Heftiger Streit mit der Stadt Besigheim Kollar kämpft um seine Mühle

Von Michael Soltys
Hansjoerg Kollar vor der historischen Mühle an der Enz im neuen Enzpark in Besigheim, die er seit 2004 betreibt.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Zwischen dem Betreiber der historischen Mühle an der Enz und der Stadt Besigheim läuft sein Jahren ein Streit, der jetzt eskaliert ist. Der Rücktritt vom Vorsitz des MCB war die Konsequenz.

Es war hoher Besuch zugegen, als im September 2004 die historische Mühle an der Enz wieder eröffnet wurde. In jahrelanger Arbeit hatte der Besigheimer Hansjörg Kollar das verfallene Wasserrad instand gesetzt, unterstützt von der Lokalen Agenda. Staatsminister Hans-Martin Bury, Landtagsabgeordneter Manfred Hollenbach und Landrat Rainer Haas schauten vorbei, später auch die damalige Umweltministerin Tanja Gönner. Alle lobten sie den Einsatz Kollars für die Gewinnung umweltfreundlicher Energie, als Öko-Friseur wurde der Friseurmeister öffentlich tituliert. Mit auf dem Foto: Bürgermeister Steffen Bühler, der den Knopf drückte, um das Mühlrad in Gang zu setzen.

Ob sich Kollar und Bühler auch heute noch für ein gemeinsames Foto dort postieren würden, darf bezweifelt werden. Zwischen beiden scheint das Tischtuch zerschnitten. Offenkundig wurde dies, als Kollar in der vergangenen Woche den Vorsitz beim Marketing Concept Besigheim, MCB, von einem Tag auf den anderen niederlegte. Den Zusammenschluss der Ladeninhaber in der Innenstadt hatte Kollar zuvor 13 Jahre lang geführt, zudem ist er seit 17 Jahren im Gemeinderat, heute in der Fraktion des BMU. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister ist nicht mehr möglich“, sagte Kollar jetzt auf Nachfrage der BZ.

Der Grund: Um die Nutzung von Mühle und Wasserrad führen Kollar und die Stadt einen heftigen Streit, der über Jahre eskaliert ist. Für Kollar war die Grenze überschritten, als er Ende September ein anwaltliches Schreiben  der Stadt erhielt. Darin wird ihm vorgehalten, dass der Generator seines Mühlrads durch Vibrationen Risse in der angrenzenden Mauer verursacht. Die Mauer ist ein Rest des früheren Mühlengebäudes. Unter Fristsetzung wird Kollar aufgefordert den Mühlengenerator abzustellen und sicherzustellen, dass auch in Zukunft keine weiteren Vibrationen das Mauerwerk schädigen. Für Kollar steht fest: „Das wäre das Ende der Mühle.“

Seit Jahren schon fühlt Kollar sich von der Stadt gegängelt, beinahe schon verfolgt, wie er sagt. Mal habe ihm Bühler vorschreiben wollen, er dürfe das Grundstück nur betreten, wenn er vorher die Genehmigung der Stadt eingeholt habe. Mal sei das Getriebe der Mühle beschädigt worden, als die Stadt die Bodenplatte der Mühle aufgegraben habe. Dann habe er für die Verlegung der Leitung mit bezahlen müssen. Sie führt den Strom der Mühle in Kollars Haus auf der gegenüberliegenden Seite der Enz. Dabei seien ihm Wegerechte garantiert. Und es sei seit langem bekannt, dass der Generator alt sei und wackelt. Auf 15 000 Euro beziffert Kollar die Kosten für Anwälte, die ihn die Auseinandersetzungen bisher gekostet haben.

Über das eigentliche Ziel des Konflikts kann Kollar nur spekulieren. Die Vergütung für die Einspeisung des Stroms beläuft sich nach seinen eigenen Angaben auf 890 Euro monatlich, plus etwa 300 Euro, die er für den Strom im eigenen Haus aufwendet. Wegen dieser Einspeisevergütung seien Mühlen dieser Art begehrt. „Die Mühle ist doppelt so viel Wert wie das Grundstück“.

Und eben dieses Grundstück befindet sich seit fünf Jahren im Besitz der Stadt und liegt mitten im neuen Enzpark. Um mehr Freiheiten bei Gestaltung und Nutzung des Vorzeige-Projekts an der Enz zu haben, hatte die Stadt das Grundstück vor fünf Jahren von den Besitzern gekauft, mit denen Kollar vor 2004 einen Pachtvertrag abgeschlossen hatte. „Damit befindet sich auch die Mühle im Besitz der Stadt“, sagte Bürgermeister Steffen Bühler auf Anfrage der BZ, Kollar sei dagegen im Besitz der beweglichen Teile.

Zu den Details des Konflikts und zu den eigentlichen juristischen Fragen wollte sich Bühler im Gespräch mit der BZ nicht äußern, auch nicht zu der Frage, warum diese Auseinandersetzung eskaliert sei. Nur soviel sagte Bühler: „Wir wollen unsere Rechte als Stadt gegenüber Kollar wahren.“ Und wenn es Unstimmigkeiten mit dem Pächter gebe, müsse man eben streiten, auch gerichtlich.

Eine Rolle könnte jedenfalls spielen, vermutet Kollar, dass die Stadt nach dem Kauf des Grundstücks mit ihm einen neuen Pachtvertrag abgeschlossen habe, der wohl nicht zur Zufriedenheit Bühlers ausgefallen sei. Die Stadt habe damals angestrebt, das Mühlrad zu übernehmen und ihm einen Pachtvertrag angeboten. Sie wollte den Strom allerdings in das eigene Netz einspeisen. „Dann wäre ich abhängig geworden“, sagt Kollar. In den Verhandlungen setzte Kollar dagegen seine eigene Position durch, blieb im Besitz des Mühlrads und speist den Strom weiter bei sich ein.

Er hänge mit Herzbut an dem Projekt, in das er alleine in den letzten Jahren rund 80 000 Euro investiert habe, die Anwaltkosten eingerechnet. Dafür werde er auch weiter kämpfen, sagt er. Gute juristische Argumente glaubt er auf seiner Seite.

 
 
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