Besser Heizen Wärmepumpe: Nicht nur mit Fußbodenheizung

Von Claudia Mocek
Bei einer Sanierung wird eine Wärmepumpe mit 35 bis 45 Prozent gefördert. Im Bild ein Ventilator vor einen Einfamilienhaus. Foto: HarmvdB/Pixabay

Für Häuser im Neubau und Bestand bietet sich eine Wärmepumpe an, sagt Energieberater Kurt Schüle. Je geringer die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet sie.

Kann eine Wärmepumpe die Öl- oder Gasheizung ersetzen? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein und was kostet so eine Heizanlage? Die BZ hat bei Kurt Schüle nachgefragt. Der Maschinenbauer arbeitet seit zwei Jahren als Energieberater bei der Energieberatung Kreis Ludwigsburg (LEA).„Damit man eine Wärmepumpe effizient nutzen kann, sollte man die Vorlauftemperatur so weit wie möglich senken können“, sagt Kurt Schüle. Als Vorlauftemperatur bezeichnet man die Temperatur, die das Heizwasser an den Heizkreislauf abgibt. Mit einer Fußbodenheizung könne man dies sehr gut erreichen, weil diese keine hohe Temperatur benötigt. Doch das ist nicht die einzige Möglichkeit.

Wärmebedarf verringern

Ein anderer Weg ist die Verringerung des Wärmebedarfs eines Hauses. Dies könne etwa durch eine gute Dämmung, neue Fenster oder ähnliche Sanierungsmaßnahmen erreicht werden. „Die kleinst mögliche Vorlauftemperatur ist die beste für die effiziente Nutzung einer Wärmepumpe“, sagte Schüle. Gemeint ist dabei eine Zieltemperatur von höchstens 55 Grad. Besser weniger.

Aber welche Wärmepumpen gibt es überhaupt? Wer fließendes Grundwasser an oder unter dem Haus hat, kann eine Fließwasser-Wärmepumpe einsetzen. „Aber das trifft vermutlich nur auf wenige Verbraucher zu“, sagt Schüle.

Bei einer Erdwärmepumpe wird entweder eine Sonde in bis zu 100 Meter Tiefe ins Erdreich eingebracht, die dann die Wärme aus dem Erdreich aufnimmt. Bei einer oberflächennahen Erdwärmepumpe werden schlangenförmige Rohre in ein bis drei Meter Tiefe zum Beispiel im Garten verlegt. „Das bietet sich vor allem bei einem Neubau an“, sagt Schüle. Der Vorteil: Die aus dem Erdreich gewonnene Wärme ist von Temperaturschwankungen weniger betroffen als andere Pumpen.

Wärme aus der Luft

„Für Häuser im Neubau und Bestand bietet sich außerdem die Luftwärmepumpe an, die Wärme aus der Außenluft aufnimmt“, sagt Schüle. Ein Ventilator saugt dabei die Außenluft an, leitet sie in einen Luft-Wärmetauscher. Dort wird die Wärme durch ein Kältemittel aufgenommen, das schon bei niedriger Temperatur verdampft. Ein Verdichter komprimiert den Dampf, um die Energie für die Heizung zu nutzen. Dafür benötigt die Wärmepumpe Strom. Bei der Abgabe der Wärme an den Heizkörperkreislauf kondensiert das Kältemittel und wird wieder flüssig. Nach der Entspannung durch ein Expansionsventil wird das Kältemittel sehr kalt und kann erneut Wärme aus der Umgebung aufnehmen. Der Kreislauf beginnt von vorne.

Die Hauptgeräuschquelle bei einer Wärmepumpe ist der Ventilator. „Oft wird dieser an der Gebäudeseite angebracht, die zur Straße zeigt“, sagt Schüle. Mit einem Schallrechner des Bundesverbands Wärmepumpe kann man errechnen, wie hoch der Lärm ist, der von der Wärmepumpe ausgeht, und in welchem Abstand zum Nachbargrundstück der Ventilator aufgestellt werden sollte.

Früher seien Wärmepumpen bei sehr kalten Außentemperaturen anfällig gewesen, weil sie nicht mehr genug Leistung abgaben oder dabei nicht mehr effizient waren. Doch die Technik sei wesentlich besser geworden. „Jetzt funktionieren sie auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig“, sagt der Berater. Sinkt die Temperatur im Pufferspeicher dennoch unter einen bestimmten Wert, schaltet sich der elektrische Heizstab ein. Dies sei nicht oft der Fall, sagt Schüle, „aber das Management der Pufferspeicher – also dann zu heizen, wenn die Quellentemperatur hoch oder der Strom günstig ist – wird eine der Zukunftsaufgaben sein.“Der Energieberater ist überzeugt: „Eine Wärmepumpe läuft dann optimal, wenn sie durchläuft, aber nicht, wenn sie immer wieder neu anlaufen muss.“ Problematisch sieht Schüle im Moment die Chancen, einen Installateur zu finden, auch gebe es derzeit Wartezeiten, wenn man eine Wärmepumpe bestellt.

