Bietigheim-Bissingen 50 Jahre Badespaß in Bissingen

Von Yannik Schuster
Nachdem jahrelange Planungen der Eröffnung vorausgegangen waren, ist das Bissinger Hallenbad inzwischen nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Durch Schulen, Vereine und Dienstleister ist es jedoch trotzdem voll ausgelastet. Foto: /Oliver Bürkle

Am 12. März 1976 wurde das Hallenbad eingeweiht. Vorangegangen waren mehr als zwölf Jahre vergeblicher Planungen und Beschlüsse.

In wenigen Wochen, am 12. März, feiert das Hallenbad in Bissingen offiziell 50. Geburtstag. Dabei geht die Entstehungsgeschichte des Bades noch deutlich weiter zurück – bis ins Jahr 1962. Ein Blick ins Archiv.

Bereits am 15. Januar 1962 beschloss der Bissinger Gemeinderat – damals noch als eigenständige Kommune – den Bau eines Rathauses sowie einer Mehrzweckhalle inklusive Schwimmbecken für insgesamt 2,5 Millionen Mark. Doch nachdem bereits ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben und durchgeführt worden war und der beauftragte Architekt eine Kostensteigerung von einer Million Mark in Aussicht stellte, machte der Gemeinderat 1963 einen Rückzieher und beschloss, die Mehrzweckhalle und das Lehrschwimmbecken zunächst nicht auszuführen.

Mehrere Anläufe nötig

Einen weiteren Anlauf versuchte man zwei Jahre später: Der Gemeinderat beschloss den Bau eines Lehrschwimmbeckens hinter der Schillerschule. Doch aufgrund laufender anderer Bauvorhaben standen die nötigen Gelder nicht zur Verfügung, sodass das Projekt zunächst nicht umgesetzt wurde. 1969 schließlich wagte man sich erneut vor: An besagtem Standort an Schillerschule/Gerokstraße sollte nun eine Kleinschwimmhalle entstehen. Ein Architekturbüro wurde beauftragt, einem Kostenvoranschlag von 2,1 Millionen Mark stimmte der Gemeinderat zu.

Bürgermeister Ernst Silcher sagte: „Wir alle wissen, dass die Einwohnerschaft, besonders aber die Jugend, auf den Bau einer Kleinschwimmhalle wartet.“ Doch erneut sollte es nicht zur Ausführung kommen. In diesem Fall war die fehlende Beteiligung des Staates an den Kosten ausschlaggebend.

Die Planungen für eine Schwimmhalle am Standort Fürhauptwiesen, der ursprünglich bereits 1962 angedacht gewesen war, kamen erst 1973 wieder Schwung. Die konkreten Pläne waren jedoch auch elf Jahre nach den ersten Überlegungen noch nicht ausgereift. So stritt man sich am 10. Juli 1973 im Gemeinderat über drei Stunden lang über die Form der Ausführung. Mit elf zu acht Stimmen beschlossen die Räte schließlich die Realisierung einer „großen Lösung“ – inklusive Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken, einer Cafeteria, Sauna und Terrasse zu Gesamtkosten von rund 4,1 Millionen Mark.

„Langer und schwieriger Weg“

Gerade einmal ein halbes Jahr später folgte jedoch ein Beschluss zur Verringerung des Raumprogramms. Danach nahm das Projekt Fahrt auf. Noch im August 1974 lag das Baugesuch vor, im Oktober folgte der Spatenstich.

Hunderte von Interessierten hatten sich dazu eingefunden. „Die Weichen sind gestellt – der Zug hat freie Fahrt“, so Bürgermeister Hermann Silcher in seiner Ansprache. Von keinem Projekt in der Gemeinde würden so viele Planungen vorliegen wie von der Schwimmhalle, führte er weiter aus. „Es war für die Gemeinde ein langer und schwieriger Weg“, wobei die Verzögerungen nicht nur Nachteile gebracht hätten. „Wir wollen ein Bad ohne Luxus, ein Bad, das allen Bissingern zur Verfügung steht und auch in der neuen Stadt seine Funktion erfüllt“, so der Rathauschef mit Blick auf den anstehenden Zusammenschluss mit Bietigheim.

Nach 15-monatiger Bauzeit wurde das Hallenbad schließlich am 12. März 1976 eingeweiht – durch einen Sprung ins kühle Nass des Oberbürgermeisters Manfred List. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 3,7 Millionen Mark.

Sprung in die jüngere Vergangenheit: Diskussionen um einen Hallenbad-Neubau erhitzten 2019 die Gemüter. Die Stadt hatte dafür nämlich einen Standort im Ellental ins Auge gefasst, sehr zum Unmut der Bissinger, die fürchteten, ihr Bad dadurch zu verlieren. Aus finanziellen Gründen wurden die Planungen letztlich aber nicht weiterverfolgt.

Für Diskussionen sorgte das Bissinger Hallenbad erneut im Mai 2025. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen hatten die öffentlichen Bäderzeiten gestrichen. Betriebskosten von jährlich 600.000 Euro stünden nur Erlöse von rund 20.000 Euro entgegen, hieß es zur Begründung. Auch eine Petition mit über 500 Unterschriften führte nicht zu einem Umdenken. Die frei gewordenen Wasserzeiten dienstagvormittags und freitags sollten stattdessen den Schulen und Vereinen angeboten werden, hieß es vonseiten der Stadtwerke.

Kaum Lücken im Belegungsplan

Momentan sei der Dienstagvormittag durch eine Schule und einen Dienstleister zum Teil belegt, wie Bäderleiter Thilo Dittmann mitteilt. Der Freitag sei ab 13 Uhr komplett belegt, der Vormittag immer wieder durch Schulen und Dienstleister. „Wir wollen hier noch Raum lassen, damit Schulen aus der Stadt für das kommende Schuljahr mit Stundenplan-Änderungen noch die Möglichkeit haben, Wasserzeiten zu bekommen.“ Grundsätzlich gebe es jedoch nur noch wenige freie Wasserzeiten und so gut wie keine Lücken im Belegungsplan, so der Bäderleiter.

 
 
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