Besigheim Langes Warten auf neue Feuerwache

Von Michael Soltys
Der Bedarf nach einer Erweiterung des Feuerwehrhauses ist in Besigheim dringend, doch das Projekt stockt. Foto: /Oliver Bürkle

Der Besigheimer Gemeinderat ist sich uneins über Größe und Nutzung einer Erweiterung.

Schon seit Frühjahr 2023 beschäftigt sich der Besigheimer Gemeinderat mit der Erweiterung des Feuerwehrhauses auf dem Gelände nahe Aldi und Lidl. In diesem Jahr sollen Pläne erarbeitet werden, um im kommenden Jahr einen Antrag auf Förderung durch den Ausgleichsstock zu stellen. Am Dienstag wollten die Räte im Ausschuss für Umwelt und Technik einen Schritt weiterkommen und das Vergabeverfahren für die Architektenleistungen in Gang setzen. Doch daraus wurde nichts.

Keine Abstimmung im Gemeinderat

Der Grund: Das Gremium ist sich nicht einig - weder über die Größe der neuen Feuerwache, noch über Art und Umfang der Nutzung. Bürgermeister Florian Bargmann zog schließlich auf Vorschlag von CDU-Fraktionschef Ulrich Gerstetter die Vorlage zurück, zu einer Abstimmung kam es nicht. In nicht-öffentlicher Sitzung begab sich das Gremium schließlich auf die Suche nach Einigkeit, nach einer Mehrheitsmeinung oder zumindest einem minimalen Konsens.

Dabei müsste allen Stadträten längst klar sein, wie dringend Erweiterung und Sanierung des 1978 errichteten Gebäudes und seiner Anbauten sind. Es fehlt an Flächen für Fahrzeuge, und Geräte. Die Sozialräume sind ebenso wenig zeitgemäß wie Räume für Schulungen und die Jugendfeuerwehr. Teilweise wird gegen Unfallvorschriften verstoßen. Seit November 2024 liegt eine Machbarkeitsstudie vor, die den Raumbedarf der Feuerwehr beschreibt und belegt, dass der angestammte Platz sich für eine Erweiterung eignet.

Für neue Dynamik sorgte Ende Januar 2026 ein Antrag der SPD. Die Fraktion drängte auf die Prüfung eines alternativen Standortes und wollte wissen, ob in der neuen Feuerwache zusätzlich das Rote Kreuz untergebracht werden kann. Denn auch das DRK leidet seit langen unter sehr beengten Verhältnissen.

Beide Ansinnen lassen sich nicht umsetzen, führte Bürgermeister Bargmann am Dienstag im Ausschuss aus. Um zusätzliche Garagen, Parkplätze und Räumlichkeiten für das Rote Kreuz unterzubringen, fehlt es auf dem bestehenden Gelände an Platz. Der Bau von Räumen für das Rote Kreuz sei eine freiwillige Aufgabe und werde anders als die Feuerwache nicht finanziell gefördert. Lediglich ein Schulungsraum könnte in einem Erweiterungsbau von beiden Organisationen genutzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Stadt nach einem gemeinsamen Gespräch mit dem DRK, der Feuerwehr und Architekt Jochen Feyerabend, dem Verfasser der Machbarkeitsstudie, damals noch Kommandant der Feuerwehr.

Als alternativer Standort für einen Neubau kommt auf den ersten Blick das nahe Ceratizit-Gelände in Betracht. Grundstücke hat die Stadt auf dem Gelände nicht, ob ein Erwerb überhaupt möglich ist, ist laut Bargmann fraglich. Der Abbruch bestehender Gebäude, Neuplanung und Bau kosten Zeit und seien unverhältnismäßig teuer. Gewerbeflächen würden blockiert werden.

Das alles reicht den Stadträten jedoch nicht, die weiteren Planungen zu beauftragen. Marcel Kühnle von der SPD bemängelte, dass die Fraktionen nicht in die Gespräche mit DRK und Feuerwehr einbezogen wurden. Seine Fraktionskollegin Sonja Rupp hält manche Räume für zu großzügig bemessen. „Es muss möglich sein, daran zu schrauben“, sagte sie.

Friedrich Köhler, Fraktionssprecher der Freien Wähler, schlug vor, zunächst den vorderen Gebäudeteil der aktuellen Wache zu überplanen, um danach prüfen zu können, ob im hinteren Teil nicht doch Platz für das Rote Kreuz ist. Fraktionskollege Stefan Bruker, selbst lange Mitglied der Feuerwehr, sieht jedenfalls Wege, mehr Platz schaffen. Der Ottmarsheimer drängte darauf, dass Gerätschaften, die für den Einsatz nicht notwendig sind, auf die Feuerwache nach Ottmarsheim verlegt werden. „Man muss halt auch wollen“, warf er Stadt und Feuerwehr vor.

Kommandant verweist auf Feuerwehrbedarfsplan

Das sieht Feuerwehr-Kommandant Christoph Benisch anders. Größe und Ausstattung der geplanten Erweiterung entsprechen dem Feuerwehrbedarfsplan und sind teils gesetzlich vorgeschrieben, entgegnete er. Auch praktische Gründe sprächen dagegen. Unterstützt wurde er von Stadtbaumeister Klaus Brixner: „Wir haben da wenig Spielraum.“

Für Thomas Pulli vom BMU besteht dringender Handlungsbedarf. Die Argumente der Stadtverwaltung sind für ihn nachvollziehbar. Passiert ein Unfall in der Feuerwache, steht womöglich der Staatsanwalt vor der Tür, warnte er. Für den Katastrophenfall sei die Feuerwache schlecht ausgerüstet. Die Vergabe an einen Architekten müsse deshalb jetzt schleunigst in Gang gesetzt werden.

In diesem Punkt stimmte ihm CDU-Fraktionssprecher Ulrich Gerstetter zu, die Planungen müssten jetzt angeschoben werden. Gerstetter erinnerte daran, dass sich schon frühere Gemeinderats-Gremien auf die Suche nach alternativen Standorten gemacht haben, auch damals vergeblich. Bürgermeister Bargmann warf er vor, sich nicht mit den Gemeinderäten abgestimmt zu haben. Ganz anders Gerstetters Fraktionskollegin Ramona Reiner. Die Erweiterung der Feuerwache gehöre nicht an den aktuellen Standort. Machbarkeitsstudie sei reiner Luxus, „von allem nur das Beste“, sagte sie.

Also alles auf Anfang? Man darf gespannt sein, wie sich das Gremium jetzt positioniert.

 
 
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