Besser Heizen Solarthermie: Von der Sonne verwöhnt

Von Claudia Mocek
Der Zustand des Daches sollte so gut sein, dass die Anlage rund 30 Jahre darauf betrieben werden kann. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Solarthermie-Anlagen eignen sich nicht für jeden Haushalt, aber mit der Sonne können selbst Bewohner einer Mietwohnung Stromkosten sparen.

Sonnenenergie kann als Energieträger auch bei Heizungen eine wichtige Rolle spielen – als Solarthermie-Anlage oder unterstützend, wenn Strom durch Photovoltaik-Anlagen gewonnen wird.

Bei Solarthermie-Anlagen erhitzt die Sonne ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel, die sogenannte Solarflüssigkeit, und leitet die Wärme über einen Wärmetauscher in einen Pufferspeicher für das Trinkwasser. Mithilfe eines Kombispeichers lässt sich zusätzlich das Wasser für die Heizkörper erwärmen, erläutert Dr. Silke Steingrube von der Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA). Die abgekühlte Solarflüssigkeit wird anschließend erneut zu den Kollektoren gepumpt. Bei bestehenden Gebäuden ist eine Solarthermie-Anlage aber eine relativ aufwendige Lösung, erklärt die promovierte Physikerin.

Eine Anlage für Warmwasser kostet für ein durchschnittliches Einfamilienhaus rund 5000 Euro, für eine Anlage mit Heizungsunterstützung etwa das Doppelte. Solarthermie-Anlagen in Bestandsgebäuden fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit 30 Prozent und, wenn dadurch eine Ölheizung ersetzt wird, mit bis zu 45 Prozent. Dabei muss eine Mindestfläche genutzt werden und ein jährlicher Ertrag von 525 Kilowattstunden nachgewiesen werden.

Strom aus Sonnenenergie

Wer die Sonnenstrahlen ohne Solarthermie-Anlage nutzen möchte, dem empfiehlt Steingrube eine Photovoltaik-Anlage, um damit Strom zu produzieren. „Das ist wirtschaftlich und nicht so wartungsintensiv“, sagt die Beraterin. Während für eine Solarthermie-Anlage neue Wasserleitungen gelegt werden müssen, müsste bei der Stromerzeugung nur eine Stromleitung ins Haus geführt und ein Wechselrichter installiert werden. Der durch Sonnenenergie gewonnene Strom könne dann wiederum zum Beispiel für den Betrieb einer Wärmepumpe genutzt werden.

Die Voraussetzungen

Ob das eigene Dach für Sonnenkollektoren geeignet ist, lässt sich in einem ersten Schritt rasch herausfinden: Die Landesanstalt für Umwelt hat einen Rechner für das Solarpotenzial auf Dachflächen eingerichtet. Wenn man die Adresse eingibt, werden einem die geeigneten Dachflächen sowie der mögliche Stromertrag pro Jahr angezeigt. „Manchmal unterschätzt der Rechner die Flächen“, hat Steingrube aber festgestellt. Dann könnte eine unabhängige Energieberatung, zum Beispiel über die Verbraucherzentrale, Klarheit schaffen. Hat man sich dazu entschlossen, Sonnenkollektoren oder Photovoltaik zu installieren, sollte man Heizungs- oder Solar-Installationsbetriebe ansprechen und mehrere Angebote einholen. Die LEA kann mit einer Liste möglicher Handwerker für Photovoltaik weiterhelfen.

Auch Online-Dienstleister vermitteln lokale Unternehmen. Die Bestellung, inklusive Dachmontage, Elektroinstallation und Anmeldung beim Netzbetreiber, werde in der Regel als Paket angeboten. „Nur die Anmeldung beim Marktstammdatenregister muss man selber machen“, sagt Steingrube. Aber da bekomme man den entsprechenden Link vom Handwerker mitgeteilt.

Der Zustand des Daches sollte so gut sein, dass die Anlage mindestens rund 30 Jahre lang darauf betrieben werden könne. Eventuell nötige Dachsanierungen müssten gegebenenfalls vorgezogen werden. Bei der Wahl der Größe der Anlage macht es Sinn, die Entwicklung des Stromverbrauchs der kommenden Jahre abzuschätzen. Dieser kann durch den Betrieb einer Wärmepumpe oder eines Elektrofahrzeugs deutlich steigen.

