Besigheim kommt beim Thema preisgünstiger Wohnraum nicht weiter Der Stadt fehlt ein Grundstück

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Das Gelände der früheren Ziegelei in Besigheim nahe beim Bahnhof. Hier sehen viele eine Chance, preisgünstigen Wohnraum anzubieten. Das Gelände ist im Besitz der Firma Layher.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Seit Jahren tragen sich Gemeinderat und Verwaltung mit dem Gedanken, preisgünstigen Wohnraum zu realisieren. Geschehen ist bisher nichts.

Das Thema bezahlbarer Wohnraum bewegt die Städte und Gemeinden in der Region. Bietigheim-Bissingen reserviert bis zu 20 Prozent der Wohnungen der Bietigheimer Wohnbau für eine Klientel, die auf günstige Mieten angewiesen ist. Selbst kleine Gemeinden wie Freudental und Löchgau können wie in der BZ berichtet einen Teil der Neubauwohnungen für Mieter bereitstellen, die das Mietniveau im Landkreis nicht aufbringen können.

Und im benachbarten Besigheim? Fehlanzeige. In den vergangenen Jahren hat es in der Stadt verschiedene Baugebiete gegeben: Doch weder im Bülzen noch im Spindelberg waren der soziale Wohnungsbau, eine Mietpreisbindung oder zumindest ein vergünstigt angebotener Wohnraum ein Thema in Verwaltung und Gemeinderat. Lediglich jungen Familien mit Kindern, die einen Bauplatz erstehen wollten, ist die Stadt mit einer Verringerung des Kaufpreises von Grundstücken aus eigenem Besitz entgegengekommen.

Dabei ist die Diskussion, wie und in welcher Form die Stadt für vergünstigten Wohnraum sorgen soll, nicht neu. Schaut man sich die Stellungnahmen der Fraktionen bei den Haushaltsberatungen an (siehe Info-Kasten), dann scheint in den Reihen der Stadträte sogar ein gewisser Unmut zu herrschen, dass sich immer noch nichts tut. Anfang 2020 ließ sich der Gemeinderat von einem Fachbüro die verschiedenen Möglichkeiten erläutern. Danach tauschte sich die Stadträte bei einer Klausurtagung darüber aus. Doch ein Ergebnis lässt sich erwarten, denn es gibt aus Sicht der Stadt ein zentrales Problem: „Uns fehlt das passende Grundstück“, sagt Bürgermeister Steffen Bühler.

Zuletzt hatte die Stadt im vergangenen Jahr eine Reihe von Grundstücken im Ingersheimer Feld auf den Markt gebracht. Dort hatten sich Stadt und Gemeinderat allerdings angesichts der guten Lage für eine Bebauung mit Einzelhäusern entschieden. Um möglichst teuer zu verkaufen, wurden die Grundstücke im Bieterverfahren vergeben, die Vermarktung zielte damit im Vorhinein auf eine gut situierte Käuferschicht.

Zwei Optionen

Bewegung könnte es an anderer Stelle des Ingersheimer Feldes geben, beim Kindergarten Wald. Er ist in die Jahre gekommen und muss saniert oder neu gebaut werden. Schon seit Jahren gibt es den Vorschlag, einen Neubau so anzuordnen, dass die Stadt einen Bauplatz für Geschosswohnungen ausweisen könnte.

Große Hoffnungen und Erwartungen ruhen auf dem Ziegelei-Areal, das im neuen Flächennutzungsplan als Wohnbauschwerpunkt ausgewiesen ist. Lange hatte die Stadt gehofft, das bahnhofsnahe ehemalige Firmengelände von der Familie Nestrasil erwerben zu können. Doch den Zuschlag erhielt im Frühjahr 2019 die Wohnbaufirma Layher. Der Stadt bleibt jetzt lediglich die Möglichkeit, über Verhandlungen mit dem Besigheimer Wohnbauunternehmen und über einen Bebauungsplan Einfluss auf die Gestalt des neuen Wohngebietes zu nehmen und damit auch über den Anteil an preisgünstigen Wohnungen oder eine Mietpreisbindung.

Längst laufen die Gespräche mit der Unternehmensführung, machte Bürgermeister Bühler im Gespräch mit der BZ deutlich. Doch diese können sich noch über Jahre hinziehen. Der Flächennutzungsplan ist noch nicht einmal verabschiedet. Ungeklärt ist auch, bis zu welchen Grenzen das Ziegelei-Areal bebaut werden darf. „Das müssen wir gemeinsam mit der Wohnbau-Firma überlegen“, sagte Bühler. Schon jetzt gibt es Proteste wegen Naturschützern, weil auf dem Gelände Wildbienen gesichtet worden sind. Danach erst könne geklärt werden, welcher Anteil für preisgünstigen Wohnraum reserviert werden soll, so Bühler. Dafür dürfte mit Blick auf die Interessen der Wohnbau ein gewisser Preis fällig sein, er sehe „Widerstände seitens des Unternehmens“, sagte der Bürgermeister.

Offene Fragen

Schließlich muss sich der Gemeinderat darüber verständigen, für welche Zielgruppe preisgünstiger Wohnraum entstehen soll. Sind Menschen gemeint, die einen Wohnberechtigungsschein haben oder geht es darum, Bürgern mit mittlerem Einkommen den Kauf oder die Miete einer Wohnung zu erleichtern? Alle diese Fragen sind noch offen

Info In einer losen Artikelreihe stellt die BZ-Redaktion unter dem Stichwort „Wohnen“ geplante Neubauprojekte in den verschiedenen Kommunen des Verbreitungsgebiets der Bietigheimer, Sachsenheimer und Bönnigheimer Zeitung vor.

 
 
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