Besigheim Nirgends Platz für den Geschichtsverein

Von Michael Soltys
Das historische Fachwerkhaus in der Entengasse ist stark sanierungsbedürftig. Die Stadt sucht einen Interessenten. Foto: /Oliver Bürkle

Der 200 Mitglieder starke Verein möchte die Geschichte der Stadt präsentieren. Eignet sich die Entengasse 10?

Wenn Hans-Jürgen Groß am Haus in der Entengasse 10 in Besigheim vorbeigeht, dann drängen sich ihm viele Gedanken und Gefühle auf. Hoffnung sind darunter und Wünsche, aber auch große Frustration.

Seit Jahren drängt der Besigheimer Geschichtsverein, dessen Ehrenvorsitzender Hans-Jürgen Groß ist, auf angemessene Räumlichkeiten in der Stadt. Ein Haus der Geschichte oder wenigstens zwei oder drei Räume für die Geschichte schwebt den rund 200 Mitgliedern vor. Räumlichkeiten, in denen sie die Geschichte der Stadt an Enz und Metter präsentieren können. Gerne würden sie auch einen Teil ihres Fundus an historischen Gegenständen dort ausstellen.

Auf das historische Fachwerkhaus in der Entengasse haben die Mitglieder schon seit langem einen begehrlichen Blick geworfen. Es ist Teil des Waldhornareals, für das die Stadt aktuell auf der Suche nach Investoren ist. „Das wäre eine gute Chance für uns“, sagt Groß. Festlegen will sich der Geschichtsverein allerdings nicht auf die Immobilie. „Es kann auch etwas anderes sein.“

Gleichgültigkeit bei den Entscheidern frustriert

Was Groß so frustriert, ist die Gleichgültigkeit, mit der man dem Anliegen des Vereins in der Stadt und im Gemeinderat begegnet. „Niemand hat uns bisher gefragt, was wir eigentlich möchten“, sagt er. Groß fühlt sich vertröstet und hingehalten.

Schon vor Jahren habe er sich mit dem damaligen Bürgermeister Steffen Bühler über ein solches Projekt unterhalten. Mehr als die Zusage, sich darüber Gedanken zu machen, sei dabei nicht herausgekommen. Florian Bargmann, Bühlers Nachfolger, habe bisher keinerlei Interesse an der Sache gezeigt. Auch bei Stadträten habe er kein Gehör gefunden.

Natürlich weiß auch Groß, dass die Stadt aktuell in Geldnöten ist. Aber was ihm fehlt, sind Visionen und Ziele. „Manchmal muss man etwas setzen, was erst in zehn Jahren wirksam wird“, sagt er. Welche Zuschüsse oder Förderungen gibt es für ein solches Projekt? Mit welchen Kosten wäre zu rechnen? Wo und wie können Sponsoren und Spender gewonnen werden? Alle diese Fragen können erst beantwortet werden, wenn man sich näher mit dem Anliegen des Geschichtsvereins auseinandersetzt, argumentiert Groß.

Um selbst Ideen zu gewinnen, hat der Geschichtsverein viele Museen in der Nachbarschaft aufgesucht. Was der Ehrenvorsitzende und seine Mitstreiter keineswegs befürworten, ist ein Heimatmuseum im alten Stil. In einem der Räume könnte man ein Modell der Stadt Besigheim ausstellen und zeigen, wie die beiden Flüsse am Fuß der Stadt früher verlaufen sind.

Ein zweiter Raum könnte schwerpunktmäßig dem Gewerbe der Stadt gewidmet sein, sofern es in früheren Jahrhunderten von großer Bedeutung war. Dazu zählt Groß beispielsweise die vielen Gaststätten, die es früher in Besigheim gab. Auch das Handwerk der Küfer gehöre dazu. Sie bauten früher die Fässer für die Händler, die sich in Besigheim mit Wein versorgten und oft von weither kamen. Nicht zu vergessen die Textilindustrie. Sollte ein dritter Raum verfügbar sein, könnte man darin Wechselausstellungen unterbringen.

Geschichtsverein hat Kompetenz für ein Konzept

An Kompetenz für das Konzept eines solchen Hauses fehlt es dem Geschichtsverein nicht. Michael Aumüller, Nachfolger von Groß als Vorsitzender, ist im Hauptberuf Leiter des Ludwigsburger Staatsarchivs.

Um diese Räume zu füllen, kann der Geschichtsverein auf einen großen Fundus zurückgreifen. Viele Bürger bringen Groß und den anderen Mitgliedern historische Werkzeuge und andere Gegenstände, die sie für erhaltenswert halten. Aber: „Wir sammeln und sammeln und wissen nicht wofür“, sagt Groß.

Und er weiß auch bald nicht mehr, wohin damit. Die meisten Gegenstände sind im Besigheimer Wasserturm untergebracht. Gemälde lagern auf dem Speicher des Steinhauses in einer Kühlkammer. Ein Keller in der Türkengasse ist voll mit Utensilien, die im Wengert genutzt wurden. Das alte E-Werk an der Schleuse dient als Lagerstätte für sperrige Gegenstände. Sammeln, aufbewahren, pflegen, ohne eine Idee, was später damit geschehen soll: „Das wollen wir nicht mehr leisten.“

Jetzt gilt es für Groß erst einmal abzuwarten, ob sich Interessenten für das Haus in der Entengasse finden, das in hohem Maße sanierungsbedürftig ist. Groß ist skeptisch.

 
 
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