Besigheim Kreative Ideen für den Nebenerwerb

Von Gabriele Szczegulski
Martin und Marie Joos bauen auf dem Neckarliebehof im Schimmelfeld in Besigheim grünen und lilafarbenen Spargel in kleinen Mengen an und verarbeiten ihn oft direkt auf dem Koch-Anhänger. Foto: /Oliver Bürkle

2020 begann das junge Winzerehepaar Martin und Marie Joos in Besigheim, grünen Spargel anzubauen, als Zusatzeinnahme zum Weinbau und zum Beruf.

Zwei Jahre dauert es nach der Pflanzung von Spargel mindestens, bis eine erste Ernte möglich ist. 2020 baute das junge Ehepaar Martin (30) und Marie Joos (29) erstmals die alte Sorte grüner Spargel namens „Schneewittchen“ an. Jedes Jahr seit damals erweitern sie die Spargel-Anbaufläche auf dem Hof der Familie Pfersich, den Eltern von Marie Joos. 2020 kam der erste lilafarbene Spargel, „Pacific Purple“, hinzu. Der Weinbautechniker aus Hessigheim und die Besigheimerin, die Weinbau studiert hat, sind immer auf der Suche nach neuen Einkunftsquellen neben ihrem Hauptgeschäft, dem Weinbau in den Weingütern ihrer Familien.

„Dem Weinbau geht es schlecht, der Verkauf geht zurück, das Traubengeld auch, da ist es gut, frühzeitig Alternativen zu finden“, sagt Marie Joos. Die Weinberge der beiden Familien sind der Felsengartenkellerei Hessigheim angeschlossen, „bis auf ein paar kleinere Wengert, die wir selbst bewirtschaften und von deren Trauben wir auch eigenen Wein machen und abfüllen“, sagt Martin Joos.

„Wir wollen, dass die Natur am Neckar erhalten bleibt und dass wir unseren Lebensunterhalt hier verdienen können und dass die Kulturlandschaft mit Steillagen und Streuobstwiesen bleibt, da muss man kreativ werden“, sagt er. Und so kamen sie auf die Idee, mit dem Anbau von Spargel – und Kürbissen und Melonen – und dem Verkauf im Selbstbedienungshofladen Im Schimmelfeld 4 einen weiteren Betriebszweig zu haben. Grüner Spargel ist einfacher anzubauen und benötigt fast keine Pflege, genauso wie lila Spargel, deshalb fiel die Wahl darauf und nicht auf den in der Gegend angebauten Bleichspargel.

Zudem haben die beiden eine Gruppe bretonischer Zwergschafe, die in den Obstgärten den Rasenmäher arbeitslos machen. Der aus den dort wachsenden Äpfeln gewonnene Saft heißt dann auch Schafapfelsaft. „Neckarliebehof“ haben sie den Hofladen genannt – als Synonym für sie selbst als Paar und ihre Liebe zum Neckar und der Umgebung. Will man dort derzeit Spargel kaufen, ist es am besten, ihn vorzubestellen. „Noch produzieren wir keine Massen“, so Marie Joos. Vor allem der lilafarbene Spargel wächst noch spärlich, aber im Nachbarbeet wartet schon die zweite Anpflanzung von „Pacific Purple“. Man lässt die Pflanzen ins Kraut schießen, damit sie Kraft für die eigentlichen Spargel sammeln können. „Im nächsten Jahr haben wir sicher mehr von dem lila Spargel“.

Förderung des ökologischen Anbaus

Die beiden können sich nicht vorstellen, etwas anderes zu machen als hier in ihrer Heimat am Neckar zu leben und im Weinbau und in der Natur zu arbeiten. Noch haben beide feste Teilzeitberufe, die aber auch mit ihrer Leidenschaft – Weinbau, Landwirtschaft, Obstanbau, Natur – zu tun haben. Und vor allem, in denen sie viel für die Förderung und den Erhalt der regionalen Kulturlandschaft tun können. Marie Joos arbeitet bei der Fördergruppe für ökologischen Obstbau bei der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO), wo sie für naturnahe und ökologische Forschungsprojekte verantwortlich ist. Martin Joos arbeitet auch in Teilzeit bei der LVWO an Versuchen der technischen Optimierung im Weinbau.

Den Rest ihrer Zeit arbeiten sie im Wengert, bauen Spargel an und laden zu Events oder Führungen im Weinberg ein. Sie haben sich für ihren Traktoranhänger eine Outdoorküche bauen lassen. Da wird der Spargel direkt geschnitten (grüner Spargel muss nicht gestochen werden) und kommt vom Feld in den Kochtopf. In der Pfanne wird ein Omelette aus dem von der Mutter von Marie Joos selbstgemahlenen Vollkornmehl gebacken, das von den Feldern der Familie Pfersich kommt. Auch das eine neue Idee: Der Ackerbau wird durch Blühpatenschaften und einer vielfältigen Fruchtfolge mit Soja oder Dinkel für eigenes Mehl variiert.

„Um den Steillagenweinbau und seine Schönheit, aber auch seine Probleme zu zeigen, laden wir oft in unsere Weinberge ein“, sagt Martin Joos. Beispielsweise am Wurmberg bei den Felsengärten in Hessigheim, bei Mundelsheim oder Besigheim. Sie richten auch Firmenevents oder Familienfeiern aus – direkt im Weinberg oder am Hof im Schimmelfeld – auf Wunsch auch mit Spargel..

Spargelanbau im eigenen Garten

Spargel (Grün- oder Bleichspargel) im eigenen Garten anzubauen, ist ein lohnendes Projekt, erfordert aber Geduld, da die erste Ernte meist erst im zweiten oder dritten Jahr nach der Pflanzung (April/Mai) erfolgt. Wichtig sind ein sonniger Standort, tiefgründiger, lockerer Boden und eine Pflanztiefe von 15 bis 20 Zentimeter in Gräben. Eine Pflanzung von einjährigen Wurzelstöcken (Rhizomen) ist ideal.

Bei Bleichspargel wird die Erde im Frühjahr zu Dämmen angehäufelt, grüner Spargel wächst ebenerdig. Die erste Ernte ist ab dem zweiten oder dritten Frühjahr möglich. Pro Person rechnet man mit etwa 12 bis 20 Pflanzen. Spargel kann etwa zehn bis 15 Jahre am selben Standort bleiben, dann muss er neu an anderer Stelle gepflanzt werden. Im Winter stirbt das Kraut von selbst ab, das man auf jeden Fall so lange stehen lassen sollte, da es die Kraft in das Rhizom bringt.

Damit die Pflanzen neue Kräfte sammeln, endet die Spargelsaison traditionell zu Johanni, am 24. Juni. Die Pflanzen treiben dann aus und schnell wächst das fein verzweigte Spargelkraut auf bis zu anderthalb Meter an. Spargel ist zweihäusig, es gibt also weibliche und männliche Pflanzen. Aus den blassgelben weiblichen Blüten reifen später knallrote Früchte.

Kontakt Neckarliebehof, Marie Joos, Telefon (01578) 244 14 59, Instagram: @neckarliebe.hof.

 
 
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