Besigheim Uwe Schober: Ein Motivator mit klaren Zielen

Von Michael Soltys
Landrat Dietmar Allgaier (rechts) überreichte Uwe Schober am Montag das Bundesverdienstkreuz. Foto: /Oliver Bürkle

Uwe Schober, Vorsitzender der Sportvereinigung Besigheim, erhielt das Bundesverdienstkreuz. Damit wurde sein Engagement und die lange Karriere als Funktionär gewürdigt.

Es ist eine Geschichte, die Uwe Schober immer wieder gerne erzählt: Nachdem er im Alter von elf Jahren mit seiner Familie von Walheim nach Besigheim gezogen war, wollte ihn Rudi Entenmann, damals Trainer bei der Sportvereinigung Besigheim, in die fünfte Mannschaft der D-Jugend stecken. Was der einstige Spieler des VfB Stuttgart wohl nicht wusste: Beim SV Walheim war der Nachwuchs-Kicker bereits Spielführer gewesen. „Das passte nicht zusammen“, erinnert sich Schober im Gespräch mit der BZ.

Also wechselte der damals Elfjährige zu den Turnern. Und damit begann eine Karriere in den Reihen der Sportvereinigung, die am Montag in der Stadthalle Alte Kelter einen vorläufigen Höhepunkt erlebte: Aus den Händen von Landrat Dietmar Allgaier erhielt Schober das vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz. Die Nachricht, die ihm Ministerpräsident Winfried Kretschmann im März übermittelte, habe ihn überwältigt, sagte der Geehrte.

Handstand sorgt für Perspektivwechsel

„Ich habe gehört, dass Sie, lieber Herr Schober, mit Ihren 67 Jahren immer noch ganz selbstverständlich einen Handstand hinlegen“, sagte Allgaier bei der Ehrung von Uwe Schober und verwies darauf, dass dadurch die eigenen sportlichen Ausreden deutlich weniger überzeugend wirkten.

„Ihr Handstand ist für mich aber weit mehr als ein sportliches Können. Er ist ein Symbol für ihre gesamte Einstellung zum Leben und zu ihrem Ehrenamt. Wer die Welt auf den Händen stehend betrachtet, gewinnt einen echten Perspektivwechsel“, sagte Allgaier und blickte auf Schobers Tätigkeiten und sein Engagement zurück.

Bereits mit 16 Jahren erwarb Schober 1975 seine Lizenz als Übungsleiter im Turnen. Bis heute leitet der heute 67-Jährige zahlreiche Kurse. Vorbild war sein Vorgänger Eugen Müller in dieser Funktion. Noch mit 70 Jahren konnte Müller einen Salto auf dem Trampolin machen. „Das genau ist mein Ziel“, erinnert sich Schober.

Es folgten Stationen als Jugendwart, Oberturnwart und Abteilungsleiter, bis er schließlich 2010 den Vorsitz der Sportvereinigung übernahm, den Schober bis heute innehat. Wenn im Verein Menschen gesucht wurden, die solche Funktionen übernehmen sollten, habe man ihm mehrfach gesagt: „Uwe, du bist genau der Richtige dafür.“

Verantwortung zu übernehmen ist für ihn „normal“

Dass er der Richtige war, erwies sich auch bei den regionalen und überregionalen Veranstaltungen, mit der die Sportvereinigung unter Schobers Regie auf sich aufmerksam machte. Turnfeste und Kongresse in Besigheim gehörten ebenso dazu wie die Teilnahme am Winzerfest. Seit 2004 organisiert Schober beispielsweise „Besigheim spielt“, bei der sich Besigheimer und Besucher in der ganzen Stadt an verschiedenen Stationen spielerisch erproben können.

Was fasziniert ihn an der ehrenamtlichen Arbeit? Als Jugendlicher sei es für ihn „ganz normal“ gewesen, sich gegenseitig zu helfen und Verantwortung zu übernehmen. Er habe Freude daran, wenn Veranstaltungen gut laufen. Das sei für ihn die Bestätigung, „dass es sinnvoll ist und bei den Menschen ankommt.“ Mit derselben Überzeugung leitete er von 1978 bis 2002 die Stadtranderholung der Arbeiterwohlfahrt.

Zu den großen Veränderungen, die der Verein unter Schobers Führung vollzog, gehört die Gründung des Sportzentrums „Fitkom“, das 2004 eröffnet wurde. Damals wurde das Baugebiet auf dem Bülzen gerade neu bezogen und der Verein wurde mit Aufnahmeanträgen „überrannt“, erinnert sich der Vorsitzende. Nach Diskussionen mit der Stadt über den Bau einer neuen gemeinsamen Halle kam der Vorstand zu dem Schluss: „Wir brauchen etwas Eigenes.“

Die Investitionssumme von damals zwei Millionen Euro musste der Verein aus eigener Tasche bezahlen, die Stadt gab lediglich eine Ausfallbürgschaft. Das war ein Wagnis, „aber wir waren überzeugt davon“. Immer habe man in der Sportvereinigung Lösungen für Zukunftsprojekte gefunden, trotz der Reibereien, wie sie in Vereinen üblich sind. Im heute sechsköpfigen Vorstand der Sportvereinigung „kann man sich aufeinander verlassen“, betont Schober. „Wir haben ein Super-Team.“ Das Zentrum für Fitness- und Kommunikation sei mehr als ein reines Sportstudio. Es sei die Mitte des heute 4000 Mitglieder zählenden Vereins, mit Angeboten für Kindergärten und Schulen, mit täglichen Kursen und der Möglichkeit zu Tagungen und Weiterbildung. „Ich freue mich jedes Mal, wenn die Räume voll sind.“

„Mir wird absolut nicht langweilig“

Seit zwei Jahren ist der frühere Gymnasiallehrer für Geografie und Sport jetzt pensioniert. Seitdem bringt er sich noch stärker in den Verein ein als zuvor. Spezielle Aktionen der Sportvereinigung liegen in seiner Hand, der Familientag beispielsweise, der Sportabzeichentag und der Ehrenamtstag. Als Referent ist er weit über Besigheim hinaus aktiv. Der Schwäbische Turnerbund, in dem er seit 1982 Aufgaben übernommen hat, sucht ebenso seinen Rat wie die Staatlichen Schulämter und das Regierungspräsidium in Stuttgart. „Mir wird es absolut nicht langweilig.“

Als Vorbild sieht sich Schober trotz der Erfolge als Vorsitzender nicht, eher schon als „Motivator“, wie er selbst sagt. Konzentration auf das Wesentliche, klare Ziele, Selbstdisziplin und bewussten Verzicht zählt er zu seinen wesentlichen Eigenschaften. „Was mich freut, ist Leute anzuspornen“ und sie für gemeinsame Ziele zu gewinnen – „für die Gemeinschaft und auf Basis demokratischer Werte“.

„Mit ihrem Engagement ermöglichen Sie weit mehr als ein Sportprogramm für alle Generationen. Sie schaffen echtes soziales Miteinander. Es ist mir eine Ehre, ihnen nun das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichen zu dürfen“, erklärte Landrat Allgaier.

 
 
- Anzeige -