Mitten im Konzert, der Musical-Gala des Kreisjugendorchesters im Ludwigsburger Forum, wurde dessen Leiter, der Besigheimer Musikschuldirektor und Stadtmusikdirektor Roland Haug überrascht: Landrat Dr. Dietmar Allgaier war nach der Sitzung des Kreistags direkt ins Forum gekommen, um Haug als ersten Kreismusikdirektor auszuzeichnen (die BZ berichtete).
Besigheimer Kreismusikdirektor „Stimme der Musik im Landkreis“
Für ihn vollkommen überraschend wurde Roland Haug, Musikschulleiter und Stadtmusikdirektor, während eines Konzerte vom Landrat zum ersten Kreismusikdirektor ernannt.
„Ich wusste nichts und war vollkommen überrumpelt und überrascht“, sagt Haug im Gespräch mit der BZ. Zwischen zwei Musicaltiteln kam Sängerin Femke Soetenga auf die Bühne und sagte, Haugs Fliege sitze schief, sie müsse sie richten. „Das fand ich komisch, ich wusste, meine Fliege sitzt grade“, so Haug – und plötzlich stand der Landrat neben ihm. Zuerst dankte er den jungen Musikern, erzählte von gemeinsamen Reisen des Orchesters und ihm in Partnerschaftsregionen. „Und ich dachte nur daran, ob jetzt die geplante Zeit für das Konzert reicht und ob ich nach Allgaiers Rede die jungen Musiker wieder auf Spur bringe“, erinnert sich Haug.
Titel mit Inhalt füllen
Und dann kam Allgaier zum Punkt. In der Sitzung des Kreistags am selben Tag hatten die Räte entschieden, den Leiter des Kreisjugendorchesters zum ersten Kreismusikdirektor des Landkreis Ludwigsburg zu ernennen und ihn damit für seine Verdienste um die Musik und vor allem um den Musikernachwuchs zu ehren. „Es ist ein Ehrentitel in erster Linie, ohne Verpflichtungen oder Aufgaben“, so Haug. Ob der Kreistag und der Landrat an den Titel Erwartungen knüpften, davon sei ihm nichts bekannt.
Aber: „Titel sind nur Schall und Rauch, ich möchte diesen Titel mit Inhalt füllen, sozusagen als Stimme der Musik im Kreis“. Er mache sich schon Gedanken, wie er seinen neuen Titel für die Musik nutzen könne, erste Telefonate habe er schon geführt. „Noch sind es nur Ideen und Gedanken, aber ich will, gerade in dieser Zeit, dass die Musik gehört wird“, sagt er. An den sogenannten Freiwilligkeitsleistungen für Musikschulen und Vereinen würde derzeit als erstes gespart.
Kräfte bündeln
Zwar habe jedes Genre der Musik im Kreis einen Kreisverband und die Musikschulen den Regionalverband, aber „diese Kräfte zu bündeln in einem Kreismusikdachverband, um auch politisch Einfluss nehmen zu können, wäre sicher von Vorteil“, sagt Haug. Der Politik müsse die Sorgen der musiktreibenden Vereine zu Gehör kommen. „Wenn es darum geht, Aufgaben, beispielsweise in der Ganztagsbetreuung in Grundschulen oder der Sprachförderung zu übernehmen, sind wir notwendig, aber ansonsten sind Vereine und Musikvereine gerne ein Sparziel“, so Haug.
Die Aufgabe, Kindern und Jugendlichen Musik und Bildung zu vermitteln, sei ein für die Gesellschaft unschätzbarer Wert, den Vereine und Musikschulen leisteten. „Und vielleicht kann ich den Titel dazu benutzen, Türen zu öffnen, die bisher geschlossen waren“, sagt Roland Haug.
Der 1969 in Ludwigsburg geborene Roland Haug lernte Trompete und ist staatlich anerkannter Dirigent. Seit 1988 unterrichtet er regelmäßig als Lehrer bei den D-Lehrgängen des Blasmusik-Kreisverbandes Ludwigsburg. Roland Haug dirigierte verschiedene Musikvereine wie in Walheim oder Gemmrigheim. 1995 wurde er zum Leiter der Städtischen Musikschule in Besigheim gewählt und übernahm die Leitung der Stadtkapelle Besigheim. Seit Mai 1998 ist Roland Haug Dirigent des Kreisjugend-Orchester Ludwigsburg. Im April 2000 folgte die Ernennung zum Stadtmusikdirektor durch die Stadt Besigheim.
Im März 2006 wurde Haug mit der Goldenen Dirigentennadel geehrt; im Mai 2009 erhielt er die Ehrenmedaille in Gold für besondere Verdienste um die Blasmusik. Er gilt als einer der prägendsten Vertreter der Blasmusikszene. Mit verschiedenen Orchestern war der Dirigent in Europa, Amerika, Afrika und zuletzt 2025 nach China, wo eer auch schon Gastdirigent war, unterwegs.
