Der Verkehr sei wie Wasser, er finde immer seinen Weg. Das sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing jüngst beim Bürgergespräch in der Bietigheimer Kelter. Sehr zum Leidwesen der Untermberger führt besagter Weg während der Bauarbeiten an der B 27 und der L 1125 jedoch nicht immer über die offizielle Umleitungsstrecke, sondern durch den Bietigheim-Bissinger Stadtteil. Rund 20.000 Fahrzeuge fahren derzeit jeden Tag durch Untermberg. Das hat eine Verkehrszählung des Vereins Sympathie für Untermberg ergeben.
Bietigheim-Bissingen 20.000 Fahrzeuge pro Tag: Untermberg leidet unter dem Verkehr
Der Verein Sympathie für Untermberg hatte zu einem offenen Austausch zwischen Anwohnern und der Stadt zur aktuellen Lage geladen.
Weil das Thema die Menschen bewege, habe man zu einem offenen Austausch mit der Stadtverwaltung geladen, sagte der 1. Vorsitzende Bernd Klein am Donnerstag vor etwa 25 Untermbergern, dem Ersten Bürgermeister Michael Hanus und Ordnungsamtsleiter Matthias Volk. „Der Verkehr ist wie erwartet explodiert seit der Sperrung der L 1125“, konstatierte Klein. Der Lärm, die aggressive Fahrweise einiger Autofahrer und die schlechte Luftqualität machten den Anwohnern zu schaffen.
Absage an Parkverbot
Es sei eine „unwahrscheinliche Belastung“ über einen langen Zeitraum für die Anwohner, so Hanus. Es habe Überlegungen gegeben, ein Parkverbot umzusetzen, doch dann würde der Verkehr vollends ungebremst durch den Ort fahren. Der Wunsch der Bürger beim zurückliegenden Bürgergespräch in Untermberg sei ein Lkw-Durchfahrtsverbot und ein Festhalten an den Parkplätzen gewesen, resümierte Ordnungsamtsleiter Volk. Diese Wünsche habe man in den Diskussionen mit dem Regierungspräsidium Stuttgart auch durchsetzen können.
Diese Anliegen bestätigten die Untermberger an diesem Abend ausdrücklich. Mit einem Parkverbot hätte man keine Chance mehr, aus der eigenen Einfahrt zu kommen, sagte Bernd Klein. Gezielte Störungen des Verkehrs seien daher unabdingbar. Zudem gebe es im Ort auch keine Ausweichparkplätze für die Anwohner, ergänzte ein Bürger. Für Klein stellen die Lkw, die sich nicht an das Durchfahrtsverbot halten, das größte Problem dar – darunter auch lokale Speditionen, die es eigentlich besser wissen müssten. Auf diese könne man als Stadt proaktiv zugehen, kündigte Volk an.
Eine Untermbergerin widersprach Bernd Klein jedoch: Nicht die Lkw an sich seien das Problem, diese würden immerhin den Verkehr herunterbremsen. Vielmehr müsse man gegen aggressive Autofahrer vorgehen, die hupen, an Engstellen über den Gehweg fahren und teilweise an der Überquerungshilfe auf der Gegenfahrbahn fahren würden. Für Fußgänger halte da erst recht niemand an. Hier könne man mit einer Ampel arbeiten, regte sie an. Eine weitere Maßnahme: Das Tempo bis zum Bissinger Kreisel auf 60 reduzieren, damit am Ortsausgang nicht so stark beschleunigt werde.
Pförtnerampel nicht umsetzbar
Die offizielle Umleitung über Sachsenheim und Vaihingen sei zu schlecht ausgeschildert, beklagte ein Anwohner. Auch eine Pförtnerampel, die jeweils an den Ortseingängen aufgestellt und immer nur einen Schwung an Fahrzeugen durchlassen sollte, wurde ins Spiel gebracht. Dieser Idee konnte Matthias Volk allerdings wenig abgewinnen. Rechtlich sei das vermutlich nicht umsetzbar, schließlich wäre deren einzige Funktion ein Aufhalten des Verkehrs, so der Ordnungsamtsleiter. Zudem wären die Rotphasen so lang, dass sich riesige Rückstaus bilden würden.
Für eine kleine Entlastung soll immerhin die Aufhebung des Linksabbiegeverbots von der Schwarzwaldstraße in Richtung Metterzimmern sorgen, die am Samstag vorgenommen werden soll. Das Thema der Beschilderungs werde man in die Gespräche mit dem Regierungspräsidium mitnehmen. Das Lkw-Durchfahrtsverbot könne ultimativ nur die Polizei durchsetzen, doch bei der habe die Verkehrskontrolle nun einmal nicht die oberste Priorität, räumte Volk ein. Einige Anwohner hätten bereits Mülltonnen aufgestellt, um zu verhindern, dass Autofahrer auf den Gehweg ausweichen. Dagegen werde das Ordnungsamt nicht vorgehen. Vielmehr werde man schauen, ob man selbst an manchen Stellen Hindernisse installieren könne, kündigte Volk an. Auch ein Blitzeranhänger soll demnächst wieder in Untermberg aufgestellt werden.
Man könne zwar ergänzende Maßnahmen treffen, um die Situation erträglicher zu gestalten, doch „den Verkehr werden wir nicht wegbekommen“, fasste Volk zusammen.
