Den Platz an der Sonne in der Basketball-Oberliga erreichte die BG Tamm/Bietigheim am letzten Spieltag der Hinrunde. Durch einen 82:62-Auswärtssieg beim TB Kirchentellinsfurt schob sich die BG in der Tabelle an Spitzenreiter Croatia Stuttgart vorbei und sicherte sich vor der Winterpause noch die Herbstmeisterschaft. Zwar haben beide Teams neun Siege und zwei Niederlagen auf ihrem Konto. Doch die Spielgemeinschaft aus VfB Tamm und TSV Bietigheim kann die bessere Korbdifferenz (+162) gegenüber dem Konkurrenten aus der Landeshauptstadt vorweisen. Obendrein konnte man das direkte Duell gegen Croatia deutlich mit 84:70 für sich entscheiden. Die beiden Auswärtsniederlagen zu Saisonbeginn beim MTV Stuttgart und den Schwäbisch Hall Flyers resultierten vor allem daraus, dass die BG beide Partien ersatzgeschwächt bestreiten musste. Seit Anfang Oktober hat Tamm/Bietigheim sieben Spiele hintereinander gewinnen können.
BG Tamm/Bietigheim BG will im zweiten Anlauf aufsteigen
Nachdem der Aufstieg in die 2. Regionalliga letzte Saison unglücklich verpasst wurde, liegt die BG Tamm/Bietigheim als Herbstmeister nun klar auf Kurs.
Headcoach Luka Celar sieht seine Mannschaft daher voll auf Kurs. Auch wenn er nicht müde wird, zu betonen, dass es bis zum erklärten Saisonziel „Aufstieg in die 2. Regionalliga“ noch ein langer Weg ist. „Wir freuen uns natürlich, dass wir auf Platz eins stehen nach der Hinrunde“, betont der BG-Cheftrainer daher. „Aber wir sind uns auch bewusst, dass erst im April abgerechnet wird und wir jetzt noch elf wichtige Spiele vor uns haben.“
Eine Sekunde zu früh gejubelt
Dass die Konzentration bis zur sprichwörtlich letzten Sekunde hochgehalten werden muss, damit es mit dem Aufstieg tatsächlich klappt, hat die BG in der letzten Saison auf schmerzliche Weise erfahren müssen. Im entscheidenden Spiel um den Relegationsplatz führte Tamm/Bietigheim kurz vor Spielende bei Lok Göppingen noch mit einem Punkt. Als die Gastgeber im letzten Angriff den Ball verloren, sah die BG bereits wie der sichere Sieger aus.
Aber ein Spieler der Basketball-Gemeinschaft kickte den langsam ins Aus rollenden Ball im Jubelrausch mit voller Wucht unter die Hallendecke. Da die offizielle Spielzeit noch nicht abgelaufen gewesen war, verhängten die Schiedsrichter völlig regelkonform ein technisches Foul. Den hieraus resultierenden Freiwurf versenkte ein Göppinger Spieler zum Ausgleich. In der anschließenden Verlängerung unterlag die BG dann noch. Und der Traum vom Aufstieg war geplatzt. Wegen eines 0,4 Sekunden zu früh erfolgten Jubels.
Auf so dramatische Art und Weise das Saisonziel zu verpassen, hätte manch andere Mannschaft zermürbt oder gar zerbrechen lassen. Aber bei der BG wurde schnell der Blick nach vorne gerichtet. „Es hat keiner – auch nicht unmittelbar nach der Aktion – gehadert oder Vorwürfe geäußert“, erzählt Celar. Stattdessen sei die Aktion innerhalb des Teams schnell zu einem Running Gag geworden. Man schmunzele mannschaftsintern längst über das unglückliche, aber zugleich so kuriose Spielende.
„In meiner Zeit als Spieler und Trainer habe ich wirklich nie eine dümmere Aktion gesehen, mit der man ein Spiel verliert“, sagt auch Luka Celar lächelnd. „Aber wir haben das alle recht schnell gemeinsam abgehakt. Dem Spieler habe ich auch im Sommer gesagt, dass ihm niemand böse ist. Es ist wichtiger, dass wir als Team zusammenhalten und nicht, ob wir Oberliga, Bezirks- oder 2. Regionalliga spielen. Keiner von uns verdient damit Geld. Und mittlerweile hat auch er das abhaken können.“
„Fast schon unfair“
Seit dieser Saison ist mit Eyke Prahst ein Spieler fest bei der BG, der einst im Kader von Erstligist Ludwigsburg gestanden ist. Nach einer längeren Spielpause schnürt sich der 2,08 Meter große Center nun wieder regelmäßig die Schuhe und läuft mit seinem Bruder Malte für Tamm/Bietigheim auf. „Wir scherzen öfter mal darüber, dass es fast schon unfair ist, dass Eyke in der Oberliga spielt“, erzählt Celar. „Er hatte schwere Verletzungen und hat jetzt Spaß daran, mit seinem Bruder und Freunden Basketball spielen zu können. Aus meiner Sicht ist er mit seiner Ausbildung klar der beste Spieler der Liga. Aber es zeichnet ihn vor allem aus, dass er menschlich perfekt reinpasst und kein Ego hat, sondern sich komplett in den Dienst der Mannschaft stellt.“
Ausgeglichene Spielzeit
In manchen Spielen erhält der frühere Zweitligaspieler noch nicht einmal 20 Minuten Spielzeit. Trotzdem erzielt er durchschnittlich 20,1 Punkte pro Spiel. Damit ist der 28-Jährige Topscorer bei der BG, gefolgt von Jannic Holzwarth (16,4) und Malte Prahst (16,1).
Die Spielzeit gleichmäßig zu verteilen, ist Trainer Celar wichtig. Auch die Bankspieler sollen genügend Einsatzzeit erhalten und unter Beweis stellen, dass sie Teil des Erfolgs sind. Daher rotiert Celar munter durch. Für die Führungsspieler sei das kein Problem. Profitieren davon können junge Spieler wie Lukas Schütz oder Nico Weißschuh. Noch gar nicht zum Zug gekommen ist hingegen Fekre Abraha. Der Guard verletzte sich vor dem ersten Saisonspiel am Knöchel, ist nun für die Rückrunde aber wieder fit.
Celar geht davon aus, dass Croatia Stuttgart im Aufstiegsrennen der größte Konkurrent sein wird: „Sie haben eine erfahrene Mannschaft und wir müssen eine Topleistung abrufen, um sie nochmal schlagen zu können.“ Erst am 15. März kommt es zum Aufeinandertreffen beider Spitzenteams in der Tammer Realschule. Vorher gilt es, auch gegen vermeintlich leichtere Gegner wie beim Rückrundenauftakt gegen TB Kirchentellinsfurt (Sonntag, 17 Uhr) nicht ins Stolpern zu kommen.
