Es ist eine Nachricht, die in Besigheim für Aufregung sorgt: Der MCB, die Organisation der Ladeninhaber in der Innenstadt, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Für die Jahreshauptversammlung am 19. April hatte Kassenprüfer Wolfgang Schott einen Kassenbericht verfasst mit dem Ergebnis: In der Kasse klafft ein Loch von 23.000 Euro. Droht gar die Insolvenz des Vereins? In den Reihen des Gemeinderats, der die Zahlen vergangene Woche in nicht-öffentlicher Sitzung diskutierte, war die Besorgnis jedenfalls groß.
Besigheim Privater Kredit für klammen MCB
Das Marketing Concept Besigheim ist sicher, die Finanzprobleme zu lösen. Bürgermeister Bargmann verspricht eine transparente Aufarbeitung.
Loch in der Kasse sei eine Momentaufnahme
Seit etwa 20 Jahren organisiert das „Marketing Concept Besigheim“, wie der MCB offiziell heißt, Weihnachtsmarkt, Ostermarkt und andere Veranstaltungen mit teils hoher Publikumsresonanz. Für die MCB-Vorsitzende Maria Casella ist das Loch in der Kasse lediglich eine „Momentaufnahme“, sagte sie im Gespräch mit der BZ. Von einer bevorstehenden Insolvenz könne keine Rede sein. Es hätten sich „ein paar Rechnungen überschnitten“, begründete sie das Defizit.
Verantwortlich dafür sei unter anderem eine Rechnung des Bauhofs über rund 18.000 Euro. Mit dieser Summe habe der Verein nicht gerechnet, räumte sie ein, weil diese Kosten von der Stadt früher nicht in Rechnung gestellt worden seien. Auch Zahlungen an die Firma „Trolleymaker“ seien zuletzt noch offen gewesen. Rund 40.000 Euro mussten noch an das Unternehmen überwiesen werden, das für den MCB die „Besigheim Card“ organisiert. Dafür habe der MCB allerdings eine öffentliche Förderung in Höhe von 29.000 Euro erhalten.
Dass für das Weihnachtswunderland, die weihnachtliche Installation auf dem Marktplatz, noch Zahlungen fällig gewesen seien, stritt Casella ab. Auf der anderen Seite fehlen dem MCB Einnahmen, über dessen Höhe Casella keine Angaben machte: Standbetreiber hätten noch längst nicht alle fälligen Gebühren bezahlt. Auch Sponsorengelder für die Besigheim Card stünden noch aus.
Heftige Kritik an Bürgermeister Bargmann
Von einem „kurzfristigen Liquiditätsbedarf“ spricht auch Bürgermeister Florian Bargmann in einer Mitteilung angesichts der klammen MCB-Kasse. Aufgrund eines „isolierten Kassenberichts“ auf die Zahlungsunfähigkeit des MCB zu schließen, sei aber „nicht belastbar“. In seiner Funktion als zweiter Vorsitzender des MCB hatte sich Bargmann stark für die Besigheim Card und das Weihnachtswunderland eingesetzt und darüber teils verspätet im Gemeinderat berichtet. Das hatte ihm heftige Kritik von einigen Stadträten eingebracht (die BZ berichtete).
Mittlerweile jedoch scheint sich eine Lösung für die Finanzprobleme des Vereins aufgetan zu haben. Laut Maria Casella hat der MCB einen zinslosen Kredit von privater Seite erhalten. Zur Person des Kreditgebers wollte Casella sich ebenso wenig äußern wie zur Höhe des Darlehens und zu dessen Dauer. Mit dem Geld könne jedenfalls sichergestellt werden, dass der MCB seine Arbeit fortsetzen kann.
„Wir sind zu stark verankert in der Stadt, als dass wir den Verein fallen lassen“, sagte Casella. Konkret konnten die Rechnungen der Firma „Trolleymaker“ beglichen werden. Auch der städtische Bauhof werde in Kürze sein Geld erhalten. Für die kommende Hauptversammlung des Vereins werde ein detaillierter Haushaltsplan aufgestellt. Bürgermeister Bargmann verspricht eine „vollständige und transparente Aufarbeitung aller Einnahmen, Ausgaben sowie offenen Forderungen und Verbindlichkeiten“. Ziel sei eine „fundierte und belastbare Gesamtübersicht“.
