Es ist ein deutschlandweites Problem, das vor Bietigheim-Bissingen nicht halt macht: Menschen stellen illegal Altkleider, Sperr- und Hausmüll auf Straßen und Grundstücken ab, häufig neben Altkleidercontainern.
Bietigheim-Bissingen Altkleidercontainer vermüllen weiter
An mehreren Straßen in Bietigheim-Bissingen liegen neben großen Behältern wilde Haufen Sperr- und Hausmüll. Wer ist dafür zuständig?
Aktuell sind es in Bietigheim-Bissingen mindestens drei Stellen, die wild vermüllt sind: In der Südstraße und in der Carl-Benz-Straße in Bissingen sowie im Taubenweg in Sand. Das Thema bewegt Bürger, wie etwa Katerina Enz, die in der Nähe des Taubenweges wohnt und unserer Redaktion schreibt, dass da schon Wochen unhaltbare Zustände seien. „Neben dem Container stapelt sich allererlei Unrat. Vom Katzenkratzbaum bis zur leeren Milchtüte und dies in einem so guten Wohngebiet, dies kann man einfach nicht nachvollziehen. Wer ist da zuständig?“ Auch der Müllberg auf einem brachliegenden Grundstück an der Südstraße wurde kürzlich im Bürgergespräch von einem Anwohner angesprochen.
Genervte Grundstückseigentümer
Die Grundstückseigentümer in der Südstraße hatten einen Brief an einen Container geklebt. Darin forderten sie die Unbekannten, die die Behälter einst „ohne unsere Genehmigung“ aufgestellt hatten, auf, diese bis Ende November zu entfernen. Das Landratsamt habe die Eigentümer aufgefordert, bis 1. Dezember den Abfall zu beseitigen. „Leider gibt es Mitmenschen, welche sich keinerlei Gedanken machen, wer den Müll, den sie neben dem Container abladen, entsorgt“, heißt es in dem Schreiben, das mit „Die genervten Grundstückseigentümer“ unterschrieben ist.
Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen: „Es ist leider ein zunehmendes Ärgernis, dass Bürger ihren Müll auf öffentlichen und privaten Grundstücken abladen, um Müllgebühren zu entgehen.“ Eigentlich sei es nicht die Aufgabe der Stadt, diesen illegal abgestellten Müll zu entsorgen. Nach einer Weile räume der Bauhof teilweise auf. „Wir sehen die Eigentümer der Grundstücke verstärkt in der Pflicht, der illegalen Müllablagerung Sorge zu tragen.“ Auf diese kommen mit der Entfernung eines Containers und des Mülls also einiges an Kosten zu. Immerhin: Die Altkleidercontainer in der Südstraße, die „seit ein paar Jahren dort standen“, wie ein Anwohner bestätigt, sind seit dieser Woche abgeschafft, von wem, ist unserer Zeitung bisher nicht bekannt.
Dubios erscheint, wer diese Altkleidercontainer aufstellt. Bei den drei besagten Plätzen in der Stadt handelt es sich um alte ausrangierte Container des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). In der Südstraße stand darauf ein Zettel mit einer angeblichen Service-Telefonnummer und Email-Adresse von „Germantextil“, die aber nicht funktionieren.
An zig Firmen weiterverkauft
Steffen Schassberger, Sprecher des DRK-Kreisverbands Ludwigsburg, hat folgendes herausgefunden: „Die Container wurden vom DRK Kreisverband Dippoldiswalde an die Firma Profittex Bochum verkauft, die diese dann wohl an die Firma Versero aus Berlin verkauft hat.“ Diese habe die Container 2023 an die Firma Shuhait aus Stuttgart verkauft. „Shuhait ist nach unseren Erkenntnissen die Firma, die die Container im Landkreis aufgestellt hat“, so Schassberger, „in Summe wohl 36 Container.“ Kontaktdaten der Firma sind unbekannt.
Vom Landratsamt Ludwigsburg heißt es auf Anfrage: „In den vergangenen Jahren beobachten wir einen deutlichen Anstieg der Meldungen über illegale Abfallablagerungen an Altkleidercontainern.“ Dazu zählen auch die aktuellen Meldungen über den Abfallberg in der Bissinger Südstraße sowie in der Carl-Benz-Straße.
Zuerst fordere die Abfallrechtsbehörde den Betreiber des Containers oder den Eigentümer des Grundstücks auf, den Müll zu beseitigen. „Allerdings stellt dies häufig nur eine vorübergehende Lösung dar, da sich vor dem Container kurz darauf erneut illegale Abfallablagerungen bilden“, so Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamtes. Die Situation werde dadurch erschwert, dass der Betreiber des Containers, der oft ohne Genehmigung der Gemeinde oder des Grundstückeigentümers aufgestellt wurde, häufig nicht ermittelt werden kann. Dann haben die Grundstückseigentümer Pech. Denn die Kommune kann laut Landratsam für illegale Abfallablagerungen auf öffentlichen Flächen oder der Grundstückseigentümer auf Privatflächen haftbar gemacht werden, „da sie für einen ordnungsgemäßen Zustand ihres Grundstücks verantwortlich sind.“
