Betritt man die neuen Bankräume der VR-Bank Ludwigsburg in der Stuttgarter Straße 56, stößt man statt auf Glasscheiben und Schalter auf einen neuneinhalb Meter langen Tisch, an dem sich auch Barhocker befinden. Daneben steht eine Kaffeemaschine, ein Kühlschrank erlaubt das schnelle Bereitstellen von Kaltgetränken. „Das ist die längste Bar in der Stadt“, meint VR-Bank-Pressesprecher Gunter Endres schmunzelnd beim Vorab-Besuch der BZ. Eröffnet werden sollen die neuen Räume am 4. Mai.
Bietigheim-Bissingen Am neuen VR-Standort spielt die Musik
Die VR-Bank Ludwigsburg konzentriert sich in der Stadt künftig im Gebäude Stuttgarter Straße 56. Dort kommt ein völlig neuartiges Konzept zum Tragen. Am 4. Mai ist Eröffnung.
Der neue Standort „soll etwas Besonderes sein“, sagt der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank, Timm Häberle. Es solle ein Willkommens-Center sein, mit Wohlfühlfaktor, der den Bankbesuch zum Erlebnis werden lasse, beschreibt Häberle das innovative Konzept, das deutschlandweit einzigartig sei.
Tape Art im Vorraum
Bereits der Vorraum, wo man an zwei Automaten rund um die Uhr Geld abheben kann, ist ungewöhnlich. Die Wand ist mit künstlerischen Elementen überzogen (auf die man aber auch in den anderen Räumen stößt). Tape Art nennt sich die Kunstform, bei der Bilder mit Klebebändern gestaltet werden. Vor allem Grau- und Blautöne wechseln sich mit knalligem Orange ab, eine lachende Frau mit Kopfhörern ist zu sehen, als lokales Element das Untere Tor. Dazu werde nach Geschäftsschluss noch laute Musik ertönen, wenn man in den Vorraum kommt, sagt Häberle und demonstriert, wie der Kunde selbst auswählen kann, was er hören will – von Rock bis Klassik. Wer es lieber ruhig haben will, kann einen Aus-Knopf drücken.
Die Räume seien weitgehend fertig, sagt Vorstandsmitglied Heiko Herbst, nur noch wenige Arbeiten seien nötig. Man habe aber mit der Eröffnung warten wollen, bis die Bauarbeiten in dem Abschnitt der Stuttgarter Straße, in dem sich die Bank befindet, fertig sind. Fertig ist auch die Decke, obwohl diese ziemlich unfertig aussieht. Doch: „Das ist Industriedesign“, auch als „Raw Design“ bezeichnet, das bewusst für die neuen Räume gewählt wurde, erklärt Bereichsleiter Anastasios Damianidis. Auch das ist Teil des Gesamtkonzepts. Letzteres ermöglicht auch im Hauptraum Musik, nicht umsonst hängt eine Discokugel an der Decke. Häberle spricht von Club-Charakter.
Das Ziel des Ganzen? Man wolle mit dem ungewöhnlichen Design, der Musik, mit dem offenen Raum und dem langen Tresen, der die Möglichkeit zu Gesprächen bei einem Kaffee oder anderem Getränk ermöglicht, auch neue Kunden ansprechen, insbesondere Jüngere, sagt Vorstandschef Häberle. Auch Veranstaltungen außerhalb der Eröffnungszeiten soll es geben – ob Weinprobe oder After-Work-Veranstaltung. Die VR-Bank soll dann zur VR-Bar werden. Es solle eine Filiale sein, „die bewusst zum Gesprächsthema wird“, sagt Häberle. Und er räumt ein: „Wir wollen auch etwas provozieren.“ Denn um die Kunden von morgen zu gewinnen, dürfe man alles andere als langweilig sein.
In den Räumen war bis zur Schließung vor einigen Jahren eine Filiale der Deutschen Bank untergebracht. Die damalige Volksbank Ludwigsburg hatte bis 2018 bereits in der Nähe in der Stuttgarter Straße 66 eine Filiale betrieben.
Lage entscheidend
Die Entscheidung, nun die früheren Räume der Deutschen Bank anzumieten, begründet Häberle zum einen mit der Lage. Der Standort biete sich – im Gegensatz zu dem in der Stadtmitte – vor allem für Autofahrer an, die vorbeifahren und etwa am Abend noch den Geldautomaten nutzen wollen. Parkplätze gebe es an der Straße sowie in der Tiefgarage.
Mitarbeiter ziehen um
Zum anderen habe die Tatsache, dass immer mehr Kunden Online-Banking machen, zur Folge gehabt, dass die Frequenz in den bestehenden Filialen gesunken sei, sagt Heiko Herbst. Die VR-Bank hat in Bietigheim-Bissingen Filialen in der Hauptstraße, im Buch und in Bissingen. „Deshalb wollen wir uns auf eine Filiale konzentrieren“, so Herbst. Diejenige in der Stadtmitte sei dafür jedoch zu klein.
Das heiße, alle Mitarbeiter in der Stadt werden in die Stuttgarter Straße 56 umziehen, insgesamt werden rund 30 Mitarbeiter in dem Gebäude arbeiten. Die bisherigen Filialen bleiben erhalten, versichern Häberle und Herbst. Man kann dort an den Automaten weiter Geld abheben. Es gebe aber keine ständige Mitarbeiterpräsenz mehr, Beratung erfolge nur noch nach Terminvereinbarung. Dann fahren die Mitarbeiter von der neuen Zentrale in die Filialen. Außerdem soll das VR-Service-Interaktiv-System, auch „VR-SISy“ genannt, eingerichtet werden, das eine persönliche Serviceberatung mit einem Bankmitarbeiter per Videoübertragung ermöglicht. In der Filiale Bissingen ist dieses bereits Usus. „VR-SISy“ funktioniere relativ gut und werde gerne genutzt, sagt Timm Häberle.
Umbau kostet 1,5 Millionen
Am neuen Standort gibt es neben dem offenen Bereich fünf Beratungszimmer, vier davon im Erdgeschoss, eines im ersten Obergeschoss. Diese sind durch Tape Art mit Stadtmotiven gekennzeichnet. So heißt einer „Unteres Tor“, ein anderer „Ellental“. Im Obergeschoss befindet sich auch das Firmenkunden-Center. Die Beratungszeiten sollen werktags von 8 bis 20 Uhr sein.
Im Erdgeschoss verfügt der Standort über eine Fläche von 325 Quadratmeter, insgesamt sind es 550 Quadratmeter. Um die Räume herzurichten, hat die VR-Bank Ludwigsburg 1,5 Millionen Euro investiert, die Bauzeit betrug rund ein halbes Jahr.
