Wie vielfältig Tropfen sein können, zeigt die neue Ausstellung im „Wartesaal“ in Besigheim, die am Sonntag eröffnet wurde. Guido Santi beschäftigt sich seit Jahren mit Tropfen und hat ihre Fülle an Formen in der Ausstellung „High-Speed-Fotografie“ sichtbar gemacht.
Besigheim Kein Tropfen gleicht dem anderen
Im Besigheimer Wartesaal ist die High-and-low-Speed-Fotografie von Guido Santi zu sehen.
Extrem kurze und extrem lange Belichtungszeiten haben es dem früheren Raumausstattungsmeister angetan, der sich seit 1980 für Fotografie begeistert und zehn Jahre später eine eigene Fotoschule gegründet hat. Fotokurse gibt er bei der VHS zudem immer noch, auch sein Fotostudio in der Besigheimer Vorstadt gibt es noch.
Der Beginn seiner Tropfen-Fotografie war tatsächlich manuell: Er schickte einen Tropfen auf die Reise und fing ihn mit der Kamera ein. Jeden zehnten Tropfen hatte er auf dem Foto, doch das war dem Künstler zu wenig. Also baute er sich eine Vorrichtung, steuerte die flüssigen Perlen via Magnetventilen, konnte drei Tropfen gleichzeitig oder nacheinander loslassen und schaute sich via Kamera an, was dabei passierte. Auf das 30-tausendstel genau musste er bei der Belichtungszeit arbeiten, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Manchmal färbte er das Wasser in unterschiedliche Lebensmittelfarben, manchmal dickte er es etwas mit Guarkernmehl ein, um verschiedene Effekte zu erzielen, berichtete er bei der Vernissage.
Dreidimensionale Effekte
Wie die Tropfen in Wasser- oder Weingläser fallen, welche Kelche, Kronen oder Schirmchen sie dann bilden und welch filigrane Figuren dabei entstehen können, wenn mehrere Tropfen auf die Reise geschickt werden, davon erzählen die Fotografien in der Ausstellung, die bis 22. März immer sonntags von 14 bis 17 Uhr angeschaut werden kann. Doch nicht nur kurze Belichtungszeiten faszinieren den Fotografen und Nepalreisenden Santi, auch mit langen Belichtungszeiten spielt er und zeigt, wie unterschiedlich Licht dabei seine Wirkung entfalten kann. Bei seinen Fotos, in denen er Frauen in Szene gesetzt hat, spielt er mit Lichterketten oder Lichtschwertern. So entstehen dreidimensionale Effekte um die Porträts herum. Santi lichtet so manche Gasse in Besigheim mit seinen Lichteffekten ab und da wundert es kaum, dass einem auf dem Foto auch mal ein feuerspeiender Drache entgegen kommt. So bekommen die Bilder von Guido Santi eine gewisse Leichtigkeit und lohnen, eine zweite Runde durch die ehemaligen Warteräume zu drehen.
In die Ausstellung führte Bernd Moritz vom Vorstand des Vereins Wartesaal – Kultur in Besigheim ein. Musikalisch begleitet wurde er von Sabine Kumkar, die auf ihrer Bratsche eine von Telemanns zwölf Fantasien spielte. Der Verein, der seit gut 16 Jahren im ehemaligen Wartesaal des Besigheimer Bahnhofs seinen Sitz hat, veranstaltet einen bunten Reigen an Konzerten, Vorträgen, Lesungen, Gesprächen in den Räumen. Ines Schmiedl
