Für eine Person ist es einfach zu viel“, sagt Nathalie Almerás im Gespräch mit der BZ. Die Inhaberin des Besigheimer Unverpacktladens „AnNa unverpackt“ hat das Unternehmen, das im Juni 2019 eröffnet wurde, seit 3,5 Jahren alleine geführt, zuvor hatte sie noch eine Geschäftspartnerin an ihrer Seite. „Es ist von mir so nicht mehr leistbar“, sagt sie.
Besigheimer Unverpacktladen Genossenschaft statt Solo-Projekt
Die Inhaberin des Besigheimer Unverpacktladens möchte kürzertreten. Um „AnNa unverpackt“ trotzdem zu erhalten, soll das Konzept umgewandelt werden.
Vielfältige Aufgaben im Laden
Denn zu einem Geschäft gehöre nicht nur, hinter der Theke zu stehen. Der Laden müsse durch neue Ideen vorangebracht werden, es gehöre Öffentlichkeitsarbeit und Marketing dazu. Außerdem ist es Almerás sehr wichtig, sich Zeit für die Kunden und Kundinnen zu nehmen, das mache den Laden auch aus. Nicht nur seine Einkäufe zu tätigen – und das mit weniger Verpackungsmüll und noch dazu regional – sondern auch mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sich zu kennen. „Der Laden soll auch ein Begegnungsort sein, ein Ort für Workshops und Treffen“, erklärt die Geschäftsführerin. Es könnten verschiedene Personengruppen auch noch intensiver eingebunden und angesprochen werden, etwa Vereine oder Schulen.
„Die Idee ist, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen.“ Und das soll über eine Genossenschaft funktionieren. „Es gab bereits zwei Infoabende dazu, ein weiterer folgt Mitte August“, berichtet sie weiter. Auch eine Teilnahme per Livestream war möglich. Es haben sich bereits Arbeitsgruppen zu den Themen Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und Satzung gegründet.
Gemeinsam den Laden erhalten
Die Idee ist, dass sich die Mitglieder der Gemeinschaft mit Genossenschaftsanteilen am Laden beteiligen. „Jede und jeder kann sich dabei nach den eigenen Möglichkeiten einbringen – mit einem oder mehreren Genossenschaftsanteilen, mit Ideen oder durch persönliches Engagement“, heißt es dazu auf der Homepage des Ladens. „Wenn sich viele ein bisschen einbringen, schaffen wir es zusammen den Laden zu erhalten“, ist Almerás überzeugt. Vorgesehen ist, 450 Anteile zu je 200 Euro Wert an die Genossenschaftsmitglieder zu geben, mehrere Anteile pro Person sind möglich. Jedes Mitglied hat eine Stimme und damit Mitspracherecht.
Ein erster Schritt in Richtung Gemeinschaftsladen wurde bereits im November 2023 getätigt, als die Aktion „mitAnNander“ eingeführt wurde. Ähnlich einer Solidarischen Landwirtschaft – nur ohne Feld und ohne Traktor – gibt es eine Art Abonnement, das Planungssicherheit gibt und die Deckung der Fixkosten garantiert.
Es wird von den Mitgliedern ein fester monatlicher Betrag per Bankeinzug vom Konto abgebucht und für diesen Wert kann den Monat über eingekauft werden. Rund 100 Mitglieder hat „mitAnNander“ bislang. „Dadurch sind die Umsätze stabil“, sagt Almerás.
Viele aus dem Umfeld des Ladens hätten ihr bereits gesagt, dass man sie gerne als Geschäftsführerin und Gesicht des Ladens behalten würde. Das jedoch kommt für sie aus persönlichen und nicht zuletzt auch finanziellen Gründen nicht in Frage. „Den Laden gibt es seit sieben Jahren und an sich trägt er sich. Die Resonanz ist groß“, sagt sie.
Almerás bleibt „AnNa“ erhalten
Ganz verlassen möchte sie „AnNa unverpackt“ jedoch nicht. Sie könne sich gut vorstellen, im Rahmen des Genossenschaft ehrenamtlich ab und an Ladenschichten zu übernehmen oder Workshops am Wochenende anzubieten. Auch ihr Herz hänge natürlich am Laden. Nathalie Almerás Wunsch wäre es, die Genossenschaft zeitnah zu gründen und eine Übergabe bis Ende des Jahres zu schaffen. Mit dem Vermieter habe sie auch schon alles besprochen, „er steht hinter der Idee der Genossenschaft.“ Die Mietbedingungen würden unverändert beibehalten, habe er versichert.
Warum sie glaubt, dass es das Besigheimer Geschäft schafft, wo doch etwa in Ludwigsburg der Unverpacktladen „Ohne PlaPla“ 2023 schließen musste? „In Besigheim gibt es viele Gruppen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist“, ist Almerás überzeugt. Einen Beleg dafür hat sie: Man konnte sich bereits per Absichtserklärung für künftige Genossenschaftsanteile melden. Aktuell gebe es 20.000 solcher Interessenbekundungen. Das sei ein Zeichen, findet sie.
