Bevor in diesem Jahr die nächsten Bauabschnitte der B 27-Sanierung unter Federführung des Regierungspräsidiums Stuttgart in Angriff genommen werden können, müssen zunächst die Restarbeiten, die im vergangenen Jahr nicht mehr geschafft wurden, erledigt werden. Diese umfassen den Bereich zwischen der Industriestraße und der Ulrichstraße. Ab Montag werde auch wieder im Poststräßle und in der Freiberger Straße gearbeitet, kündigte Baubürgermeister Michael Wolf am Dienstag im Bietigheim-Bissinger Gemeinderat an. Doch in dem Gremium hatte man bereits die kommenden Bauabschnitte 5 und 6 bis zur Karl-Mai-Allee im Blick. Trotz einiger Bedenken fassten die Stadträte dafür einstimmig die nötigen Baubeschlüsse – die Stadt ist mit einem Kostenanteil und eigenen Baumaßnahmen in einem Umfang von 2,8 Millionen Euro beteiligt, hofft aber auf Fördermittel.
Bietigheim-Bissingen B 27-Sanierung: Nächstes Kapitel steht bevor
Wenn die laufenden Arbeiten beendet sind, will das Regierungspräsidium die Sanierung der Stuttgarter Straße bis zur Karl-Mai-Allee angehen. Die Stadt plant ihrerseits Baumaßnahmen.
Lärmoptimierter Asphalt
„Das nächste Kapitel beginnt“, beschrieb Wolf die bevorstehenden Arbeiten. Laut Ratsvorlage ist auf den Bauabschnitten 5 und 6 vorgesehen, bei der Deckensanierung gemäß Lärmaktionsplan einen lärmoptimierten Asphalt einzubauen sowie die Kanaldeckel zu erneuern, um die Lärmbelastung für die Anwohner unmittelbar an der B 27 zu reduzieren. Die Fahrbahnbreiten im Knotenpunktbereich werden insbesondere in den Kurven auf die Schleppkurven von Schwerlastfahrzeugen und den ÖPNV ausgelegt, die Verkehrsinseln in ihrer Lage angepasst. Die Ampelanlagen sollen erneuert, die Entwässerung im Hinblick auf Starkregen verbessert werden.
Laut Vorentwurf sollen die Arbeiten im Mai in der 20. Kalenderwoche in dem Streckenabschnitt Ulrichstraße – Wobachstraße beginnen. Dort soll auch der straßenparallele Geh- und Radweg verbreitert werden. Um die zusätzlichen Flächen zu gewinnen, sollen der Grünstreifen in der Fahrbahnmitte entfernt und der Abstand zur Stützmauer (Felskante) verringert werden.
Neue Fußgängerfurt
Die Stadtwerke planen dort Leitungsarbeiten, die vor dem Straßenbau fertiggestellt werden sollen, ebenso will die Stadt ein eigenes Vorhaben umsetzen: Teil des Ratsbeschlusses ist die Anlage einer neuen Fußgängerfurt über die Geisinger Straße auf Höhe der Bismarckstraße. Die Fußgänger könnten dann künftig über die Bismarckstraße und die Dammstraße das Gebiet Aurain und den Bahnhof erreichen. Zur Querung der B 27 soll die Fußgängerfurt auf Höhe der Dammstraße im Zuge der B 27-Sanierung im Bauabschnitt 4 verbessert werden. Die Kosten für die Fußgängerquerung einschließlich Änderung der Ampel und Gehweganpassungen werden auf 60.000 Euro geschätzt.
Verbesserungen für den Autoverkehr soll es im Streckenabschnitt zwischen Großingersheimer Straße und Geisinger Straße geben. Um Rückstaus zu verringern, soll der B 27-Rechtsabbiegestreifen aus Richtung Karl-Mai-Allee auf die Auwiesenbrücke verlängert werden. Um die dafür notwendigen Flächen zu gewinnen, wird der Grünstreifen in der Fahrbahnmitte entfernt und der Parkstreifen an der B 27 entfällt. Des Weiteren entfällt die wenig genutzte Bushaltestelle Enzbrücke. Auch eine Busspur soll hier eingerichtet werden. Die Kosten für diese Baumaßnahme werden auf rund drei Millionen Euro geschätzt, der städtische Anteil beträgt ein Drittel, also eine Million Euro.
Breitere Fahrbahn auf Brücke
Weiter ist vorgesehen, den straßenparallelen Geh- und Radweg auf der östlichen Seite der B 27 von 2,50 und drei Meter einheitlich auf durchgehend drei Meter zu verbreitern, zuzüglich eines Sicherheitstrennstreifens zur B 27. Die Kosten hier: rund 125.000 Euro.
Auf 2,6 Millionen Euro werden Baumaßnahmen an der Auwiesenbrücke beziffert. Der städtische Anteil beträgt rund 1,45 Millionen Euro plus 180.000 Euro für die Fahrbahnsanierung zwischen der Auwiesenstraße von der Brücke bis zur Schwarzwaldstraße. Laut Ratsvorlage ist die Brücke aus den 1970er-Jahren zwar grundsätzlich in einem guten Zustand, die Maße der bestehenden Fahrbahn seien aber nicht regelkonform. Um die Fahrbahn zu verbreitern, sollen die Brückenkappen beidseitig zurückgenommen werden. Zusätzlich werden die Abdichtung und die darüber liegende Gussasphaltschutzschicht sowie die Asphaltdeckschicht der Brücke erneuert.
List: „Das Leiden geht weiter“
Die Baumaßnahmen sollen 2026 umgesetzt werden, der letzte Bauabschnitt soll optional bis Sommer 2027 dauern. „Wir würden uns wünschen, dass es schneller geht“, meinte dazu Marcus List (CDU), der mit Sorge auf die Verkehrsbehinderungen blickte. „Das Leiden auf der B 27 geht weiter“, so der Stadtrat.
Werner Kiemle (SPD) sagte, es sei gut, dass die Sanierung angegangen werde. Albrecht Kurz (GAL) kritisierte, dass von dem städtischen Anteil 2,5 Millionen Euro auf den Straßenbau entfielen und nur 300.000 Euro auf Fuß- und Radwege. Bei den ergänzenden Fuß- und Radverkehrsmaßnahmen im Bürgergarten, die erst in der kommenden Sitzung beschlossen werden sollen, befürchtete er, dass sich „Sparkommissare“ melden würden.
Matthias Veith (AfD) zitierte Bürger, mit denen er gesprochen habe, wonach es bei den Radwegen keinen Handlungsbedarf gebe, womit er sich prompt Widerspruch von Werner Kiemle, selbst Radfahrer, einhandelte: Man könne nicht sagen, dass die Radwege an der B 27 gut in Schuss seien.
Verkehrsproblematik wird „deutlich verschärft“
Bei den Bauarbeiten in den Abschnitten 5 und 6 der B 27 wird die Verkehrsproblematik vor allem durch die Sperrung der Auwiesenbrücke „deutlich verschärft“, sagte Bürgermeister Michael Wolf im Gemeinderat. Dass parallel dazu auch die L 1107 nach Löchgau saniert werde, werde von der Stadt begrüßt, so Wolf, weil dadurch weniger Verkehr in die Stadt fließe. Götz Noller (FDP) teilte diese Ansicht indes nicht. Mit der L 1107 wäre die Karl-Mai-Allee, über die der Verkehr umgeleitet werden soll, entlastet worden, meinte er.
OB Jürgen Kessing bezeichnete die B 27-Sanierung als „unangenehm, aber überschaubar“. Tue man nichts, drohe irgendwann einmal eine „Totalsperrung“.
