Bietigheim-Bissingen Abriss ist für den Sommer geplant

Von Uwe Mollenkopf
Das ehemalig Gebäude der Bietigheimer Wohnbau in der Berliner Straße im Wohngebiet Buch. Foto: /Martin Kalb

Die Stadt hat der Bietigheimer Wohnbau weitere Flurstücke zur Entwicklung eines neuen Quartiers am bisherigen Standort verkauft. Seitens der Anwohnerschaft kommt Kritik.

Im vergangenen Jahr ist die Bietigheimer Wohnbau in ihr neues Gebäude an der Stuttgarter Straße umgezogen. An ihrem bisherigen Standort soll ein neues Wohnquartier entstehen, wofür der Gemeinderat noch vor dem Umzug die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gebiet „Gansäcker, Berliner Straße“ beschlossen hat. In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat dem Verkauf weiterer Grundstücke für das geplante Quartier einhellig zugestimmt.

Gelände arrondiert

Dabei handelt es sich um einen angrenzenden Schotter-Parkplatz und einen Spielplatz, beides städtische Flächen. Der Kaufpreis beläuft sich auf 3,2 Millionen Euro. Die Fläche für das künftige Quartier werde durch die zusätzlichen Grundstücke arrondiert, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing im Gremium. Es handle sich bei dem Vorhaben um eine „städtebaulich sinnvolle Entwicklung“.

Das sah auch Stadtrat Marcus List (CDU) so. Er sagte, dort entstehe ein „Wohngebiet in toller Lage“ und „ein neuer Eingang ins Wohngebiet Buch“. Aus Sicht von Werner Kiemle (SPD) ist die Arrondierung die logische Konsequenz aus dem Aufstellungsbeschluss. Es sei „eine interessante Fläche für die Nachnutzung“. Er hoffe, so Kiemle, dass dort am Ende „etwas richtig Gutes“ entstehe.

Bis zu acht Stockwerke?

Weniger rosig sieht man hingegen bei den Anwohnern, welche von der Bietigheimer Wohnbau am vergangenen Donnerstag über die geplanten baulichen Veränderungen informiert wurden, das Vorhaben. Andrea und Helmut Manka, die die Zahl der Anwesenden bei der Informationsveranstaltung auf rund 60 schätzen, weisen gegenüber der BZ zum einen auf die Höhe der geplanten Wohngebäude hin. Insgesamt seien 13 Wohnblöcke geplant, die zwei-, drei-, vier-, fünf-, sechs- und einer als Leuchtturmprojekt sogar achtstöckig ausfallen sollten. Das wird als zu massiv angesehen. Die auf der Versammlung gezeigten Unterlagen hätten die Dimension dieser hohen Gebäude nicht zum Ausdruck gebracht, wird bemängelt.

In den Wohnblocks sollen laut den Anwohnern rund 150 Wohnungen entstehen. Weiter sind demnach in dem Quartier sechs Reihenhäuser, eine Kita, ein Café und ein Vollsortierer-Einkaufsladen geplant. 150 Parkplätze für die Bewohner der Wohnungen sollen in einer Tiefgarage entstehen, 75 Parkplätze sind in einer weiteren Tiefgarage für Kita und Markt vorgesehen. Wohnbau-Sprecherin Sabrina Peer weist gegenüber der BZ allerdings darauf hin, dass man zusammen mit dem Baudezernat derzeit einen Bebauungsplan erarbeite und gerade mitten im Verfahren sei. „Die Wohnungsanzahl ist bisher nur aus einer städtebaulichen Studie abgeleitet und daher völlig unverbindlich“, so die Sprecherin.

Knackpunkt Parkplätze

Ein weiterer Knackpunkt ist die Stellplatzsituation. Ein Parkplatz pro Wohneinheit und insgesamt 15 Besucherparkplätze seien völlig unzureichend, meinen Andrea und Helmut Manka. Die Parkplatzsituation im Gebiet Gansäcker, Berliner Straße und Frimleystraße sei bereits heute stark belastet durch Firmenwagen. Aussagen wie Bahnhofsnähe, Car Sharing und Lastenrad als Ersatz für eigene Fahrzeuge würden seitens der Anwohner als wirklichkeitsfremd abgelehnt.

Andrea Manka beklagt zudem auch die Hereinnahme des Spielplatzes in die Planungen. Es treffe nicht zu, dass dieser nicht mehr genutzt werde. Zudem gebe es dort alte Bäume, die auch Standorte von Eulen seien.

Über den Verlauf der Informationsveranstaltung gibt es unterschiedliche Aussagen. Während seitens der Anwohner von einer aufgebrachten Stimmung die Rede ist, was zu einem Abbruch der Vorstellung durch die Experten geführt habe, heißt es seitens der Wohnbau, das Plenum sei irgendwann aufgelöst worden, da die Fragen Einzelner zu individuell geworden seien. Es seien stattdessen Einzelgespräche angeboten worden. Die Stimmung sei nicht anders als bei ähnlichen Informationsveranstaltungen gewesen.

Wie Sabrina Peer zum weiteren Zeitplan mitteilt, soll der Satzungsbeschluss im Bebauungsplanverfahren im Laufe des ersten Halbjahrs 2027 gefasst werden. Das Bestandsgebäude der Wohnbau soll bereits in diesem Sommer abgerissen werden.

 
 
- Anzeige -