Pro Jahr werden in der Stadt Besigheim knapp 80.000 Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen. Bis zum Jahr 2024 soll Baden-Württemberg klimaneutral werden. Wie kann das in Besigheim gelingen? Die Wege dorthin zeigt das Klimaschutzkonzept auf, das im Rathaus von Benjamin Tempel, dem Klimaschutzmanager der Stadt, entwickelt wurde. Am Dienstag präsentierte er es in der Sitzung des Gemeinderates.
Besigheim „Photovoltaik bietet beste Chancen“
Im Besigheimer Gemeinderat legte Benjamin Tempel sein Konzept für die nächsten Jahre vor.
Handlungsfaden für die Zukunft
Das Konzept dient als eine Art Handlungsfaden für die Zukunft, machte Tempel im Gemeinderat deutlich. Es setzt in erster Linie auf den Ausbau der Photovoltaik, sie biete die besten Chancen, um klimaneutral zu werden. Windkraftanlagen haben auf der Markung keine Zukunft, die Pläne der Region Stuttgart sehen dafür keine geeigneten Flächen. Bei der Wasserkraft sei das Potenzial im Wesentlichen erschlossen.
Tempel kommt in seinen Untersuchungen zu dem Schluss, dass Photovoltaik-Anlagen den Strombedarf für die gesamte Industrie, für Gewerbe und Privathaushalte in der Stadt decken könnten. Die großen Dächer der Industriebetriebe in Ottmarsheim, in Besigheim „Auf dem Kies“ und am Bahnhof könnten dafür bestens genutzt werden. Die Stadt selbst sollte ihre kommunalen Liegenschaften mit Photovoltaik-Anlagen ausstatten, um mit gutem Beispiel voranzugehen.
Eigentümer von privaten Häusern und die Geschäftsführung der Unternehmen müssten durch Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit ermuntert werden, ihre Dächer mit Solaranlagen auszurüsten. Carports, Garagen und auch Parkplätze könnten dafür genutzt werden. „In fünf bis zehn Jahren kann die bisherige installierte Leistung versechsfacht werden“, stellt Tempel in seinem Bericht fest.
Das allein wird jedoch nicht ausreichen, um auch den Bedarf an Wärme abzudecken, machte Tempel deutlich. Er liegt um das Zwei- bis Dreifache über dem Bedarf an Strom. Tempel wiederholte deshalb seinen Vorschlag, Agri-Solaranlagen zu errichten.
Solaranlagen auf Feldern
Diese Gestelle mit PV-Anlagen können auf Feldern errichtet werden. Sie sind hoch genug, um darunter die Bewirtschaftung durch die Landwirte zu ermöglichen. Tempel legte dar, dass lediglich fünf bis 15 Prozent der Ackerfläche unter den Solarmodulen nicht mehr genutzt werden können.
Auch wirtschaftlich könnte sich Agri-PV lohnen. Die Bauern bekommen Einnahmen aus der Verpachtung, die Stadt kann mit Gewerbesteuer rechnen. Besigheim sollte sich deshalb zeitnah auf die Suche nach geeigneten Flächen begeben und mit Landwirten sprechen, empfiehlt Tempel.
Mit der kommunalen Wärmeplanung beschäftigt sich Besigheim schon seit mehr als einem Jahr. Die Machbarkeitsstudien und die Suche nach geeigneten Flächen für die Energieerzeugung sind ein weiterer Bestandteil des Klimaschutzkonzeptes.
Michael Soltys
