Weit mehr als die Hälfte der anwesenden Bürgerinnen und Bürger, die am Mittwochabend zum Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing in die Bietigheimer Kelter gekommen waren, interessierten sich vor allem für ein Thema: Die Entwicklung des ehemaligen Standorts der Bietigheimer Wohnbau. Hier soll ein Wohnquartier entstehen, im Raum stehen 13 Wohnblöcke, wovon einer sogar achtstöckig ausfallen könnte.
Bietigheim-Bissingen Anwohner kritisieren Pläne für das Wohnbau-Areal
Beim Bürgergespräch in der Bietigheimer Kelter äußerten Bürger ihren Unmut über die geplante Bebauung und setzten sich für den Erhalt des Bolzplatzes ein.
Bei 150 geplanten Wohneinheiten und nur einer kleinen Tiefgarage werde die Parkplatzsituation im südlichen Buch für die Anwohner kritisch, sagte ein Bürger. Schon jetzt würden dort angesiedelte Gewerbebetriebe nicht ausreichend Mitarbeiterplätze zur Verfügung stellen, sodass die Beschäftigten die Straßen zuparkten, kritisierte er. Der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Baurecht, Philipp Walter, erklärte, dass bislang nur eine Konzeption vorliege, der Entwurf werde ins Quartier passen, versicherte er. Dazu gehöre auch ein adäquater Stellplatzschlüssel. Vermutlich werde dieser wie auch in anderen Quartieren bei 1,0 liegen. „Der Parkdruck muss auf dem privaten Areal des Entwicklers ablaufen“, so Walter. Aktuell bereite man die Offenlage der Planungen vor, dann könnten die Anwohner schriftliche Stellungnahmen mit ihren Bedenken abgeben.
Bolzplatz als grüne Lunge
Der Spiel- und Bolzplatz südlich des Wohnbau-Gebäudes habe die Funktion einer grünen Lunge für den Stadtteil, sagte ein Anwohner, schon jetzt sei dieser mangels Pflege heruntergekommen. Seit Jahren würden mehrere Baugebiete in der Stadt brach liegen, da erschließe sich die Notwendigkeit für das Vorhaben nicht. OB Kessing antwortete, dass der Bedarf nach Mietwohnungen durchaus vorhanden sei. Während andere Baugebiete teils bewusst langsam voranschreiten, könnte es an dieser Stelle jedoch deutlich schneller gehen. Im Hinblick auf den Spiel- und Bolzplatz habe man viele Lärmbeschwerden von Anwohnern erhalten. Und es sei nicht der einzige umstrittene Bolzplatz, auch mit anderen habe man bereits Probleme gehabt. Nichtsdestotrotz gebe es genügend Spiel- und Sportplätze in der Stadt, die man nutzen könne.
Schon jetzt würden auf dem Bolzplatz die Tore fehlen, das Unkraut wuchere teilweise knöcheltief. Teilweise würden die Anwohner selbst die Pflege übernehmen, städtische Mitarbeiter seien zwar immer wieder vor Ort, würden jedoch nicht arbeiten, sagte eine Anwohnerin. Der Leiter des Grünflächen- und Tiefbauamtes, Matthias Knobloch, kündigte an, sich gleich nach der Veranstaltung selbst ein Bild vom Zustand des Platzes zu machen.
„Der Platz hat eine soziale Funktion“, setzte sich ein weiterer Anwohner für dessen Erhalt ein. Auf dem Fußballplatz habe man Integration und Teamwork gelernt. Es sei schade, wenn die zukünftige Entwicklung zulasten der Kinder gehe, zumal auch die Familien, die in die geplanten Wohnungen einziehen sollen, einen Bolzplatz im Quartier benötigten. Aus seiner Sicht sollte der Charakter des Quartiers erhalten bleiben, ein achtstöckiger Bau passe da nicht hin, schon allein im Hinblick auf die Verschattung für das restliche Wohngebiet. „Ich hoffe, dass die Anzahl der Wohnungen reduziert wird.“ Es sei selbstverständlich, dass auf die Belange der Anwohner Rücksicht genommen werden muss, antwortete Walter. „Es muss und wird eine Antwort auf Aspekte wie die Verschattung geben.“
OB Kessing schlug vor, eine weitere Informationsveranstaltung zu organisieren, sobald die konkreten Pläne für das Areal vorliegen. Dann könnten die Anwohner im direkten Austausch ihre Bedenken loswerden.
