Besser Heizen Erster Schritt: Sanierungsfahrplan

Von Claudia Mocek
Die Wärmedämmung der Hausfassade kann eine energetisch sinnvolle Möglichkeit sein, die sich aus einem Sanierungsfahrplan ergibt. Foto: dpa/Armin Weigel

Wie viel Energie kann man sparen? Vor einem Heizungstausch sollte das Haus mit einem ganzheitlichen Blick angeschaut werden.

Ob Wärmenetz, -pumpe oder Solarthermie: Unabhängig von der Heizanlage kann es sinnvoll sein, einen Sanierungsfahrplan zu erstellen. Die BZ hat mit dem Energieberater Joshua Lampe von der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) gesprochen, warum jetzt ein günstiger Zeitpunkt dafür sein könnte.

„Ein Sanierungsfahrplan ist eine gute Entscheidungsgrundlage dafür, wie viel Energie gespart werden kann“, sagt der Bauingenieur. 2021 hatte die Bundesregierung eine CO2-Bepreisung, unter anderem für den Bereich Wärme, eingeführt. Die Folge: „Die CO2-Bepreisung verschiebt die Preise für Gas und Öl nach oben“, sagt Lampe. Dem stünden heute „enorme Fördermöglichkeiten gegenüber“. Von 20 bis hin zu 50 Prozent kann eine neue Heizanlage gefördert werden. Ähnlich hohe Förderungen gibt es auch für die Gebäudesanierung (Dach, Fassade, Fenster, Kellerdecke). „Das gab es früher nicht“, sagt der Energieberater.

Ganzheitlicher Blick

Sinnvoll sei es, nicht über den Tausch der Heizung nachzudenken, sondern sich das Haus mit einem ganzheitlichen Blick anzuschauen. Der erste Schritt dorthin kann ein Sanierungsfahrplan sein, mit dem ein Energieberater den Ist-Zustand erhebt. Dabei werden drei Punkte in den Blick genommen: Die Gebäudehülle, um herauszufinden, wo Wärme etwa über die Fassade verloren geht; die vorhandene Technik für das Heizen, das Warmwasser und die Lüftung. Außerdem werden die Voraussetzungen für Solarenergie geprüft.

Für den Fahrplan ermittelt eine Fachfrau, ein Fachmann vor Ort die Verbrauchswerte, bewertet den Zustand der Bauteile und erstellt schließlich ein aufwendiges 3D-Modell. Dieses dient als Grundlage für die Wünsche und Ideen der Hauseigentümer. Für Einfamilienhäuser (EFH) gibt es 1300 Euro Zuschuss, ab drei Wohneinheiten 1700 Euro Zuschuss. Der Eigenanteil nach Förderung für EFH beträgt je nach Komplexität des Gebäudes um die 1000 Euro. Bei Mehrfamilienhäusern wird es pro Wohneinheit tendenziell günstiger, sagt Lampe. Aber wenn man den Fahrplan erstellt hat und eine Maßnahme umsetze, werde diese zusätzlich mit fünf Prozent gefördert. „Dann hat man die Kosten für den Plan schon wieder heraus“, erklärt der Bauingenieur. Derzeit sei die Nachfrage nach einem Sanierungsfahrplan zwar groß, aber für ihn „ist jetzt auch der richtige Zeitpunkt dafür“.

Befürchtet der Energieberater, dass sich die Förderrichtlinien bald ändern und für Verbraucher schlechter werden? „Alle politischen Parteien stehen dahinter, aber ob die Förderung so hoch bleibt, wird man sehen müssen“, sagt er. Lampe ist sich sicher: „Eine Bezuschussungen wird es weiterhin geben“.

Zwei Mythen

Im Hinblick auf mögliche Sanierungen ist es Joshua Lampe wichtig, mit zwei Mythen aufzuräumen: Wenn man dämmt, dann schimmelt es. Diese Aussage stimmt nicht, sagt er. Schimmel hänge mit dem richtigen Lüften zusammen. Wenn man zum Beispiel neue Fenster einbaut und gleichzeitig dämmt, entschärfe dies das Problem, weil die Wände wärmer werden und dadurch dort keine Kondensation entsteht. „Das Gleichgewicht ist wieder hergestellt“, ist Lampe überzeugt.

Neben einer Anbindung an ein Wärmenetz hält der Energieberater Wärmepumpen für zukunftsträchtig. „Diese funktionieren auch mit Heizkörpern, wenn man keine Fußbodenheizung hat“, sagt Lampe.

Wer eine effiziente neue Heizanlage einbauen lassen möchte, wird sich mit der Vorlauftemperatur beschäftigen müssen. Aber was hat es damit eigentlich auf sich? Die Vorlauftemperatur bezeichnet die Temperatur, mit der das Wasser in den Heizkörpern zirkuliert. Je geringer diese Temperatur ist, desto effizienter kann eine Heizanlage arbeiten. Wie hoch die Vorlauftemperatur sein muss, hängt von der Heizfläche ab, also der Größe und Leistungsfähigkeit aller Heizkörper. Bei der mittleren Dämmung eines Gebäudes reiche es in der Praxis oft aus, zwei bis drei Heizkörper zu tauschen, um die Vorlauftemperatur auf 55 Grad zu verringern.

Gefahr von Legionellen

Eine Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Frischwasser von der Heizanlage entkoppelt wird. Denn um die Gefahr von Legionellen zu verringern, müsse Frischwasser auf 60 Grad erhitzt werden. „Wir müssen heute nicht mehr das Trinkwarmwasser direkt speichern. Das ist hygienischer und wir müssen den Speicher nicht auf 60 Grad heizen. Damit duscht eh keiner“, sagte Lampe: „Stattdessen bereiten wir das Trinkwarmwasser im Durchlaufprinzip frisch zu. Also frisches Leitungswasser wird über einen Wärmetauscher kontaktlos von der Speicherwärme erwärmt.“

Und wann ist ein hydraulischer Abgleich nötig? Für einen effizienten Betrieb der Heizanlage ist es wichtig, dass die Anlage richtig eingestellt ist. Jeder Heizkörper muss die richtige Durchflussmenge bekommen, die er benötigt. Dies werde bei einem hydraulischen Abgleich geprüft. Joshua Lampe empfiehlt, bei dem Einbau einer neuen Heizung auf einen solchen Abgleich auf keinen Fall zu verzichten.

Unsere Artikelserie zum Thema Besser Heizen

1. Welche Heizung ist die richtige?

2. Pellets: Zum Verheizen zu schade

3. Heizen ohne eigene Anlage

4. Wärmepumpe: Nicht nur mit Fußbodenheizung

5. Solarthermie: Von der Sonne verwöhnt

► 6. Erster Schritt: Sanierungsfahrplan

Besser Heizen

Die BZ stellt gemeinsam mit der Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA) Heizungsalternativen zu Öl und Gas vor.

 
 
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