Bietigheim Berufsschulzentrum Jubiläumsfeier endlich wahr geworden

Von Heike Rommel
Beim Festabend zum 111-Jährigen (von links): Der ehemalige Schulleiter Dieter Burkhardt, Carolin Klöckner, Stefan Ranzinger Schulleiter, Landrat Dietmar Allgaier. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Das Berufliche Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen machte aus 111 Jahren beim wegen Corona verspäteten Festakt einfach 111+(1) zum Motto.

Dass nach den Einschränkungen der Pandemie nun endlich das 111-Jährige des Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen gefeiert werden, war am Donnerstagabend nicht nur für Schulleiter Stefan Ranzinger und seinen Stellvertreter Günter Folli ein großer Grund zu Freude. Die Feier war entsprechend fröhlich.

Auch eine Festschrift wurde anlässlich des Schnapszahl-Jubiläums aufgelegt: „Um so etwas stemmen zu können“, sagte Folli über das kapitale Werk in Wort und Bild, müsse man ein bisschen verrückt sein. Es sei ihm eine Freude, sich bei allen Verrückten zu bedanken, die das Unmögliche möglich gemacht hätten.

Für den Landkreis als Träger der Schule fand sich Landrat Dietmar Allgaier „nach zweieinviertel Jahren der gesellschaftlichen Enthaltsamkeit“ unter vielen Leuten wieder. Der Elternband der Hillerschule, die unter der Leitung von Alexander Wolpert Pop- und Jazztitel zum Besten gab, sprach er ein Kompliment aus als er zuerst dachte, es handele sich um die Schülerband des Abiturjahrgangs.

Start unter besonderem Stern

Allgaier umriss den Werdegang der Schule seit ihrem Gründungsjahr 1910, als der Mercedesstern als Markensymbol an Fahrzeuge gebaut wurde. An Stefan Ranzinger gewandt, mit dem er kontrovers diskutiere,  meinte er „Sie sind ein sehr hartnäckiger Schulleiter“.  Ranzinger fand es gut, dass der Landrat voll des Lobes über die Schule war, allerdings dürfe das den Blick nicht verstellen. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, bezog er sich auf das Leitbild der Schule und zeigte eine Bildershow über Schüler und was aus ihnen geworden ist.

Darunter Michael Bauer, der trotz partieller Trisomie 21 Maschinen- und Anlagenführer wurde. „Das war die erste erfolgreiche Inklusion eines Berufsschülers im Kreis Ludwigsburg“, sagte der BSZ-Schulleiter. Julia Behnke, die Kapitänin in der deutschen Handball-Nationalmannschaft war und gleichzeitig Industriekauffrau lernte, bewundere er. Der Elektroniker Duke Njoku aus Nigeria stand für die 38 Nationalitäten, die im BSZ vertreten sind.

Eine Festrede der besonderen Art, weil aus der Perspektive einer Absolventin der Schule hielt Carolin Klöckner. Sie erklärte, was das BSZ für sie bedeutet hat. Sie habe gelernt, bewusst zu handeln, mit anderen Gemeinsamkeiten zu finden, begeisterte Lehrer erlebt und alles hinterfragen dürfen, gab Klöckner Anekdoten aus ihrem Schulalltag preis, wo eine Lehrerin sie einmal zurecht dazu angehalten habe, sich zu überlegen, ob sie an dieser Schule richtig ist.

Der Lehrer, den sie und ihre Mitschüler „Handyzocker“ nannten, weil er in jeder Stunde drei Schüler mit dem Mobiltelefon erwischte, erkannte sich auch wieder. „Brachte der uns mal einen Zeitungsartikel mit und fragte, „was können Sie heraus lesen“, schilderte Klöckner eine seiner Deutschstunden. „Handyzockers“ Kommentar zu den Antworten der Schüler: „Das ist ja nur eine einzige Perspektive. Sie müssen hinterfragen.“

Aus der Perspektive einer Ehemaligen, die Weinkönigin geworden ist und dann auch noch Agrarwissenschaft studiert hat, obgleich ihre Familie gar nichts mit Wein- und Ackerbau zu tun hat, wünschte Carolin Klöckner den heutigen Schülern, dass sie den Charme der Schule während der Schulzeit erkennen und nicht erst hinterher wie sie.

Weinrebe zum Jubiläum

Geschenke gab es im Übrigen auch beim 111+(1). Jubiläum der Schule: Der Landrat durfte 111 Euro aus der Kämmerei vervierfachen und brachte es damit auf 444 Euro. Carolin Klöckner brachte eine Wildrebe mit, die der Schulleiter an die Fachschaft Biologie weitergibt, wo Klöckner immer so gerne die Wasserpest mikroskopiert habe. Nach dem offiziellen Teil gab‘s Fingerfood, Crêpes, gute Gespräche und es durfte endlich mal wieder getanzt werden. Schließlich hatte die größte berufliche Schule im Landkreis viel nachzuholen.

 
 
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