Besighem Wasser für 34.000 Menschen im Verbandsgebiet sichern

Von Jürgen Kunz
Die BWG betreibt neben dem Hauptpumpwerk in Markgröningen-Unterriexingen mit einer Nanofiltrationsanlage, drei Tiefbrunnen, insgesamt 45 Kilometer lange Transportleitungen sowie 13 Hochbehälter des Zweckverbands. Foto: /Martin Kalb

Mit den Daten eines Strukturgutachtens und den resultierenden Entscheidungen will die Besigheimer Wasserversorgungsgruppe auf den steigenden Wasserbedarf reagieren.

Der zukünftige Bedarf wird um 60 Prozent steigen, erklärt der Verbandsvorsitzende Rainer Schäuffele: „Wasser bekommt eine immer größere Bedeutung.“ Doch die gute Nachricht vorweg: Die Wasserversorgung scheint im Verbandsgebiet der Besigheimer Wasserversorgungsgruppe (BWG) sichergestellt. Wie bei der Sommer-Verbandsversammlung der BWG deutlich wurde, wird der Wasserbedarf von jährlich 1,64 Millionen Kubikmeter bis zum Jahr 2050 auf 2,44 Kubikmeter steigen, was einer Menge von 150 Liter pro Sekunde entspricht.

Untersuchungen des Büro Dinkelmeyer + Hermann zeigen aber, dass ein Brunnenausbau des Tiefbrunnens I (TB I) in Unterriexingen diese Wassermenge bringen kann. Verbandsrechner Klaus-Dieter Schmelzer: „Der Tiefbrunnen I ist der beste Brunnen, den wir haben.“ Dennoch lautete die Empfehlung von Marion Zehendner von RBS Wave GmbH, „weitere Anstrengungen zu unternehmen, um einen weiteren Tiefbrunnen zu fassen“.

Keine Erhöhung der BWV-Bezugsrechte möglich

Die Erweiterung der Fördermöglichkeiten aus dem TB I ist auch deshalb eine gute Nachricht, weil keine Erhöhung der Bezugsrechte bei der Bodensee Wasserversorgung (BWS) möglich ist. Aktuell teilt sich das sogenannten Wasserdargebot im Verbandsgebiet (die im natürlichen Wasserkreislauf einer Region langfristig verfügbare Menge an Süßwasser) auf 65 Liter pro Sekunde Eigenwasser, und 35 Liter pro Sekunde Wasser der BWV.

Im vergangenen Dezember hat die Verbandsversammlung der BWG beschlossen, ein Strukturgutachten über die Wasserversorgung des Zweckverbands vom Ingenieurbüro RBS Wave GmbH erstellen zu lassen. Ziel ist es, Informationen über die zukünftige Eigenwasserförderung, die Wasseraufbereitung, die Wasserspeicherung, die Wasserverteilung und den zukünftigen Wasserbedarf aller Verbandskommunen zu erhalten und daraus die zukünftige Struktur des Zweckverbands abzuleiten. Zehendner stellte bei der Sommerverbandsversammlung in Hessigheim in der vergangenen Woche den Zwischenstand des Strukturgutachtens vor.

Basis für das Strukturgutachten ist der Wasserbedarf jeder einzelnen Verbandskommune einschließlich Walheim (ab 2050: fünf Liter pro Sekunde), das noch kein Vollmitglied der BWG ist. 14 Liter pro Sekunde beträgt das aktuelle Wasserrecht von Unterriexingen, das sich im ersten Schritt bis 2030 um sechs und im zweiten bis 2050 nochmals um sechs Liter pro Sekunde erhöht. Die Wasserrechte von Sachsenheim (acht Liter pro Sekunde) erhöhen sich bis 2050 auf 16 Liter pro Sekunde, Löchgau hat bisher 15 Liter pro Sekunde, dann 20 Liter pro Sekunde, Erligheim (acht Liter pro Sekunde) braucht bis 2050 zwei Liter pro Sekunde mehr. Von 16 Liter pro Sekunde steigert sich der Bedarf von Bönnigheim auf 24 Liter pro Sekunde, Gemmrigheim bleibt unverändert bei 16 Liter pro Sekunde, um zwei auf elf Liter pro Sekunde erhöht sich das Wasserrecht von Hessigheim. Der Bedarf von Besigheim beträgt aktuell elf Liter pro Sekunde und wird sich bis 2050 auf 27 Liter pro Sekunde steigern. Nach Einschätzung von Zehendner sind die Gründe für die höheren Bedarfe der Klimawandel, die Versorgungssicherheit, sinkende Eigenwasservorkommen sowie hohe Kosten bei der BWV.

Wichtige Maßnahmen für die Verbesserung der Versorgungsstruktur sind nach dem von Zehendner erarbeiteten Strukturgutachten die Erhöhung der Trinkwassergewinnung, die Erhöhungen der Aufbearbeitungskapazität und die Herstellung einer Redundanz bei der Wasserversorgung, das heißt eine Wasserförderung, die über den reinen Mindestbedarf hinausgeht. Sie empfiehlt dazu die Fassung eines weiteren Brunnens mit ähnlicher Ergiebigkeit wie TB I. Rund 2,3 Millionen Euro wird der Ausbau des TB I kosten. Mittelfristig muss dann die Druckleitung von TB 1 und TB III zum Hauptpumpwerk erneuert werden. Hinzu kommen strukturverbessernde Maßnahmen im Transportnetz sowie eine einheitliche Regelung bei den Hochbehältern.

Die derzeitige Aufbereitungskapazität liegt bei 64 Liter Trinkwasser pro Sekunde. Diese muss bei gleichbleibender Wasserhärte auf 128 Liter pro Sekunde erweitert werden. Diese Erweiterung sei im bestehenden Bauwerk möglich, dennoch fallen geschätzte Kosten von rund drei Millionen Euro an.

Kosten kommen im vierten Quartal auf den Tisch

„Es wird interessant werden, wenn die Kostenannahmen für die Maßnahmen bekannt sind“, sagte Verbandsvorsitzender Schäuffele. Auf die Mitgliedskommunen kommt also eine spannende Verbandsversammlung im vierten Quartal zu, dann liegen auf der Basis der jetzt vorgestellten Daten die notwendigen Investitionen vor, die entsprechend der angemeldeten Wasserrechten der acht Verbandskommunen aufgeteilt werden.

 
 
- Anzeige -