Hartmut Engler habe gezeigt, „dass Popularität und Verantwortung wunderbar zusammenpassen können“. Das sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing am Donnerstagabend im Haus der Kultur in Bietigheim. Kessing zeichnete den Sänger der Band Pur im Auftrag des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Das Streichquartett aus Lehrkräften der städtischen Musikschule, das dazu eigens ein Pur-Medley einstudiert hatte, umrahmte die Ehrung.
Bietigheim-Bissingen Auszeichnung für musikalisches Lebenswerk und Engagement
Der Sänger und Musiker Hartmut Engler ist am Donnerstag im Haus der Stiftung Kultur mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden.
Der Oberbürgermeister, selbst bekennender Pur-Fan, begrüßte zahlreiche Ehrengäste aus Englers Freundeskreis, darunter die Bandmitglieder Rudi Buttas, Joe Crawford, Matthias Ulmer, Cherry Gehring und Frank Dapper sowie den langjährigen Manager von Pur, Götz von Sydow. Dieser hatte Engler für die Auszeichnung vorgeschlagen und zwar, wie er sagte, nicht nur wegen Englers großer musikalischer Erfolge und seiner Mitmenschlichkeit, sondern in erster Linie, weil er sich schon seit Jahren für soziale und kulturelle Zwecke engagiere. „Er sieht, was andere nicht sehen“, sagte der Kabarettist und Freund des Sängers Klaus Birk in einer sehr emotionalen Rede.
Laufbahn früh gestartet
Der 64-jährige Pur-Frontmann ist in Großingersheim aufgewachsen und wohnt in Bietigheim-Bissingen. Er begann seine musikalische Laufbahn früh: Bereits 1976 nahm er Klavierunterricht und schloss sich als Sänger der Band Crusade an, die später zunächst in Opus und schließlich 1985 in Pur umbenannt wurde. Mit der Band feierte Engler zahlreiche Erfolge. Sie wurde 1986 Bundesrocksieger und erhielt in den folgenden Jahrzehnten unter anderem den Nachwuchspreis „Goldene Europa“, den Preis der deutschen Schallplattenkritik, den Goldenen Löwen von RTL, mehrere Echo-Auszeichnungen, die Goldene Stimmgabel in Platin, die Goldene Kamera sowie mehrere Bambis. Im Jahr 2001 wurde Pur mit dem Echo als beste nationale Popband ausgezeichnet.
Viele Benefizprojekte
Doch: „Hartmut Engler hat unserer Gesellschaft weit mehr gegeben als große Konzertmomente und erfolgreiche Alben“, sagte Oberbürgermeister Kessing. Seit vielen Jahren setze er sich „mit großem Engagement für soziale und gesellschaftliche Anliegen ein“. Mit Benefizkonzerten, Spendenaktionen und seiner Unterstützung zahlreicher Projekte habe er konkrete Hilfen ermöglicht und vielen Menschen Hoffnung gegeben, lobte Kessing.
Benefizkonzerte in der Stadt
Auch mit Bietigheim-Bissingen sei der Sänger eng verbunden: 2008 organisierte Pur unter dem Motto „Wir wollen helfen“ ein großes Benefizkonzert in der Stadt, das gemeinsam mit den Unternehmen Porsche und Olymp einen Spendenerlös von 300.000 Euro erbrachte. Ein weiteres Benefizkonzert folgte 2011 in Kooperation mit der Bietigheimer Wohnbau GmbH. Dabei konnten erneut über 260.000 Euro für gemeinnützige Organisationen gesammelt werden. Kessing sprach die Hoffnung aus, dass auf die zwei Benefizkonzerte noch ein weiteres folgen werde.
Engler setzte sich laut einer Mitteilung außerdem auch für die SOS-Kinderdörfer, für den Verein Dunkelziffer gegen sexuellen Missbrauch an Kindern, für Menschen mit Demenz sowie für Bildungs- und Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche ein. Von 2014 bis 2026 war er Schirmherr der Kinderhilfsaktion Herzenssache. Zudem engagierte er sich als Botschafter für die Toni-Kroos-Stiftung und für Alphabetisierung und Grundbildung im Land Baden-Württemberg.
Mit ein Grund für die Auszeichnung war, dass es ihm seit Jahrzehnten ein Anliegen sei, die Gesellschaft für die Belange von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren. Seine Freundschaft mit Rüdiger Mahl, einem Menschen mit Down-Syndrom, der ebenfalls zu der Feier gekommen war, inspirierte Hartmut Engler zu dem Lied „Mein Freund Rüdi“.
Stehende Ovationen für Engler
Bereits 2010 wurde Hartmut Engler mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. 2022 erhielt er zudem den Demokratiepreis „Württemberger Köpfe“ für sein Engagement für Kinder und Jugendliche. Nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gab es im Haus der Kultur langanhaltende stehende Ovationen.
Der Geehrte, der aktuell wie er sagte mit Knie- und Hüftproblemen zu kämpfen hat, zeigte sich „extrem bewegt“ von der Ehrung. Er fühle sich „sowas von gewertschätzt“ von diesem Verdienstorden, „wie ich es in meiner Musikerkarriere selten erlebt habe“, erklärte er. Und, an seine Band gerichtet, sagte er: „Es ist auch eurer.“
