Besigheim Singen mit dem Landespopkantor

Von Helga Spannhake
Landespopkantor Urs Bicheler referierte in der Stadtkirche über neue Lieder im Gottesdienst Foto: /Martin Kalb

Urs Bicheler referierte über die Vermittlung neuer Lieder im Gottesdienst und animierte in der Stadtkirche zum Mitmachen.

Gut 20 Interessierte hatten sich in der hell erleuchteten Besigheimer Stadtkirche eingefunden, und die meisten nahmen innerhalb des aufgebauten Stuhlkreises Platz. Kirchenmusikdirektor und Bezirkskantor im Kirchenbezirk Besigheim Tobias Horn freute sich über das Interesse.

Zugleich verwies er darauf, dass der Abend über die Liedvermittlung genau auf Michaelis im christlichen Kalender falle: „Da heißt es in einem alten Kirchenlied, heute singt die ganze Christenheit, das ist eigentlich ein schöner Titel auch für heute Abend“, meinte er und fügte hinzu, dass es im Hinblick auf die Einführung des neuen Gesangbuchs für Deutschlands Protestanten allerdings um das Singen neuer Lieder gehe.

Zurzeit ist diese Überarbeitung des evangelischen Gesangbuchs, dass 2028/2029 vorliegen soll, in vollem Gange und ein wahres Mammutprojekt. Die Gesangbuchkommission muss aus über 10.000 geeigneten Lieder gerade einmal 500 auswählen, die im Stammteil des gebundenen Werkes erscheinen werden. Neben altbewährten Kirchenliedern gibt es dabei viel Raum für Neues. Gut ein Drittel sind Musikstücke, die nach 1960 entstanden sind. Aber diese neuen geistlichen Lieder müssen die Gemeinden dann erst einmal lernen, und wie das gelingen kann, dazu hatte Referent Urs Bicheler Methoden und Konzepte im Gepäck.

Liedeinführung in der Gemeinde

Der Landespopkantor Urs Bicheler stand am schwarzen Flügel, spielte eine Melodie vor, während er rhythmisch mit zwei Fingern schnipste und zu singen begann: „Sing A New Song“ lautete passenderweise der Text. Mit Vorsingen und Antwortenlassen holte er alle im Kirchenraum gleich mit ins Boot, brachte alle zum Mitsingen. Genau das war seine Absicht, denn damit neue Lieder innerhalb einer Gemeinde Wurzeln schlagen können, braucht es gute Konzepte: „Heute sollen Sie mit ein paar Techniken nach Hause gehen, nicht vor dem Hintergrund, dass diese Techniken der goldene Weg zur Liedeinführung sind, sondern als Ideen, die Sie dann in Ihrer Gemeinde ausprobieren können“, versprach er.

Als Ziel formulierte Bicheler, dass die neuen Lieder so eingeführt werden, dass sie gerne mitgesungen werden und sie sich in der Folge langfristig als fester Teil des gemeinsamen Liedschatzes etablieren. Um die Singkultur weiterzuentwickeln, setzte er auf wiederholtes Singen sowie eine gute Mischung aus Bekanntem und Neuem innerhalb einer kirchlichen Veranstaltung, um einer Überforderung vorzubeugen. „Das neue Gesangbuch ist für alle, aber nicht jedes Lied aus dem Gesangbuch ist wahrscheinlich für jeden etwas“, so Bicheler.

Erfolgserlebnisse schaffen

Es geht im Gottesdienst um das Ermöglichen des gemeinsamen Singens, und um neue Lieder bekannt zu machen, eignen sich verschiedene Methoden wie Liedpredigten, Monatslieder und Themenschwerpunkte. Wichtig sei es, so betonte Bicheler, nicht darauf zu warten, dass die Gemeindemitglieder kommen, sondern selbst aktiv auf die anderen zuzugehen. Das kann ein Besuch in der Konfirmandengruppe, beim Seniorenkreis oder auch im Chor sein: „Eine gute Liedeinführung orientiert sich stets an der Gruppe, erweitert aber zugleich behutsam ihren Liederhorizont.“ So kann die Tonlage angepasst werden oder auch erst einmal nur mit dem meist einfacheren Refrain gearbeitet werden.

Wichtig sei außerdem, dass Hemmungen abgebaut werden, denn nicht jeder traue sich zu singen. Da kann wiederum eine freundliche offene Atmosphäre hilfreich sein, auch um positive Erinnerungen mit dem neuen Lied zu verknüpfen. Neben all der Theorie rund um die Liedeinführung wurde erneut gesungen – ein jubelndes Halleluja mit dazugehörigem englischem Text: „Das neue Gesangbuch trägt dem Umstand Rechnung, dass sich unsere Kirche im Laufe der letzten Jahre auch deutlich verändert hat“, bemerkte Bicheler.

 
 
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