Wenn vor der Bietigheimer Aurainhalle ein grüner Shrek und ein Faschingsprinz mit Feder am Hut ins Gespräch vertieft sind, sich drinnen in der Vorhalle schon die Guggen mit ihren Instrumenten bereit machen, den Saal zu stürmen, und wenn sich in der Halle die Gäste unter der alljährlichen Dekoration aus Wäscheleinen drängen, war es eindeutig wieder so weit: die Buchfinken begingen ihren Brauchtumsabend.
Bietigheim-Bissingen Ausgelassene Stimmung, Brauchtum und gute Freunde
Die Buchfinken begingen ihren Brauchtumsabend: In der Aurainhalle herrschte Hochbetrieb.
Pflege des Brauchtums und der vielen Kontakte zu anderen Vereinen wurden auch in diesem Jahr wieder ausgiebig zelebriert. Knapp 300 Gäste waren angereist: mit der Bühne der Aurainhalle schon gut bekannte Dauergäste wie die Guggenmusik Rommdreib’r Rechberghausen, die gleich als dritter Akt fast eine halbe Stunde lang die Standhaftigkeit der Halle testeten: die Wände bebten zu „Skandal und Rosi“, „Aber bitte mit Sahne“, „Give it up“ und „What´s up“, alles mit Trompeten und Trommeln gespielt.
Wenig Zeit für Reden
„Ganz tolle Musik“ war Moderatorin Sonja Winter begeistert, und holte gleich die nächsten Gäste auf die Bühne. Denn zu viel gesprochen soll beim Brauchtumsabend nicht werden, er unterscheidet sich grundsätzlich von den bekannten Prunk- und Festsitzungen: deshalb auch die betont lässige Dekoration mit Wäschestücken. Und auch mit viel Reden soll die Versammlung eben nicht unterbrochen werden: Zunftmeister Benni Bistrowicz begrüßte deshalb die Vertreter der Gäste wie jedes Jahr schon vorab beim Zunftmeisterempfang. Unter ihnen war auch das Männerballett aus Steinheim, die „Hüftgold Heros“. In Hemd und Hosenträgern übernahmen sie die Bühne und zeigten in ihrer Choreografie auch komplizierte Stütz- und Hebefiguren.
Gleich zu Beginn hatte auch die Brauchtumsgruppe der Buchfinken selbst ihren Auftritt mit dem Brauchtumstanz: Backhaushexen, Brandholzteufel und Buchfinken zeigten einen modernen Maskentanz im „Häs“, dem Kostüm aus Maske und handgearbeitetem Narrenkleid. Der Buchfink ist dabei das älteste Häs und gab der Karnevalsgesellschaft ihren Namen. Er geht zurück auf die umfangreichen Rodungen der Alemannen für Siedlungen und Felder, die die heimischen Vögel stark dezimierten. Auch der Brandholzteufel ist an die Rodungen angelehnt, die die Alemannen mit Feuer vornahmen: hieran erinnert auch noch das „Brandholz“ im Bietigheimer Wald. Die Backhaushexe ist das dritte Häs: sie erinnert an die alten Frauen, die ihr Brot auf dem Markt verkauften. Das Geheimnis seiner Rezeptur behielten sie für sich, weswegen und wegen ihrem von der Arbeit gezeichneten Aussehen sie als Hexen bezeichnet wurden.
Die Buchfinken haben aktuell 667 Mitglieder, die in den drei Abteilungen Sport, Brauchtum und Damenkomitee, Elfer- und Ordensrat aktiv sind. Viele Mitglieder sind schon in der dritten Generation Buchfink, manche in der vierten.
Auf der Bühne zeigten inzwischen auch die Neckartalhexen aus Ludwigsburg ihren Brauchtumstanz: gemessenen Schrittes waren sie zur „Game-of-Thrones“-Melodie auf die Bühne geschritten – dort zeigten sie dann Szenen aus der „Hexenschule“, inklusive Menschenpyramide. Bei dem Lied zum Ausmarsch sang die Halle dann mit: „Ich schwing mich jetzt auf meinen Besen und flieg nach Malle an den Tresen.“
Viele befreundete Vereine
Auch mit dabei waren wieder Los Titzos aus Ditzingen: in ihrem Schautanz zeigten sie eine Choreografie in Engelskostüm – die am Ende auch Striptease-Elemente enthielt. Moderatorin Sonja Winter freute sich besonders über die Frisuren der Tänzerinnen: „Ihr müsst ja alle die gleiche haben“, wunderte sie sich, nicht ganz ernst gemeint, um dann ihr Kompliment für die „wirklich schönen Perücken“ an die Maskenbildner zu richten.
Weitere Gäste des Abends waren die Carnevalsfreunde Murr, die Faschingsfreunde Tamm, die Fasnet-Gilde Markgröningen, die Gagerbach Hexen Schwieberdingen, die Holma’le Ingersheim, der Karnevalsverein Leonberg, natürlich die Wobachspatzen Bietigheim und viele andere – insgesamt 24 Gastvereine.
Den krönenden Abschluss machten dann wieder die „Helden in Schläppchen“, das Männerballett der Buchfinken: die 16 Männer tanzten zu „Overtime – wenn das Stadion in Nacht erwacht.“ Auf sie folgte noch die Guggenmusik Los Titzos, da war es dann auch schon elf Uhr nachts.
