BG Tamm/Bietigheim „Keinen Bock auf Rechenspielchen“

Von Manuel Schust
Malte Prahst (am Ball) und die BG Tamm/Bietigheim wollen am Sonntag ein großer Schritt in Richtung Oberliga-Meisterschaft machen. Foto: /Andreas Essig

Am Sonntag (17 Uhr) empfängt Oberliga-Spitzenreiter BG Tamm/Bietigheim den ärgsten Verfolger Croatia Stuttgart.

Dass im Sport eine einzelne Entscheidung schwerwiegende Folgen haben kann, mussten die Basketballer der BG Tamm/Bietigheim in der vergangenen Saison auf schmerzhafte Weise erleben. Im entscheidenden Spiel um den Relegationsplatz bei Lok Göppingen sah Tamm/Bietigheim bereits wie der sichere Sieger aus. Doch als ein Spieler der BG eine Sekunden vor Ablauf der Spielzeit im Jubelrausch den Ball wegkickte, nahm die Partie eine dramatische Wendung. Göppingen bekam in der Folge einen Freiwurf zugesprochen und gewann das Spiel noch in Verlängerung. Der Traum vom Aufstieg der BG Tamm/Bietigheim in die 2. Regionalliga platzte auf die brutalstmögliche Art und Weise.

„Ich habe damals schon auf dem Platz in Göppingen das Wort ergriffen und der Mannschaft gesagt, dass wir jetzt erst recht angreifen wollen“, erklärt BG-Spieler Malte Prahst. „Wir sind keine zusammengestellte Söldner-Truppe, sondern auch abseits des Feldes gut miteinander befreundet. Deshalb kam das ‚Jetzt erst recht’ automatisch. Und es läuft bislang ja auch recht gut.“

Niederlage als Weckruf

Den Vorsatz, im zweiten Anlauf den angestrebten Aufstieg in die 2. Regionalliga zu schaffen, verfolgt die Spielgemeinschaft aus VfB Tamm und TSV Bietigheim seither gewissenhaft. Die Mannschaft von Trainer Luka Celar ist Tabellenführer in der Oberliga und konnte zwischenzeitlich zwölf Spiele in Folge gewinnen. Nachdem die BG über vier Monate lang von Erfolg zu Erfolg geeilt war, riss die Siegesserie am 18. Spieltag. Beim Team Urspring unterlag Tamm/Bietigheim mit 68:81.

„Das war ein bisschen ein Weckruf, dass das kein Selbstläufer ist“, schildert Malte Prahst. „Wir hatten extremes Verletzungspech. Und wenn man nur mit acht Spielern anreist, kann es schwierig werden. Die Spieler bei Urspring sind zwar noch sehr jung, aber basketballerisch gut ausgebildet und wissen genau, was sie machen.“ Trotz der dritten Saisonniederlage blieb die BG weiter Tabellenführer. Doch der Vorsprung auf den größten Konkurrenten Croatia Stuttgart ist seither wieder auf zwei Zähler zusammengeschmolzen.

Die ganze Saison über liefern sich beide Teams ein Fernduell um die Tabellenspitze. Im einzigen direkten Duell in der Landeshauptstadt setzte sich Tamm/Bietigheim im November mit 84:70 durch. Selbst bei einer Niederlage am Sonntag (17 Uhr, Tammer Realschule) im Topspiel gegen Croatia mit bis zu 13 Punkten, hätte die BG den direkten Vergleich gewonnen. Doch davon will Malte Prahst nichts wissen: „Ich hab gar keinen Bock auf irgendwelche Rechenspielchen! Wir gehen einfach auf den Platz und gewinnen das Spiel am Sonntag, ganz einfach. Ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen“, sagt der 30-Jährige selbstbewusst.

Dafür ist wieder eine Topleistung nötig. „Croatia hat eine sehr erfahrene, abgezockte Mannschaft, die mit einer hohen Intensität und Aggressivität spielt“, erklärt der 1,94 Meter große Allrounder. „Wenn man darauf nicht vorbereitet ist, kann das einen aus dem Konzept bringen. Aber da sollten wir kein Problem haben.“

Nachdem die BG zuletzt einige Ausfälle kompensieren musste, ist davon auszugehen, dass im Spitzenspiel am Sonntag außer Daniel Auer (Blinddarm-OP) alle Spieler wieder einsatzfähig sein werden. Auch Topscorer Eyke Prahst soll nach einer Fingerverletzung wahrscheinlich wieder auflaufen können.

Mit Prahst-Power zum Aufstieg

Zusammen mit Jannic Holzwarth sind die Prahst-Brüder die Leistungsträger in der Offensive der BG. Nachdem Eyke Prahst seine Karriere vor einigen Jahren verletzungsbedingt beendet hatte, entschloss er sich im vergangenen Jahr, die Basketballschuhe für die BG wieder zu schnüren.

„Ich musste ihn nicht lange überreden“, erzählt Malte Prahst schmunzelnd. In der Regionalliga hatten beide vor ein paar Jahren noch gegeneinander gespielt. Malte lief damals für Mainz auf, Eyke für Karlsruhe. „Wir wollten immer mal zusammen spielen“, sagt Malte.

Als der jüngere Bruder dann gesehen habe, wie toll der Zusammenhalt der Mannschaft auf und abseits des Spielfeldes ist, war er nach ein paar Trainings wieder dabei. Die Verpflichtung von Eyke sei sicher ein Faktor, dass es dieses Jahr für die BG so gut läuft, erklärt Malte Prahst. „Aber wir spielen seit dem Jahr 2022 in der Zusammenstellung und da ist einfach etwas zusammengewachsen. Trainer Luka Celar hat ein paar Anpassungen vorgenommen und wir nutzen die freien Räume auf dem Feld gut.“

Mit einem Sieg gegen Croatia soll ein ganz großer Schritt zur Meisterschaft gemacht werden. Aus den danach verbleibenden drei Spielen würde der BG ein Sieg zum Aufstieg reichen. Nur mit dem Jubeln sollte am Sonntag erst auf das Ertönen der Schlusssirene gewartet werden.

 
 
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