Die Garantie

2010 wurde die Förderung von der Regierung reduziert, viele Solarbetriebe in Deutschland gaben auf. Mittlerweile stammen die Module oft aus China, aber auch diese sind laut Steingrube leistungsstark. Von 330 bis 410 Watt Peak (Wp) sei eine durchschnittliche Leistung. „Man sollte bei den Modulen auf eine Garantieverlängerung auf 20 Jahre achten“, empfiehlt die Expertin.

Die Versicherungen

Lohnt sich eine Versicherung? Die Anlage kann beispielsweise über die Gebäudeversicherung abgesichert werden, das koste rund 70 bis 100 Euro pro Jahr. Ein Wartungsvertrag ist laut Beraterin für Photovoltaik-Anlagen nicht zwingend erforderlich, da die Technik nicht wartungsintensiv sei. Bei Solarthermie-Anlagen ist ein Wartungsvertrag hingegen sinnvoll. Eine Versicherung über die Haftpflicht sei möglich, bei vielen neueren Verträgen sei sie bereits inkludiert. Diese Versicherung greife, falls Module einmal vom Dach fallen sollten und etwas beschädigen würden.

Die Steuer

Überschüssige Erträge aus privaten Photovoltaik-Anlagen werden ins öffentliche Netz eingespeist. Wie werden Erträge daraus steuerlich behandelt? Wird damit die Absicht verfolgt, Gewinne zu erzielen, sind diese Einkünfte steuerpflichtig. In der Regel stuft die Finanzverwaltung eine solche PV-Anlage jedoch als „Liebhaberei“ ein, sodass die Steuerpflicht entfällt. Bis 10 kWp kann das auch auf Antrag erfolgen.

Werden außer der Einspeisevergütung keine weiteren Einnahmen aus unternehmerischer Tätigkeit erzielt, kann man die Kleinunternehmerregelung wählen und ist damit nicht umsatzsteuerpflichtig. Damit kann man sich aber auch die gezahlte Mehrwertsteuer nicht erstatten lassen. Es ist sinnvoll, sich zumindest am Anfang steuerlich beraten zu lassen, um nicht in Steuerfallen zu tappen, rät Steingrube.

Dach-Begrünung

Schließen sich begrünte Flachdächer und Solaranlagen aus? Nein, sagt Silke Steingrube. Man müsse dies bei der Planung der Bepflanzung und der Installation der Anlage aber schon bedenken. Beispielsweise könne man das Pflanzensubstrat als Beschwerung wählen und mit niedrig wachsenden Pflanzen begrünen oder die Module erhöht aufständern, sodass es zu weniger Verschattung durch die Pflanzen kommt.

Die Speichermöglichkeit

Wer viel Wert auf Unabhängigkeit legt, kann über einen Batteriespeicher nachdenken. Angesichts steigender Strompreise könne das auch für Privathaushalte wirtschaftlich sein. Die Speichergröße sollte zwischen Eigenverbrauch und Anlagengröße liegen.

Das Elektroauto als Zwischenspeicher für PV-Anlagen? „Ja“, sagt Steingrube. Das bidirektionale Laden sei der Trend, der in den nächsten Jahren kommen werde. Dabei fließt der in Spitzenzeiten erzeugte Strom in den Akku des Autos. Wird er nicht zum Fahren genutzt, kann er im Haushalt genutzt werden.

Die Förderung

Stromerzeuger, die ihren Strom ins öffentliche Netz einspeisen, erhalten 20 Jahre lang pro Kilowattstunde Strom (kWh) eine Einspeisevergütung von derzeit 6,43 Cent bei Anlagen mit weniger als 10 kWp Nennleistung. Die Förderung wird vermutlich ab 2023 etwas steigen. „In der Regel amortisiert sich die Investition in eine PV-Anlage nach 13 bis 16 Jahren“, sagt die Energieberaterin.

Tipp für Mieter

Mieter können Stromkosten mit einer Stecker-Solaranlage sparen, die auf dem Balkon angebracht und über die Steckdose angeschlossen wird. Allerdings wird dieser Sonnenstrom nicht über die Einspeiseverordnung vergütet.

Weitere Infos: Liste der Solarteure in der Region Stuttgart

Unsere Artikelserie zum Thema Besser Heizen

1. Welche Heizung ist die richtige?

2. Pellets: Zum Verheizen zu schade

3. Heizen ohne eigene Anlage

4. Wärmepumpe: Nicht nur mit Fußbodenheizung

► 5. Solarthermie: Von der Sonne verwöhnt

6. Erster Schritt: Sanierungsfahrplan

Besser Heizen

Die BZ stellt gemeinsam mit der Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA) Heizungsalternativen zu Öl und Gas vor.

 
 
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