Bietigheim besiegt Zaglebie Lubin deutlich SG BBM stößt Viertelfinal-Tor weit auf

Von Sebastian Klaus
In der ersten Viertelstunde der Partie taten sich Karolina Kudlacz-Gloc (am Ball) und ihre Mitspielerinnen noch schwer gegen Lubins Defensive. Doch dann wurde es deutlich besser.⇥ Foto: Ralf Poller/Avanti

Trotz einer ganz schwachen Anfangsphase hat der Bundesligist aus Bietigheim in der European League gegen MKS Zaglebie Lubin den dritten Sieg im dritten Spiel eingefahren.

Die Bundesliga-Handballerinnen der SG BBM Bietigheim haben am Samstagabend auch ihr drittes Gruppenspiel in der European League für sich entschieden und damit das Tor zum Viertelfinale ganz weit aufgestoßen. Gegen den polnischen Meister MKS Zaglebie Lubin setzte sich der Tabellenführer der Gruppe B in der heimischen MHP-Arena mit 29:19 durch.

Dabei hatten die Gastgeberinnen zu Beginn des Spiels jedoch deutlich mehr Mühe als erwartet mit den überraschend frech und unbekümmert aufspielenden Polinnen. Das Spiel der Bietigheimerinnen wirkte in dieser Phase viel zu statisch, die SG-Spielerinnen selbst seltsam lethargisch. Während Lubin den Ball flott durch die eigenen Reihen laufen ließ und vor allem durch die ehemalige Bundesligaspielerin Emilia Galińska (unter anderem Dortmund und Neckarsulm) im Rückraum immer wieder zu Toren kam, kam bei der Spielgemeinschaft kein wirklicher Spielfluss in der Offensive zustande. Und die unvorbereiteten Abschlüsse waren dann leichte Beute für die im ersten Durchgang stark auftretende Monika Maliczkiewicz im Tor der Gäste.

Inger Smits trifft sieben Mal

Beim Stand von 1:4 war SG-Coach Markus Gaugisch deshalb gezwungen, bereits nach sechs gespielten Minuten die erste Auszeit zu nehmen. „Es sind Räume da, da könnt ihr mit einem Bus durchfahren“, monierte Gaugisch die schwache Offensivpower seiner Sieben. Statt Eins-gegen-Eins-Aktionen wollte der Trainer endlich Bewegung im Spiel seiner Truppe sehen. Doch was er stattdessen zunächst zu sehen bekam, war das 2:4 durch die trotz langer Pausen mit sieben Toren erfolgreichste Bietigheimer Werferin Inger Smits – natürlich wieder nach einer Einzelleistung.

Doch auch im Anschluss erinnerte das Spiel der SG BBM stark an die erste Hälfte des zweiten Durchgangs der letzten Partie in Metzingen, wo dem Deutschen Pokalsieger in 17 Minuten lediglich ein Tor gelungen war. Kein Tempo, kein Esprit, keine Ideen. Per Siebenmeter stellte Lubins auffällige Halblinke Karolina Kochaniak-Sala in der 14. Minute auf 9:6 für die Gäste.

Was jedoch dann passierte, sieht man auch nicht alle Tage. Sage und schreibe 19 Minuten lang blieb Zaglebie ab diesem Zeitpunkt ohne eigenen Torerfolg, während die Gaugisch-Sieben elfmal einnetzte. In der beweglichen Abwehr, die von einer mit einer Fangquote von fast 40 Prozent überragenden Melinda Szikora im Tor getragen wurde, holte sich Bietigheim augenscheinlich nach und nach das Selbstvertrauen für den Angriff zurück. Vor allem die perfekt getimten Pässe von Szikora über das gesamte Spielfeld auf die durchgestartete Trine Östergaard, die diese kurz hintereinander sicher zum 10:9 und 11:9 verwandelte, waren das Eintrittsgeld wert. In der nun immer sicherer stehenden Defensive um Xenia Smits angelte sich die SG hinten Ball um Ball, um dann aus dem Konterspiel heraus vorne sicher abzuschließen.

Mit zehn Toren in Serie stand es zur Pause 16:9 für die Gastgeberinnen. Den ersten Treffer nach der 19-minütigen Torflaute erzielte dann in der 33. Minute schließlich Aneta Labuda für Lubin zum 17:10. Zehn Minuten später stellte Kim Naidzinavicius mit einem ansatzlosen Rückraumgeschoss die Führung erstmals auf zehn Tore. Ein Vorsprung, den Bietigheim auch bis zum Ende halten sollte.

„Zu Beginn des Spiels waren wir nicht auf der Platte, wie wir uns das vorgenommen hatten. Darüber werden wir reden müssen. Im Laufe des Spiels habe ich dann aber die Sachen gesehen, die wir trainiert haben. Mit dem Ergebnis können wir dennoch zufrieden sein“, fasste Gaugisch die kuriosen 60 Minuten zusammen. Nicht wirklich fassen konnte dagegen Bozena Karkut, was auf der Platte geschehen war: „Bietigheim war der Favorit, aber wir haben gut gespielt. Und dann weiß ich nicht, was passiert ist. Bietigheim hat zehnmal in Folge getroffen und das Spiel war für uns vorbei“, analysierte Lubins Trainerin, die seit mehr als 21 Jahren den Klub coacht, die hohe Niederlage.

Klar ist aber auch, dass sich Bietigheim am kommenden Samstag im Pokal-Viertelfinale gegen Meister Borussia Dortmund eine so lange Schwächephase wie gegen Lubin und zuvor gegen Metzingen nicht wird leisten dürfen, sonst ist der Traum vom Quadruple (inklusive des Supercups) ganz schnell ausgeträumt.

 
 
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