Besigheimer Studiobühne Ein Serienmörder treibt sein Unwesen

Von Corinna Müller
Auf drei Bühnen spielt das Ensemble der Besigheimer Studiobühne im Steinhausgarten. Foto: /Richard Dannenmann

Einen Werwolf, Leichen und spezielles „Vollmondbier“ präsentiert die Besigheimer Studiobühne im Steinhaus-Garten.

Auf 40 Jahre Vereinsgeschichte blicken die überzeugend auftretenden 13 Laienschauspieler zurück, die aus Besigheim, Freudental, Bietigheim, Kirchheim und Sachsenheim stammen und sich mitunter aus Lehrern, Ingenieuren, Studenten, Handwerkern und dem Hund Dörte rekrutieren. „Werwolf“ heißt das diesjährige Sommertheaterstück im Steinhaus-Garten der Besigheimer Studiobühne, das am Freitag, 17. Juli, 19 Uhr, Premiere feiert. Die BZ war bei der Generalprobe vor Ort.

Im Stück „Werwolf“ von Rebekka Kricheldorf geht es jedoch in erster Linie um Wölfe, genauer gesagt um Alfred Brüggemann (Achim Enchelmaier), einen angesehenen, wohlhabenden Starpianisten, der seit einiger Zeit ein seltsames Gebaren an den Tag legt. Nicht nur, dass er „riecht“, wie seine Goth-Girl-Tochter Tamara (Helen Pirgl) angewidert feststellt, er schnüffelt wie ein Hund, hört erstaunlich gut, isst nach vier vegetarischen Jahren wieder Fleisch und knurrt, wenn ihm etwas nicht passt. Seinem Agenten (Christoph Konkol) erklärt er, statt Mozart und Bach von nun an nur noch Prokofjew spielen zu wollen. Er sei „im Umbruch“, in ihm gehe etwas vor. Auch seinem Schüler (Silas Körner) fällt das auf.

Der Werwolf geht um

Tatsächlich geht etwas um und keiner weiß, was oder wer es ist. Ein Serienmörder treibt sein grausames Unwesen. Ein Kriminalkommissar (Peter Schöllhammer) spricht über Vollmondmorde, über Leichen, deren „rechtes Bein nicht auffindbar ist“ und von „Innereienschmodder“. Ein Wolf gerät in Verdacht, was die Canidenexpertin (Julia Joos) jedoch bezweifelt: „Wölfe tun so was nicht, Wölfe sind keine Menschen.“

Als Tamaris ihren Vater letztlich wölfisch heulend, mit offenem Hemd und behaarter Brust zu sehen bekommt, ist sie überzeugt, einen Werwolf vor sich zu haben – den Mörder. Verbissen kämpft sie darum, den Vater zu überführen, bis dieser vor Nach-barn, Freunden (Kathrin Sudmann, Michael Rahms) und Familie sein Werwolfdasein gesteht und argumentiert, „das dies nur ein paar kleine Veränderungen“ seien, nichts Gravierendes, „und auch nur einmal im Monat“. Man stimmt ihm erleichtert zu und bagatellisiert die Situation.

Weitere Todesopfer folgen, doch als Tamaris’ Freund Timo (Hendrik Saussele) verschwindet, verzweifelt das Mädchen. Langsam findet bei allen Beteiligten ein Sinneswandel statt, Recht und Unrecht scheinen genauso miteinander zu verschwimmen wie Gut und Böse.

Ein schwarzhumoriges Stück

„Es ist ein schwarzhumoriges Stück“, sagt die Regisseurin und Schauspielerin Scheday. Die Handlung zeige, wie moralisch verschiebbar man sei. „Um seinen Kopf zu retten, arrangiert man sich mit allem.“ Und der Regisseur Silas Körner, der auch als Schauspieler auftritt, ergänzt: „Anfangs lacht man noch, erst wenn man darüber nachdenkt, erkennt man, was wirklich passiert.“

Und Nachdenken ist erforderlich. „Werwolf“ ist kein leichtes Stück zum Berieseln lassen. Aufmerksamkeit ist gefragt. Denn obwohl es einen klaren Handlungsstrang gibt, der immer wieder unterbrochen wird, fällt es anfangs schwer, die Verbindung der einzelnen Personen zu erkennen. Mit jeder Szene erlangt man jedoch neue Erkenntnisse, die zum Aha-Effekt führen. Witzige Passagen wie die des neugierigen schwäbischen Nachbarn (Matthias Ansel), der Kameras installiert und Abhörwanzen anbringt, wechseln sich ab mit gesellschaftskritischen Fragestellungen. Ethik, Macht und Missbrauch werden thematisiert. Ausgeprägte Mimik, starke Gestik und klare Stimmen lassen die Mythengroteske reell erscheinen.

 
 
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