Besigheim-Ottmarsheim Landfrauen heizen den Ofen an

Von Corinna Müller
Die Landfrauen in Ottmarsheim veranstalteten am vergangenen Samstag einen Backtag. Im Bild Marion Langenberg (links) und Kathrin Rosenberger. Foto: /Oliver Bürkle

Im Backhäusle in Ottmarsheim wurden am Samstag knapp 30 Brote unterschiedlichster Mehlsorten gebacken.

Viermal im Jahr findet im historischen Backhäusle in Ottmarsheim ein offener Backtag statt. Jeder Interessierte darf an diesen Tagen seinen Brotteig dort abgeben und von den Landfrauen backen lassen. Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit.

Temperaturtest mit der Hand

Kathrin Rosenberger vom Landfrauenverein hat bereits am Vorabend den alten Ofen auf Grundtemperatur gebracht und heizt ihn am nächsten Morgen mit Rebbüscheln weiter an. „Wenn man die Hand zehn Sekunden lang in den Ofen halten kann, ist die Temperatur genau richtig“, erklärt sie Susanne Rothfuß, die an diesem Tag mitarbeitet. Rothfuß möchte sich ein wenig einlernen, denn sie plant, mit den Besigheimer Konfirmanden 100 Laibe Brot zu backen und damit „Brot für die Welt“ zu unterstützen.

Wie schon 1835, zur Bauzeit des gepflegten Steingebäudes, müssen zunächst die Steinplatten des Ofens auf 270 Grad erhitzt und die darauf liegende Reisigglut geklopft werden, ehe die Asche sauber ausgefegt und der Ofen mit einem nassen Lappen gewischt wird. Eile ist angesagt, denn „es kann nicht nachgeheizt werden, wenn die Temperatur sinkt“, so Rosenberger.

„Vorsichtig, nicht hauchen“

Der etwas antiquiert wirkende Thermometer, der die Handtestmethode in Ottmarsheim bereits vor Jahrzehnten abgelöst hat, zeigt dann auch die erforderliche Hitze an, als das Brot auf den Schieber gestürzt und eingeschossen wird. „Vorsichtig, nicht hauen“, mahnt Rosenberger, „sonst fallen die Teige zusammen.“ Heidi Hildenbrandt hilft, all die gefüllten Metallkapseln, Kunststoff- und Korbformen aus der gegenüberliegenden Backstube der Familien Brixner ins Backhäusle zu schaffen.

Knapp 30 Brote unterschiedlichster Mehlsorten werden gebacken. „Ich habe diesmal einen Versuch mit gekochten roten Linsen und Maismehl dabei“, beschreibt Rothfuß, woraufhin ein 73-jähriger Brotbäcker seine Vorliebe für Möhren, Nüsse und den von ihm angesetzten Natursauerteig preisgibt.

Solange das Brot bäckt, darf gefachsimpelt werden. Erfahrungen werden bereitwillig ausgetauscht, während ein vorbeifahrender Traktorfahrer anhält und ein Stück frisches Brot mit auf den Weg bekommt.

Schwüle Hitze wirkt sich aus

Zwei Backdurchgänge sind für diesen Tag geplant, doch manche Teige bleiben in den gut bemehlten Kunststoffformen hängen, andere gehen nicht richtig auf oder lösen sich am Ende der Backzeit nur schwer aus der Form. „Diese schwüle Hitze wirkt sich aus“, wissen die kompetenten Landfrauen, „die Teige sind feuchter geblieben“.

Aber die drei Frauen haben alles im Griff. Der Teig wird noch einmal überarbeitet, der Ofen ein drittes Mal geschürt. Diesmal werden zusätzlich Versuche für Kartoffel- und Zwiebelkuchen gestartet. Der angenehme Duft nach Brot und Rauch vermischt sich mit dem würzigen der gedünsteten Zwiebeln und Muskatnuss.

Nach einer Stunde werden die Backwaren aus dem Ofen genommen und für die Eigentümer bereitgestellt, die mitunter aus Hessigheim kommen. Denn gegen eine Gebühr von fünf Euro oder die Abgabe von Brennmaterial ist jedermann zur Teilnahme eingeladen. Der nächste offene Backtag findet am 28. September statt. 

 
 
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