Besigheim Neckarbrücke muss noch vier Jahre halten

Von Michael Soltys
Die Neckarbrücke Besigheim, über die die Landesstraße 1115/Hessigheimer Straße führt ist in die Jahre gekommen. In der Gemeinderatssitzung war der Unmut über die langandauernde Planungsphase des Regierungspräsidiums für die Sanierung und den Neubau der Brücke groß. Foto: /Oliver Bürkle

Nach der Sperrung für Lkw sind die Sorgen über den Zustand der Brücke groß. Eine Vollsperrung ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Dass Lastwagen seit kurzem nicht mehr die Brücke über den Neckar in Besigheim überqueren dürfen, hat für Verärgerung und Verunsicherung in der Stadt gesorgt.

Das wurde am Dienstag in der Gemeinderatsitzung deutlich: Dirk Lipp vom Regierungspräsidium in Stuttgart referierte dort über den Zustand der Brücke und die anstehende Sanierung. Was Lipp mitzuteilen hatte, sorgte für Kopfschütteln im Gremium und bei den Bürgern, die zur Sitzung gekommen waren, darunter auch die Bürgermeister aus Mundelsheim und Hessigheim, Boris Seitz und Günther Pilz.

Bis mindestens Ende 2030 müssen die Besigheimer und die Nachbarkommunen warten, bis mit Sanierung und Neubau begonnen wird. Danach ist mit drei Jahren Bauzeit zu rechnen samt weiten Umwegen für die Autofahrer. Für Fußgänger und Radfahrer soll eine provisorische Überquerung eingerichtet werden. Doch auch sie werden während des Baus für bis zu acht Wochen abgeschnitten.

Und bis es soweit ist? Hält die Brücke überhaupt noch vier Jahre bis zum Baubeginn durch oder droht schon vorher die Vollsperrung? Ist die Brücke überhaupt noch sicher genug? Das waren Fragen von Zuschauern und aus dem Gemeinderat, mit denen sich der Vertreter des Präsidiums konfrontiert sah.

Wurde das Projekt verschlafen?

Heftige Vorwürfe kamen hinzu: Seit mehr als einem Jahrzehnt sei die Brückensanierung im Gespräch, immer wieder sei sie verzögert worden. Auch jetzt dauere die Planungsphase wieder viel zu lang. Das Projekt sei verschlafen worden, sagte Stadtrat Friedrich Köhler (Freie Wähler), der als Bauunternehmer selbst stark von der Sperrung für Lastwagen betroffen ist. „Dieses Jahr planen, nächstes Jahr bauen“, forderte er.

Deutlich wurde auch Thomas Pulli (BMU): Seit einem Jahr spreche das Regierungspräsidium von Vorplanungen. „Ich hätte jetzt detaillierte Pläne erwartet“, sagte er. Doch der bürokratische Weg sei lang, führte Lipp aus. Straßenplanung, die Statik der Wehrbrücke, Naturschutz, Wasserrecht und Baurechtliches müssen beachtet werden, bevor ein Entwurf im Ministerium vorgelegt werden kann.

Veranlasst wurde die Sperrung vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Ihr gehört die Wehrbrücke mit den charakteristischen Betonstützen und dem Kraftwerk. In diese Entscheidung sei das Präsidium nicht eingebunden gewesen, machte Lipp deutlich. Die unter Denkmalschutz stehende Wehrbücke muss saniert werden. Die Kanalbrücke in Richtung der Stadtteile Neusatz und Ottmarsheim ist dagegen im Besitz des Landes, zuständig ist das Regierungspräsidium. Diese Brücke wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Spröder Stahl aus den 50ern

Das Problem beider Brückenteile ist der in den 50er-Jahren verbaute Stahl, der spröde wird und dessen Bänder zu reißen drohen. Schon im vergangenen Jahr war deshalb verfügt worden, dass Lkw nur mit einem Mindestabstand von 50 Metern die Brücke überqueren dürfen. Im November 2025 wurden insgesamt 44 Sensoren an den beiden Brücken angebracht, die mögliche Risse im Stahl melden. Dreimal haben die Sensoren seitdem laut Lipp angeschlagen.

Eine Aussage, in welchem Ausmaß der Stahl schon zuvor beschädigt wurde, ist nicht möglich, so Lipp. Um den Gesamtzustand zu beurteilen, müssen weitere Daten abgewartet werden. „Erst nach einem Jahr wissen wir, wie das Bauwerk reagiert.“

Der Vertreter des Regierungspräsidiums geht nicht von einer drohenden Vollsperrung der Brücke aus. „Wir sind zuversichtlich“, sagte er. Versprechen kann er das jedoch nicht. „Es könnte passieren“, schränkte er ein. Dass die Brücke sicher überquert werden kann, steht für ihn jedoch außer Frage.

Öffentliche Busse und der Rettungsdienst dürfen die Brücke weiterhin überqueren. Warum nicht auch die Lastwagen der örtlichen Unternehmer, fragte Stadtrat Friedrich Köhler? Wer kontrolliert die Einhaltung der Verbote?, wollte Christian Herbst (SPD) wissen. Dafür ist die Polizei zuständig, wurde in der Sitzung deutlich.

Für die Wengerter, die nach Hessigheim zur Kellerei wollen, müsse im Herbst eine Lösung gefunden werden, forderte Ulrich Gerstetter (CDU). Er mahnte die Stadtverwaltung an, frühzeitig an die Anbindung des Radwegs zu denken. Auf der sanierten und erneuerten Brücke ist ein Fuß- und Radweg mit drei Metern Breite vorgesehen.

 
 
- Anzeige -