Spätestens als am Samstag eine iranische Drohne im Luxushotel Burj Al Arab einschlug, war auch für Andrea und Frank Pfersich klar, dass ihre Kreuzfahrt ein abruptes Ende nehmen wird. Seitdem liegt die MS Aroya, auf der das Ehepaar aus Besigheim seine Reise gebucht hatte, fest im Hafen von Dubai verankert. Vom Deck aus konnte das Paar verfolgen, wie in der Ferne der Rauch aus dem segelförmigen Gebäude drang, einem Wahrzeichen der Stadt am Persischen Golf.
Besigheimer Ehepaar sitzt im Hafen von Dubai fest
Drohnen, Rauch und Feuer setzen der Kreuzfahrt von Andrea und Frank Pfersich aus Besigheim ein abruptes Ende. Die Rückreise nach Hause ist noch ungewiss.
„Immer wieder knallt es“
Nach weiteren Einschlägen stiegen auch in anderen Stadtteilen Rauchwolken auf, berichtet Frank Pfersich am Telefon im Gespräch mit der BZ. Feindliche Drohnen hinterließen ihre Lichtspuren, abends waren Raketen zu sehen, die wohl Drohnen abwehren sollten, vermutet Pfersich. „Immer wieder knallt es.“ Kampfjets überqueren seitdem die Aroya und ein benachbartes Kreuzfahrtschiff, die MSC Euribia, die ebenfalls im Hafen festgesetzt ist.
Dem Ehepaar und den rund 700 Gästen auf dem Kreuzfahrtschiff einer arabischen Reederei fällt es schwer mit der Außenwelt zu kommunizieren. Anrufe und Kurznachrichten sind nur über den Messengerdienst WhatsApp möglich, immer wieder fällt das WLAN aus und die Verbindung zur BZ wird unterbrochen. Entsprechend groß sei die Unsicherheit unter den Gästen, wie es weitergeht, wann die Heimkehr möglich sein wird. Gerüchte kreisen, dass es ein Zeitfenster geben soll, in dem die Rückkehr organisiert werden kann. Erst seit Dienstag ist es den Pfersichs und ihren Mitreisenden überhaupt wieder erlaubt, an Deck zu gehen. Drei Tage lang durften sie zuvor die Kabinen und Gänge nicht verlassen.
Die Stimmung an Bord ist gedrückt, „fast surreal“, wie Frank Pfersich sagt. In den Gängen seien kaum Menschen anzutreffen, nur beim Abendessen bekomme man mehr Mitreisende zu Gesicht. Pfersich selbst bleibt äußerlich gelassen, als früherer hauptberuflicher Feuerwehrmann sei er Rauch und Feuer gewohnt. Ob er Sorge hat, dass sein Schiff von einer Drohne getroffen wird? Eher nicht, entgegnet er. Die Besatzung kümmere sich um die Gäste und versuche sie zu beruhigen, an guter Verpflegung mangele es nicht.
Viel ängstlicher seien dagegen Mitreisende aus Aachen und Ingolstadt, mit denen sich die Pfersichs zu einer kleinen Gruppe zusammengeschlossen haben. Sie müssten immer wieder beruhigt werden. Gebannt verfolgten alle Gäste die Meldungen über die Fluglinien, die in mehreren Sprachen über die Bildschirme laufen. Doch noch gestern Nachmittag hieß es: „Etihad fliegt nicht, und Emirates nimmt keine Fluggäste mit.“ Doch alles in allem „fühlen wir uns aktuell sicher und hoffen, zeitnah wieder deutschen Boden unter die Füße zu bekommen“, gibt sich Pfersich zuversichtlich. Dass sie ins Zentrum eines Krieges geraten, hätte sich das kreuzfahrterfahrene Paar nicht träumen lassen, als es die Reise bei einem deutschen Discounter gebucht hatte. Bevor die Drohnen Dubai erreichten, „hatten wir drei wunderschöne Tage“, erzählt Frank Pfersich.
Am Samstag schien noch alles gut
Am Samstagmorgen nahmen sie sogar noch an einer Stadtrundfahrt teil. „Erst auf dem Schiff haben wir mitbekommen, was um uns herum passiert.“ Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes habe es nicht gegeben. „Wir haben uns im Vorfeld darüber informiert“, versichert er.
Für ihn und seine Frau Andrea hätte die Kreuzfahrt am Samstag erst beginnen sollen, für andere Gäste endete sie an diesem Tag. Deren Rückflug stand bevor. „Es gab ein Riesenchaos, weil einige Gäste abreisen wollten“, berichtet Pfersich. Mancher versuchte es gar auf eigene Faust. Doch sie wurden gewarnt: Bei selbstständiger Abreise sei die Pauschalreise beendet. Jede weitere Unterstützung von außen sei dann fraglich. Nachts seien dann Busse gefahren, die einige Gäste ins knapp zwei Stunden entfernte Abu Dhabi gebracht hätten.
Bis es gesicherte Informationen über die Rückreise gibt, „bleiben wir auf dem Schiff“, hat sich das Ehepaar vorgenommen. Verlassen dürften sie es seit Dienstag wieder. Doch sollten die Behörde den Hafen erneut dicht machen, „würden wir es nicht mehr zurück schaffen“, fürchtet Pfersich. Also heißt die Devise vorerst warten.
Nur wenige Flieger starten
Noch gestern Abend meldete der Flughafen in Dubai, dass nur wenige Flieger starten können und Reisende nur zum Airport kommen sollen, wenn sie eine definitive Flugzeit von ihrer Fluggesellschaft bekommen haben.
Vielleicht, so hofft Frank Pfersich, ist der Rückflug ja über den Flughafen Schardscha möglich, der eine halbe Autostunde entfernt ist. Über den ist das Ehepaar auch eingereist. Gestern Abend kündigte der Flughafen die eingeschränkte Aufnahme des Betriebs an.
