Die Befürchtungen der Bürgermeister in den Neckargemeinden treten nun ein: Die Wehr- und Kanalbrücke in Besigheim wird am Montag, 13. Juli, ab 7 Uhr „bis auf Weiteres für den gesamten Kraftfahrzeugverkehr gesperrt“, wie es in einer Mitteilung des Landratsamts, des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS) und des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar (WSA) heißt. Der gesamte motorisierte Verkehr muss die Brücke umfahren.
Besigheim Neckarbrücke ab Montag gesperrt
Mehrere Drahtseilrisse an der selben Stelle wurden am Bauwerk in Besigheim am 8. Juli festgestellt.
Grund für die Sperrung sind weitere Schäden im Brückenbereich oberhalb des Wasserkraftwerks. Am 8. Juli um 16.27 Uhr hat das installierte Monitoringsystem erneut Alarm ausgelöst und weitere Spanndrahtbrüche gemeldet. Diese führen jetzt zur Sperrung des Brückenbauwerks.
Bereits im Februar 2026 musste das Bauwerk für den Kraftfahrzeugverkehr ab einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen gesperrt werden. Dieser Verkehr wurde seither umgeleitet. Lediglich für den Busverkehr war das Befahren der Brücke noch erlaubt. Jetzt ist eine Sperrung für alle Kraftfahrzeuge notwendig.
Tragfähigkeit der Brücke nicht mehr gewährleistet
Das Teilbauwerk oberhalb des Wasserkraftwerkes wird durch das WSA verwaltet. Es folgte eine Meldung des WSA an das zuständige Landratsamt Ludwigsburg und das RPS. In einer kurzfristig anberaumten Besprechung mit allen Beteiligten musste aufgrund der entstandenen Schadenslage an dem Brückenteil die Entscheidung für die Sperrung getroffen werden, da die Tragfähigkeit der Brücke für die bestehende Belastung mit dem Kraftfahrzeugverkehr nicht mehr gewährleistet werden kann, heißt es in der Mitteilung.
Busverkehr mit einschneidenden Beeinträchtigungen
Radfahrer und Fußgänger können die Brücke weiterhin nutzen. Der Kraftfahrzeugverkehr muss das Brückenbauwerk über die bestehende Umleitung des Lkw-Verkehrs umfahren. Die Umleitung verläuft über die L 1115 und die B 27.
Schüler, die Schulen in Besigheim besuchen und aus Gemmrigheim, Ottmarsheim, Hessigheim und Mundelsheim kommen müssen sich auf erhebliche Verspätungen einstellen. Zudem muss damit gerechnet werden, dass auch nachfolgende Fahrten der betreffenden Busse an anderer Stelle verspätet unterwegs sein werden.
Die Schülerbusse (A-Linien) werden ab Neusatz über Kirchheim umgeleitet. Alternativ können die Schülerinnen und Schüler an der Haltestelle Neusatz aussteigen und den Weg über die Brücke zur Schule zu Fuß zurücklegen. Der Linienverkehr der Linien 459, 568 und 574 ist ebenfalls unterbrochen.
Die Sperrung hat immense Auswirkungen auf die Fahr- und Dienstpläne des Buslinienbetreibers. Alle Beteiligten arbeiten daher mit Hochdruck an der Umsetzung eines Notkonzepts für den Busverkehr.
Ziel : Start des Brückenneubaus bis 2030
Das WSA hat bereits weitere Untersuchungen am Bauwerk in Auftrag gegeben, um die entstandenen Schäden zu untersuchen. Mit Ergebnissen ist voraussichtlich frühestens Anfang September zu rechnen.
Mit den Untersuchungsergebnissen können Maßnahmen geprüft werden, um die Traglast des Bauwerkes neu zu definieren. Gemeinsames Ziel ist, den Pkw-Verkehr bis zum Brückenneubau, der voraussichtlich 2030 startet, wieder zulassen zu können.
RPS: Planungen für Neubau bereits eingeleitet
Info
Die Wehr- und Kanalbrücke in Besigheim, auch bekannt als Neckarbrücke, wurde in den 1950er-Jahren gebaut und wird täglich von mehr als 13.000 Fahrzeugen genutzt. Der Lkw-Anteil liegt bei etwa 4,2 Prozent. Aufgrund ihrer Bauweise als Spannbetonbrücke mit Spannstahl ist die Wehr- und Kanalbrücke anfällig gegenüber Spannungsrisskorrosion. Wie es abschließend in der Mitteilung heißt, habe das Regierungspräsidium Stuttgart bereits Planungen für den Neubau des Brückenbauwerks eingeleitet und treibe diese mit Nachdruck voran.
