Bietigheim-Bissingen Auf 150 Metern durch die Erdgeschichte

Von Uwe Mollenkopf
Der Geologische Lehrpfad in Bietigheim-Bissingen verläuft direkt unterhalb der Wobachfelswand. Zu den Informationstafeln gibt es auch Gesteinsbrocken aus der jeweiligen geologischen Zeit zu sehen. Foto: /Martin Kalb

Der Geologische Lehrpfad unter der Wobachfelswand in Bietigheim-Bissingen existiert seit 1989. Er zeigt die Schichtstufenlandschaft des Südwestens.

Wer heute vor der knapp 20 Meter hohen Muschelkalkfelswand am Wobach steht, kann sich nur schwer vorstellen, dass diese in einem flachen Meer entstanden ist, das vor 215 Millionen Jahren die hiesige Landschaft bedeckte. Unter wüstenhaften Bedingungen lagerten sich Mergelsteine, Gips, Salz, Kalkstein und Dolomit ab. Als das Meer vor 205 Millionen Jahren durch Verdunstung und Auffüllung wieder verschwand, hatten sich Felsen gebildet, die allein im Bereich des Oberen Muschalkalks in der Region 50 bis 70 Meter dick sind. Details zum Muschelkalk, aber auch zu all den anderen Formationen, die im Verlauf der Erdgeschichte entstanden, kann man direkt unterhalb der Wobachfelswand auf dem dortigen Geologischen Lehrpfad erfahren.

Angelegt wurde der Pfad zur Landesgartenschau 1989 in Bietigheim-Bissingen. Er war bereits im Konzept der Preisträger im Wettbewerb um die Planung der Gartenschau enthalten. „Der Besucher wird eingeladen zum Gang durch einen Profilschnitt von Baden-Württemberg“, schreibt der Geologe Hermann Behmel in der Broschüre, die damals zu dem Lehrpfad erschien.

Mittlerweile befindet sich der Pfad nicht mehr im Originalzustand. Nach über 15 Jahren wurden die Tafeln 2006 ausgetauscht. „Im Zuge der Erneuerung wurde auch der Inhalt komplett überarbeitet, um ihn für Laien zugänglicher zu machen“, sagt Ina Klein, Sprecherin der Stadtverwaltung. Die ersten zwei Stationen wurden 2021 zur Minimierung der Felsschlaggefahr von der Felswand weg versetzt, die „Erdzeituhr“ aus Granit ist aber am alten Standort verblieben.

„Erdzeituhr“ aus Granit

Diese Uhr wurde in einen acht Tonnen schweren Granitblock gehauen und zeigt zum Einstieg in den Lehrpfad die großen erdgeschichtlichen Epochen und typischen Fossilien im Überblick. Der weitere Weg führt auf 150 Metern vorbei an neun Schautafeln, welche die südwestdeutsche Schichtstufenlandschaft erläutern.

Der Besucher erfährt, unter welchen Bedingungen die Gesteine entstanden sind und wie sich die Tier- und Pflanzenwelt im Lauf der geologischen Epochen entwickelt hat. Als Anschauungsmaterial säumen dabei große Gesteinsbrocken den Weg, außerdem enthalten die Tafeln Landschaftsfotos.

Erklärt wird, wie die Schichtstufenlandschaft durch wechselnde Ablagerungen in Meeren oder durch Flüsse entstand und ihren heutigen Zustand erhielt, indem der Oberrheingraben einbrach und an dessen Rand der Schwarzwald herausgehoben wurde. Die Schichten wurden dabei leicht schräggestellt und Abtragung setzte ein. Da diese in den höchsten Regionen am weitesten fortgeschritten ist, findet man im Schwarzwald mit Granit und Gneis die ältesten – kristallinen – Gesteine, nach Osten zu werden diese immer jünger.

Tafel nicht mehr leserlich

Was es mit dem Grundgebirge, wie das älteste Gestein im Schwarzwald auch genannt wird, genau auf sich hat, bleibt dem Besucher allerdings größtenteils verborgen, denn diese Tafel ist kaum mehr leserlich. Der Weg führt weiter über den roten Buntsandstein, der im östlichen Teil des Schwarzwalds zu finden ist und dort auch in vielen Gebäuden verbaut wurde, zum bereits erwähnten Muschelkalk. Dieser ist in der hiesigen Region überall da sichtbar, wo sich die Flüsse tief eingegraben haben – wie etwa in den Hessigheimer Felsengärten.

Klima wie in Nordafrika

Über dem Muschelkalk liegen die Schichten des Keuper, die vor 205 bis 195 Millionen Jahren in einem Klima entstanden, das dem heutigen Nordafrika vergleichbar ist, wie auf der entsprechenden Tafel zu erfahren ist. Tone, Sande und Mergel wechseln sich dabei ab. In den Keuperbergen, wie etwa dem Stromberg, bilden die widerstandsfähigen Sandsteine die Steilstufen und Verebenungsflächen.

Auf dem Schwarzen Jura, dessen Posidonienschiefer besonders fossilienreich ist, liegt etwa die Filderebene, die Schichten des Braunen Jura findet man am Fuße der Schwäbischen Alb. Der Albtrauf selbst wird vom Kalkgestein des Weißen Jura gebildet.

Vereinzelt Vandalismus

Über eine Tafel zum Tertiär (vor 65 Millionen bis zwei Millionen Jahren), das durch Anhebung und Abtragung der Schichten geprägt war, gelangt der Besucher des Lehrpfads zur letzten Tafel, die das Quartär beschreibt. In diese Zeit fallen die Eiszeiten mit der Anwehung des fruchtbaren Lössbodens, der heute die Grundlage des Ackerbaus in der Region bildet.

Zu dem Geologischen Lehrpfad gibt es auch einen Flyer, der bei der Tourist-Information erhältlich ist. Vereinzelt hat es die Stadtverwaltung dort auch mit Vandalismus zu tun, berichtet Ina Klein, meistens durch Besprühen und Beschmieren der Schilder. Ein Nachdruck der mittlerweile teils verblassten Tafeln sei geplant.

 
 
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