Eine Stadt wie Bietigheim-Bissingen mit gleich zwei Flüssen im Stadtgebiet hat auch zahlreiche Brücken, die es in regelmäßigen Abständen zu überprüfen gilt. Alle sechs Jahre findet deshalb eine Hauptprüfung der jeweiligen Bauwerke statt, hinzu kommen Einzelprüfungen alle drei Jahre sowie Untersuchungen nach besonderen Vorkommnissen wie Hochwasser oder Unfällen.
Bietigheim-Bissingen Auf der Suche nach Brückenschäden
Alle sechs Jahre werden die Brücken in der Stadt einer Hauptprüfung unterzogen. Am Mittwoch war die alte Enzbrücke an der Reihe.
Die alte Enzbrücke, die den Kronenplatz mit dem Bürgergarten verbindet und über Metter und Enz führt, wurde am Mittwoch mit einem Prüfgerät auf Schäden untersucht. „Prüfgerät“ ist in diesem Fall die Bezeichnung für einen Hammer. Mit diesem klopfen die Mitarbeiter des Ingenieurbüros BNP aus Stuttgart die Unterseite der Brücke auf Schäden oder Hohlstellen ab. Auch Befunde, die die Statik der Brücke nicht beeinträchtigen, können demnach Auswirkungen auf die Dauerhaftigkeit des Bauwerks haben, erklärt Ralf Hammel vom städtischen Tiefbauamt.
Begrenzte Lasten
Für größere Brücken, wie etwa auch die Auwiesenbrücke, muss die Prüfung mittels eines Personenkorbs erfolgen, der von einem Lkw hinuntergelassen wird. Kleinere Brücken, darunter die Holzbrücken über die Metter, habe man auch schon vom Boot aus begutachtet, sagt Hammel. Bahnübergangsbrücken werden hingegen mit einer speziellen Lok mit Besichtigungsgerät kontrolliert – dafür muss dann sogar die Strecke gesperrt werden.
Auf der alten Enzbrücke ist der Verkehr weniger ein Thema – seit die Bundesstraße nicht mehr darüber verläuft, wird sie in erster Linie von Fußgängern und Radfahrern genutzt. Entsprechend halte sich auch die Belastung der Brücke in Grenzen. Zum Vergleich: Schon ein einziger 40-Tonnen-Lkw nutzt eine Straße so stark ab wie 60.000 Autos. „Die aktuellen Lasten hält die Brücke noch lange aus“, sagt Hammel.
Auswertung dauert noch
Dennoch bestehe die Gefahr, dass Stahlkonstruktionen Rost ansetzen, sich im Beton Risse durch Überlastung bilden oder dass das Wasser die Brückenpfeiler beschädigt. Das gröbste Problem sei jedoch das Streusalz, das in den Beton eindringt, den Zement zersetzt und den Beton dadurch mürbe werden lässt, sagt Hammel.
„Am Schlimmsten sind die Schäden, die man nicht sieht.“ An der alten Enzbrücke seien vor allem die Wehrwände kritische Punkte, die durch die Wassermassen der Enz ganz anderen Lasten ausgesetzt seien als der Rest der Brücke. Einige Wochen nach der Hauptprüfung wird ein ausführlicher Bericht vorliegen, inklusive Handlungsempfehlungen für die Kurz-, Mittel- und Langfrist. Dann entscheidet die Stadt selbst, welche Maßnahmen man fachlich und technisch selbst leisten kann und wo externe Unterstützung nötig wird. Wo erforderlich, werden bei gravierenden Schäden dann auch Betonproben aus der Brücke entnommen und genauer untersucht.
Ralf Hammel jedoch zeigt sich hoffnungsvoll: Die Brücken im Stadtgebiet seien bislang durchweg gut bis sehr gut bewertet. „Ich hoffe, dass es keine Verschlechterung gegeben hat, im Vergleich zum letzten Mal.“
