Bietigheim-Bissingen appelliert an Hundebesitzer „Die Hundesteuer ist kein Freibrief“

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Beutelspender wie diesen aus Löchgau, gibt es in Bietigheim-Bissingen nur zwei Stück. Doch daran liege es nicht, dass manche Hundehalter nicht hinter ihren Vierbeinern aufräumen, sagt die Stadtverwaltung Bietigheim-Bissingens.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Den Anliegern in Metterzimmern stinkt es: Ein Hund hat sich auf dem Gehweg erleichter, der Hundehalter ließ es liegen. Kein Einzelfall in der Stadt.

In Bietigheim-Bissingen sind rund 1400 Hundehalter mit circa 1500 Hunden gemeldet. Diese Hunde müssen irgendwo ihr Geschäft verrichten. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden, wenn der Halter jedoch die Ausscheidungen nicht entsorgt, stinkt es der Stadt und den Bietigheim-Bissingern gewaltig. So auch ein BZ-Leser aus Metterzimmern. „Am Knotenpunkt Kleinsachsenheimer, Albert-Schweitzer-Straße und Setzinger Weg werden öfter Hundehaufen abgelegt“, schreibt er in einer E-Mail an die BZ. Beigefügt ist ein Foto eines weiteren Anliegers, der den Hundekot auf der Kleinsachsenheimer Straße vor der Hausnummer 7 dokumentiert hat, um auch die Stadt zu informieren.

Voller Beutel auf den Wegen

Dieses Problem betreffe alle Bewohner dieser Wege und alle hoffen, dass eine Lösung gefunden wird, fügt der Anlieger hinzu. Er hofft auf die Einsicht „dieser ein oder zwei Hundehalter“. Denn er wisse, dass nicht alle Hundehalter so sind. „Es gibt ein oder zwei Leute, die sich nicht um die Regeln kümmern“, beobachte der Anlieger. 2015 ist er nach Metterzimmern gezogen. Sein Nachbarn berichtete von dem Problem, hatte jedoch bereits resigniert. „Ich habe nicht aufgegeben und habe mit den Hundebesitzern gesprochen.“ So habe es dieses Problem über die Jahre hinweg kaum noch gegeben – bis vor einem Jahr. Richtung Wiese und Wald sei es am schlimmsten. „Manche machen den Beutel zwar voll, aber nehmen ihn dann nicht mit.“

Beschuldigen wolle er keinen ohne Beweise, er suche immer das Gespräch. Doch hofft er auf die Einsicht der Hundebesitzer. Auch die Stadt hofft darauf. „Für den Hundekot sind die Hundehalter verantwortlich“, sagt Stadtsprecherin Anette Hochmuth, denn der Bauhof unterhält keinen Reinigungstrupp, der sich allein dem Hundekot annimmt. Wenn der Kot oder die Sammelbeutel im Bereich der Straßenkehrmaschine liegt, kehrt diese ihn mit ein. Ansonsten bleibt er liegen. Aussagen wie, „dafür zahle ich Steuern“, lasse die Stadt nicht gelten. „Die Hundesteuer ist keineswegs ein Freibrief für die öffentliche Beseitigung des Hundekots.“ Dies bleibt in der Verantwortung der Halter.

Müssen dann mehr Hundekotbeutelspender und Mülleimer her? Die Stadt verneint. In Bietigheim-Bissingen gibt es mit zwei Hundekotbeutelspender fast keine. Das liege daran, dass die Erfahrungen gezeigt haben, dass diese im öffentlichen Raum lediglich geplündert werden, sagt Hochmuth. „Entweder nimmt ein Hundehalter kurz nach Befüllung der Spender gleich alles mit oder einige Vandalen zerstreuen die Beutel großflächig auf der Wiese.“ Daher setzt Bietigheim-Bissingen auf ein anderes Konzept: „Wir stellen den Hundehaltern kostenlos Müllbeutel zur Verfügung, die sie in den Bürgerämtern oder in der Tourist Information abholen können.“ Pro Monat kann eine Rolle mit Beuteln abgeholt werden. „So verteilen wir pro Jahr 125 620 Beutel an die Hundehalter.“ Zugleich appelliere die Stadt über die Medien und per Flyer an die Hundehalter, den Hundekot nicht liegen zu lassen. Weitere Mülleimer sind ebenfalls nicht vorgesehen. „Die Stadt hat ein dichtes Netz an Mülleimern im öffentlichen Bereich, in die auch die Beutel mit Hundekot entsorgt werden können und sollen.“ Mehr als 600 solcher Mülleimer sind im Stadtgebiet und werden regelmäßig geleert.

75 Euro Bußgeld

Eine weitere Möglichkeit, diesem Problem Herr zu werden, wäre ein Bußgeld für Entsorgungsverweigerer. Auf dem Papier kostet das den Hundehalter 75 Euro. Ein Bußgeld zu verhängen wäre also möglich, erklärt Anette Hochmuth, doch nicht sonderlich praktisch. „Ein Bußgeld würde erforderlich machen, dass die Hundehalter dabei in flagranti ertappt werden, was nahezu unmöglich ist.“ Hier gibt es eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie sieht das Landratsamt Ludwigsburg, das im Landkreis für das Thema Müllverschmutzung zuständig ist, ein Bußgeld für Halter, die den Kot ihres Vierbeiners nicht wegräumen, vor. Seit 2019 wurde das von mindestens zehn Euro auf nun mindestens 75 Euro erhöht. Doch das Problem der Umsetzung bleibt. Daher hofft die Stadt weiterhin auf die genannten Maßnahmen und appelliert an die Hundebesitzer. Bei Katzen ist das Problem noch komplexer. Hier ist es noch unwahrscheinlicher, den Übeltäter beziehungsweise dessen Halter herauszufinden.

 
 
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