Bietigheim-Bissingen 1000 neue iPads für die Schulen

Von Uwe Mollenkopf
iPad-Einsatz an einer Schule. In Bietigheim-Bissingen müssen neue Geräte beschafft werden. Foto: Imago/Funke Foto Services/Uwe Ernst

Der Gemeinderat hat die Beschaffung von Ersatz für veraltete Geräte beschlossen. Für Unmut sorgte, dass die Kosten von 750.000 Euro nicht im Haushalt eingestellt waren.

Die Digitalisierung der städtischen Schulen in Bietigheim-Bissingen ist weit fortgeschritten. Aktuell sind dort 3722 iPads für Schüler in Gebrauch. In den Grundschulklassen 1 bis 4 wird ein iPad für zwei Schüler vorgehalten, ab Klasse 5 ist für jeden Schüler ein iPad vorhanden, wobei diese ab Klasse 8 personalisiert sind. Doch laut dem Ersten Bürgermeister Michael Hanus hat inzwischen nach sechs Jahren Betriebszeit ein erheblicher Teil der vorhandenen Geräte das Ende seines technischen Lebenszyklus erreicht, was bedeutet, dass der Hersteller keine Betriebssystem-Updates und teilweise keine Sicherheitsupdates mehr bereitstellt. Daher sind nun Ersatzbeschaffungen nötig.

Zahl der Geräte wird verringert

Hanus schlug dem Gemeinderat in der jüngsten Sitzung vor, 1000 neue iPads zu kaufen, wofür Kosten von 750.000 Euro anfallen. Eigentlich bräuchte man mehr als 1600 Geräte, wenn man das bisherige Verhältnis von iPads zu Schülern beibehalten hätte. Ein Verhältnis von einem iPad für vier Schüler in Klasse 1 bis 2, einem iPad für drei Schüler für Klasse 3 bis 4 und von einem Gerät für zwei Schüler in Klasse 5 bis 7 sei aber auch ausreichend, so Hanus im Gremium. Damit könne man es bei den 1000 Geräten belassen.

Ferner verzichten die Grundschulen in Zeiten knapper Kassen für 2026 und 2027 auf einen Ersatz von Endgeräten. Die Real- und Gemeinschaftsschulen reduzieren den Ersatz von Endgeräten für 2026 und 2027. Zum Schuljahreswechsel 2027/2028 plant die Stadtverwaltung dann die Einführung einer Elternfinanzierung zur Bereitstellung von iPads für Schüler ab der Klasse 8.

Der Gemeinderat stimmte der Beschaffung der Geräte und der Elternfinanzierung ohne Gegenstimmen grundsätzlich zu. Die Stadt als Schulträger soll für Letztere ein Konzept erarbeiten, das ergebnisoffen sein soll. Trotz der Einstimmigkeit ging der Abstimmung aber eine längere Diskussion voraus, bei der die Stadtverwaltung teilweise stark unter Beschuss geriet.

Unter die Räder geraten

„Sehr unzufrieden“ zeigte sich SPD-Fraktionschef Thomas Reusch-Frey darüber, dass die Kosten für die Geräte nicht im Haushaltsplan vermerkt waren und nun kurzfristig freigegeben werden mussten. Dies komme „aus heiterem Himmel“, sagte auch sein Fraktionskollege Günter Krähling. Bürgermeister Hanus verteidigte sich damit, dass die Verantwortung auf zwei Dezernate verteilt sei und es auch Wechsel beim Personal gegeben habe. Dabei sei die Anmeldung der Kosten im Haushalt „ein Stück weit unter die Räder geraten“. Man habe bis vor Kurzem nicht gewusst, wie viele Geräte benötigt würden.

Ebenfalls kritisiert wurden die Kosten für das sogenannte Mobil Device Management (MDM). Dieses dient der Einbindung und Einrichtung neuer Apple-Geräte in die Schulumgebungen (Onboarding), wobei die Stadt eine Vereinheitlichung der MDM-Systeme für die Schulen zu einem zentralen System anstrebt. Stadtrat Claus Stöckle (CDU) rechnete vor, dass bei dem von der Verwaltung zu Kalkulationszwecken angesetzten Onboarding-Preis von 95,20 Euro pro Gerät für den Dienstleister bei den 1000 neuen Geräten Kosten von mehr als 95.000 Euro anfallen würden und sagte: „Dies erscheint uns sehr, sehr hoch.“

Kosten sollen reduziert werden

Oberbürgermeister Jürgen Kessing warf darauf die Frage an seine Verwaltung auf, ob man das nicht selber machen könne. Schließlich wurde in den Beschluss über die Vereinheitlichung der MDM-Systeme die Formulierung aufgenommen, dass eine Kostenreduzierung angestrebt werde. Dies wurde vom Gremium einhellig gebilligt.

Streit um Lehrer iPads

Mit neun Gegenstimmen und drei Enthaltungen beschloss der Gemeinderat, dass die Stadt die zur Lehre notwendigen Lehrer-iPads beschafft und finanziert, sofern das Land das nicht übernimmt. Hierzu gibt es bislang keine einheitliche Regelung.

Die Anschaffung der Geräte sei Aufgabe des Landes, wenn nicht der Lehrer selbst, kritisierte Traute Theurer, die Sprecherin der GAL-Fraktion. Sie habe sich in ihrer Zeit als Lehrerin ihre PCs auch selbst gekauft. Laut Ratsvorlage würde die komplette Ausstattung der Lehrer in den nächsten Jahren rund 300.000 Euro kosten. Auch Ute Silcher (Freie Wähler) und Dr. Arno Steilner (FDP) bemängelten dies.

Stadtrat Markus Nutz (SPD) erklärte indes, dass die Lehrer-iPads laut Digitalpakt förderfähig seien. Vielleicht brauche man auch nicht für alle der 400 Lehrer ein Gerät. Claus Stöckle (CDU) stellte fest, ein Kauf durch die Lehrer scheide aus, da diese dieselben Geräte wie ihre Schüler brauchten. Man dürfe den Konflikt nicht auf dem Rücken der Kinder und auf Kosten des Unterrichts austragen.

 
 
- Anzeige -