Die Kosten

Was kostet eine Wärmepumpe? Für eine Pumpe fallen Kosten in Höhe von rund 10 000 bis 40 000 Euro an, je nach Umfang der Erneuerung. Bei einer Wärmegewinnung aus dem Erdreich kostet jede Bohrung rund 6000 Euro. Bei einer Sanierung wird die Wärmepumpe mit 35 bis 45 Prozent gefördert. Gibt es einen Sanierungsfahrplan, kommen noch einmal fünf Prozent hinzu, die gefördert werden.

Wärmepumpen können auch eine Lösung für Mehrfamilienhäuser sein, erklärt Schüle. Dort müsse man sich dann aber überlegen, wie man das Frischwasser erhitzt. „Das könnte man auch mit der Wärmepumpe machen, aber das ist dann kein Heimspiel für die Technik, was die Effizienz angeht“, sagt Schüle. Wegen der Legionellengefahr muss die Temperatur 60 Grad Celsius betragen.

Der Pufferspeicher

Die Frage, wie man das Frischwasser in einem Einfamilienhaus erhitzt, sei oft einfacher zu beantworten. Zum Beispiel könnte ein Pufferspeicher mit einem Plattenwärmetauscher verbunden werden, der das Wasser zum Duschen nur bei Bedarf erwärmt. „Und dann reichen 45 Grad Celsius“, sagt der Energieberater. Sinnvoll sei es auf jeden Fall, einen hydraulischen Abgleich durchzuführen. Dabei werden die Elemente der Heizanlage optimal aufeinander abgestimmt.

Und wie effizient arbeitet eine Wärmepumpe? Wenn es um die Leistungsfähigkeit von Wärmepumpen geht, wird oft die Jahresarbeitszahl (JAZ) herangezogen. Diese gibt an, wie effizient die Wärmepumpe im Durchschnitt arbeitet. Ermittelt wird sie aus dem Verhältnis der zugeführten Energie, dem Strom und der erzeugten Heizenergie. Liegt die Jahresarbeitszahl bei drei, wird bei einer Wärmepumpe also eine Kilowattstunde (kWh) Strom eingesetzt, um zwei kWh Umweltwärme zu gewinnen.

Kostet ein kWh Wärmepumpenstrom 30 Cent, so kann man daraus in dem Beispiel drei kWh Wärme gewinnen. Reichen zum Beispiel 30 Grad Vorlauftemperatur zur Gebäudeheizung aus, weil eine Fußbodenheizung vorhanden ist, klettert die Jahresarbeitszahl auf vier und darüber – die Effizienz steigt. Bei der Gasheizung sieht die Rechnung anders aus: Kostet ein kWh Gas zehn Cent, kosten drei kWh Wärme auch 30 Cent. Aber das Ergebnis setzt sich anders zusammen: dreimal zehn Cent. Je höher Strom- und Gaspreise klettern, desto eher lohnt sich die Wärmepumpe, weil zwei Drittel der Wärme dort immer kostenfreie Umweltwärme sind.

Wenn die Gebäudehülle perspektivisch verbessert wird und die Vorlauftemperatur geringer als vorher sein kann, steigt die Effizienz Pumpe. „Wie man es dreht und wendet, selbst eine schlecht laufende Wärmepumpe ist gegenüber einer fossilen Heizung heute schon meist im Vorteil“, sagt Kurt Schüle: „Und falls nicht, kann man oft mit wenigen Schritten die Voraussetzungen dafür schaffen.“

Unsere Artikelserie zum Thema Besser Heizen

1. Welche Heizung ist die richtige?

2. Pellets: Zum Verheizen zu schade

3. Heizen ohne eigene Anlage

► 4. Wärmepumpe: Nicht nur mit Fußbodenheizung

5. Solarthermie: Von der Sonne verwöhnt

6. Erster Schritt: Sanierungsfahrplan

Weitere Infos

Die BZ stellt zusammen mit der Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA) Heizungsalternativen zu Öl und Gas vor. Die LEA bietet in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Energieberatungen an. Die nächsten Serienteile, die in loser Folge erscheinen, beschäftigen sich mit den Themen Solarenergie und mit dem hydraulischen Abgleich, Vorlauf- und Rücklauftemperatur und Sanierungen.

 
 
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