Besigheim Die Grenze des Machbaren ist erreicht

Von Michael Soltys
Die Bibliothek in Besigheim kommt an ihre Grenzen. Foto: /Oliver Bürkle

Hohe Auslastung, aber enge Räume und knappes Personal. Wie geht es weiter?

Corona hatte für einen Einbruch gesorgt, doch dann begab sich die Stadtbücherei wieder auf Rekordfahrt. Mit mehr als 120.000 Entleihungen wurde im vergangenen Jahr ein neuer Bestwert erreicht. Exakt 2034 aktive Nutzer werden in den Karteien geführt. Außerhalb der Öffnungszeiten wurden den Lesern 86 Veranstaltungen angeboten. Im Vergleich mit Nachbarkommunen wird die Bibliothek in Besigheim überproportional genutzt.

Team arbeitet im roten Bereich

Diese Zahlen nannte Bibliotheksleiter Lutz Schützler am vergangenen Dienstag in seinem Bericht an den Verwaltungsausschuss. Doch diese Entwicklung hat ihre negativen Seiten, ihr Erfolg holt die Bibliothek ein: Längst sei die Grenze des Machbaren erreicht, die vor 50 Jahren zur Eröffnung geplanten Räume reichen nicht mehr aus. Es gibt keine Sitzplätze, keine Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, um in Ruhe zu lesen. Das Personal ist knapp, mit 2,14 Personalstellen ist die Bibliothek unterbesetzt, „wir arbeiten im roten Bereich“, sagte der Bibliotheksleiter. Kooperationen mit Schulen und Kindergärten müssen abgelehnt werden, in vieler Hinsicht müsse die Bibliothek „auf die Bremse treten.“

Das alles wird der Bedeutung der Bibliothek im Zentrum der weiterführenden Schulen mit knapp 1200 Schülern nicht gerecht. Wie also könnte es in Zukunft weitergehen? Dass die Finanzen in Besigheim knapp sind, weiß auch der Leiter der Bibliothek. Chancen ergeben sich mit der Sanierung der Realschule, in deren Räumen die Bibliothek untergebracht ist. Doch frühestens 2028 fällt dafür der Startschuss.

Konzept ist schon fertig

Schützler hat dennoch schon jetzt ein Konzept entworfen, dass verschiedene Wege aufzeigt, die Bibliothek zukunftsfähig zu halten. Sie könnte bestenfalls zu einem „demokratischen Ort“ gestaltet werden.

Ein erster Schritt wäre die Reduzierung der Bücher und anderer Medien, um mehr Platz für Sitzecken zu schaffen. Bis Ende 2026 sollten Terminals eingerichtet werden, an denen Besucher selbst ihre Bücher ausleihen können, regte Schützler an. Das würde Wartezeiten verkürzen und das Personal entlasten. Ebenfalls bis Ende 2026 sollte eine weitere Personalstelle geschaffen werden. Das wiederum würde Kooperationen mit allen Besigheimer Schulen ermöglichen. Doch erst die räumliche Erweiterung würde es der Bibliothek erlauben, alle ihre Kapazitäten auszuschöpfen.

Für seinen Bericht erhielt Schützler im Ausschuss viel Lob, für seine konzeptionellen Überlegungen ebenfalls Zustimmung. „Wir sind am Anschlag“, räumte Stadtrat Christian Herbst von der SPD ein. Das Raumkonzept müsse überdacht werden, so Katrin Hopf von der CDU. „Heute und morgen werden wir das nicht umsetzen können“, sagte Bürgermeister Bargmann, „das Geld ist gerade problematisch.“.  Michael Soltys

 
 
- Anzeige -