut, zu beschimpfen.

Umstritten ist auch die Fortsetzung der Arbeiten im Nordpark. Die Gestaltung des letzten Bauabschnitts entspreche nicht vielen Wünschen, hieß es im Publikum. Jetzt steht der Bau des Flößerstegs am Enzufer an, die Aufträge dafür hat der Gemeinderat gerade vergeben. Es gehe darum, die Enz für die Bürger erlebbar zu machen, sagte Bargmann. Angesichts der hohen Förderung habe sich die Stadt entschlossen, die Bauarbeiten bis zu diesem Punkt fortzusetzen, aber nicht weiter. Um die Förderung zu bekommen, müssen die Projekte bis April 2027 abgerechnet sein.

So viele Gruppen aus der gesellschaft wie möglich sollen eingebunden werden

Die Bürgerbeteiligung im kommenden Jahr wird von einer Servicestelle des Landes organisiert und auch bezahlt. Es gehe darum, gemeinsame Ideen für die Gestaltung der Stadt Besigheim zu entwickeln und sich darüber mit Politik und Verwaltung auszutauschen. Das machten Mariesa Pfleiderer und Vivien Gerster von der Servicestelle am Mittwoch in der Bürgerversammlung deutlich.

Bei einer Auftaktveranstaltung werden zunächst die Themen definiert, die für Besigheim relevant sind. Sie können später online ergänzt werden. Kern der Bürgerbeteiligung sind Workshops im Plenum und in Kleingruppen, in denen Empfehlungen an Verwaltung und Gemeinderat ausgearbeitet werden. Sie werden in einem letzten Schritt öffentlich vorgestellt, „um gesehen und gehört zu werden“.

Die Organisatoren wollen so viele Gruppen wie möglich einbinden, versicherten Pfleiderer und Gerster auf Fragen aus dem Publikum, ob Jugendliche oder die ältere Generation. Vereine und Organisationen werden angeschrieben und um Teilnahme gebeten. Es gehe dabei nicht nur um kurzfristige Überlegungen. Das daraus entstehende Leitbild soll bis ins Jahr 2040 gelten.

 
 
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