Bietigheim-Bissingen 70 Gruppen bei Festumzug erwartet

Von Petra Neset-Ruppert und Yannik Schuster
Am Pferdemarkt-Montag ziehen wieder zahlreiche Festwagen durch die historische Innenstadt. Foto: /Martin Kalb

Wie bereiten sich die Stadt Bietigheim-Bissingen aber auch langjährige Teilnehmer auf den traditionellen Pferdemarktumzug vor? Die BZ hat nachgefragt.

Er ist eine Institution: Der Bietigheimer Pferdemarkt mit seinem traditionellen Festumzug am Montag. Jahr für Jahr kommen dabei zahlreiche Vereine und Organisationen aus Bietigheim-Bissingen und dem Umland zusammen, und ziehen gemeinsam durch die historische Innenstadt.

Die Anzahl der teilnehmenden Gruppen sei über die Jahre hinweg stabil, teilt Anette Hochmuth, Leiterin des städtischen Presseamts, auf BZ-Nachfrage mit. Zwischen 55 und 75 Gruppen würden regelmäßig am Festumzug teilnehmen, eine Obergrenze gebe es nicht. In diesem Jahr werden rund 70 Gruppen erwartet. Mitmachen darf man, sofern ein Bezug zur Stadt oder zum Pferdemarkt besteht. Auch Unternehmen, die Jubiläen feiern, dürften demnach teilnehmen. Allerdings müssen sich auch langjährige Teilnehmer Jahr für Jahr neu anmelden. Das liegt daran, dass es formale Teilnahmebestätigungen gebe, die mit speziellen Auflagen verbunden seien, die sich jedoch über die Jahre ändern würden.

Seit Jahrzehnten dabei

Unterwegs sind die Mitglieder des Fasnetsverein Wobachspatzen beim Pferdemarktumzug seit einigen Jahrzehnten – allerdings nie im Häs, denn das ziehen die Narren nur während der fünften Jahreszeit an, erklärt Michael Molnar, Vorsitzender der Wobachspatzen. Trotzdem kommen immer viele Mitglieder. „Der Termin ist bekannt, alle Gruppen sind informiert und wenn wir die Startnummer haben, gibt es noch einmal die Info“, sagt Molnar. Dank jahrzehntelanger Erfahrung sind die Wobachspatzen bestens auf den Traditionsumzug vorbereitet, haben frühzeitig abgefragt, wer von den Kindern teilnimmt und alle auf das Einheitsoutfit in den Vereinsfarben schwarz und rot hingewiesen.

Zu dem Umzug werden neben den Kindern auch immer die Eltern miteingeladen. „Dann haben wir gleich mehr Aufsichtspersonal“, sagt Molnar. Außerdem sind die Wobachspatzen mit ausreichend Getränken im Bollerwagen auch auf Hitze gut eingestellt. „Das ist so ein wenig wie beim Schulausflug, da wird auch immer noch einmal gefragt, ob alle ihre Hüte dabei haben“, sagt Molnar. Neben Bonbons verteilen die Wobachspatzen auch die Zeitung ihrer vergangenen Kampagne, um so auch die Arbeit des Vereins bekannter zu machen. Die Stadtnarren wissen mittlerweile, wo sie ihre Peitschen schnallen lassen können, und die Gardemädchen achten bei ihren Hebefiguren darauf, dass auf dem Asphalt keine allzugroßen Verletzungsgefahren drohen. Also alles bestens vorbereitet. Nur die Guggenmusik stehe öfters „auf wackeligen Beinen“, da Pferdemarktzeit nun mal auch Ferienzeit ist.

„Über die Pferdemarktzeit bist du daheim“, sagt Feuerwehrkommandant Frank Wallesch und erklärt mit einem Lachen, dass das Traditionsfest ein Pflichttermin für alle Bietigheim-Bissinger sei. Dazu gehört auch der Umzug, bei dem die Feuerwehr seit Jahrzehnten immer dabei ist. Seit einigen Jahren fährt die Feuerwehr statt der Polizei vorne weg mit zwei Motorrädern und einem Sonderfahrzeug. So könne man auch schnell auf besondere Situationen reagieren, wenn Menschen auf Grund von Hitze kollabieren zum Beispiel, erklärt Wallesch.

Abbruch vor 15 Jahren

Vor 15 Jahren sprinteten die Feuerwehrleute sogar aus dem Umzug direkt zu einem Brandgeschehen – in historischen Uniformen. „Damals sind die Kollegen hin und haben die ersten Maßnahmen getroffen, bevor der eigentliche Löschtrupp anrückte“, erinnert sich Wallesch.

Dann wurde auch zum ersten und einzigen Mal der Umzug abgebrochen. „Wir konnten die Pferde nicht an dem Rauch vorbeiführen.“ Bei der Feuerwehr ist hauptsächlich die Gruppe rund um das Feuerwehrmuseum in Bissingen mit den Vorbereitungen für den Pferdemarkt-Umzug betraut. „Das sind um die 15 Personen, die die Uniformen heraussuchen und entscheiden, wer wo mitfährt“, sagt Wallesch. Denn gerade die historischen Fahrzeuge kommen beim Pferdemarktumzug immer gut an. Vor allem der Leiterwagen mit Löschspritze sorgt beim Publikum nicht nur für Abkühlung, sondern auch für viel Gelächter. „Beim Umzug applaudieren auch viele Zuschauer und zeigen, dass ihnen die Arbeit der Feuerwehr wichtig ist. Das freut mich“, sagt Wallesch, der beim Umzug immer vorne mitfährt.

Grundsätzlich laufen die ersten acht Gruppen immer in der gleichen Reihenfolge. Besonders kompliziert sei die Einteilung der Gruppen darüber hinaus nicht, sagt Anette Hochmuth, vor allem abwechslungsreich solle der Festzug sein. Allerdings achte man zum Beispiel darauf, dass Musikgruppen nicht unmittelbar vor oder nach Pferde- oder anderen Tiergruppen eingeteilt werden.

20.000 Euro für Preise und Co.

Insgesamt circa 20.000 Euro schüttet die Stadt jedes Jahr an Preisen und Entschädigungen für Teilnehmer des Festumzugs aus. Geld erhalten unter anderem Reitervereine pro teilnehmendem Pferd, Festwagen, Kutschen oder die Teilnehmer der Musikvereine. „Ein Pferdemarkt lebt von der Teilnahme von Pferden, aktiven Vereinen und einer bunten Mischung von weiteren Gruppierungen. Daher freuen wir uns über jede Gruppe, die am Umzug teilnimmt“, sagt Hochmuth. Und weiter: „Zudem soll das Engagement der vielen Teilnehmer, von denen viele an diesem Tag Urlaub in Anspruch nehmen müssen, auf diesem Weg honoriert werden.“

 
 
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