Zwei Ermittler der Sonderkommission ‚Frost‘ berichteten im Prozess um Bestechung in der Staatsanwaltschaft Stuttgart und deren Drahtzieher aus dem Sicherheitsdienstgewerbe über ihre Recherchen. Mittlerweile elf Tatkomplexe haben die Sonderermittler rund um die Schüsse und Brandanschläge im Sicherheitsmilieu identifiziert.
Bestechungsfall Schulden als Streitauslöser
Beim Prozesstag am Dienstag im Fall um Bestechung in der Staatsanwaltschaft Stuttgart berichteten zwei Ermittler der Sonderkommission „Frost“.
Einige wenige sind abgeschlossen, andere wiederum sind noch in der Ermittlungsphase und damit noch nicht an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden. Das erläuterte einer der Beamten am Dienstag in dem Verfahren mit fünf Angeklagten am Landgericht Stuttgart.
Hohe Schulden
Auslöser der Streitigkeiten sind laut einiger Zeugenaussagen Schulden von bis zu 700.000 Euro aus Geschäften zwischen dem 35 Jahre alten Angeklagten und einem früheren Kollegen eines Sicherheitsdienstes in Ludwigsburg, führte der Beamte weiter aus. Auf diesen Mann, der inzwischen den Sicherheitsdienst führt, wurde geschossen und sein Auto in Brand gesteckt.
Um offenbar immer im Bilde zu sein, was die Staatsanwaltschaft gerade gegen sie in der Hand hat, erlangten zwei Angeklagte bei einem Wachtmeister (36) und einer Mitarbeiterin (48) einer Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen vergleichsweise kleine Gefälligkeiten umfangreiche interne Informationen über den jeweiligen Ermittlungsstand (die BZ berichtete). Der dritte Angeklagte (30) soll als Kurier tätig gewesen sein.
„Durch Zufall oder Glück sind wir der Sache auf die Spur gekommen“, berichtete der zweite Beamte im Gerichtssaal. Denn bei einer Fahrzeugkontrolle Ende März 2025 stießen sie auf ein Auto mit drei Insassen, darunter die beiden 35 und 36 Jahre alten Angeklagten sowie einen dritten Mann, der von Europol gesucht wurde.
Die Polizei stellte mehrere tausend Euro, eine Schusswaffe und Mobiltelefone sicher, deren Auswertung weiteres Licht ins Dunkel brachten.
Der dritte Mann konnte zunächst flüchten, wurde jedoch im vergangenen Monat in der Türkei festgenommen und sitzt seither dort in Untersuchungshaft. Dem Ermittler zufolge war in Chats zwischen den Dreien über die Observation des späteren Geschädigten gesprochen worden, zwei Tage vor dem Anschlag sagte der dritte Mann, „es reicht jetzt, es muss mal was passieren.“ Die Fahnder betrachten ihn als eine Schlüsselfigur des ganzen Geschehens.
Gewinne in der Spielbank
Aus Sicht der insgesamt sechs Verteidiger der beiden Angeklagten, die auch in Verbindung mit den Schüssen auf einen weiteren Sicherheitsmann in Tamm stehen sollen, könnten die vielen Beschuldigten wie ihre Mandanten auch einfach nur Mitarbeiter der gleichen Sicherheitsunternehmen gewesen sein. Für die Käufe von Dingen des alltäglichen Lebens und einer Luxusuhr präsentierten die Anwälte des 36 Jahre alten Angeklagten seine Gewinne in der Spielbank Stuttgart im Jahr 2025 von über 110.000 Euro.
