Bietigheim-Bissingen Bei Spardosen „gibt es nichts, was es nicht gibt“

Von Uwe Mollenkopf
Volontärin Jorinde Matern mit einem Sparschwein aus der neuen Ausstellung im Hornmoldhaus. Foto: /Martin Kalb

Die Ausstellung „SparSchwein gehabt“ im Hornmoldhaus befasst sich mit Spardosen und ihrer Geschichte. Am Sonntag ist Eröffnung.

Eine Biene als Sparbüchse, Dinosaurier, Mickey Mouse, Fußbälle, Autos, Opa und Oma zum Sparen fürs Alter, Politiker wie Strauß und Schmidt und zahllose Motive mehr – in der neuen Sonderausstellung im Stadtmuseum Hornmoldhaus in Bietigheim wird nach den Worten von Museumsleiterin Dr. Catharina Raible die ganze Vielfalt an Spardosen gezeigt. Darunter Kurioses wie eine isländische Krähe oder Snoopy auf einer Melone. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Raible. Der größte Teil der Exponate besteht freilich aus dem klassischen Sparschwein, weshalb der Titel der Schau passenderweise auch „SparSchwein gehabt“ lautet.

Idee bei Lurchi-Ausstellung

Die Idee zu der Ausstellung im Erdgeschoss des Museums, die am Sonntag eröffnet wird und bis 20. September zu sehen ist, entstand laut der Museumsleiterin bei der Lurchi-Ausstellung. Dort waren bereits Figuren des Stuttgarter Sammlers und Historikers Ulrich Gohl zu sehen, darunter auch Spardosen. Letztes Jahr realisierte Gohl eine Ausstellung mit vielen Spardosen aus seiner Sammlung im Museo-O in Stuttgart-Gablenberg, und Raible regte an, diese auch im Hornmoldhaus zu zeigen, ergänzt durch Leihgaben aus dem Kornwestheimer Schulmuseum und von Bürgern aus Bietigheim-Bissingen und Umgebung. Insgesamt sind es nun über 620 Exponate, darunter 120 aus der Sammlung Gohl.

Aus den 70er- bis 90er-Jahren

Raible schätzt, dass die meisten Spardosen aus der Zeit von den 70er- bis zu den 90er-Jahren stammen, als sie sich großer Beliebtheit erfreuten. Inzwischen scheine es so, als habe die Spardose ihren Zenit überschritten, obwohl Sparen so aktuell wie nie sei. Das liege auch daran, dass das bargeldlose Zahlen immer mehr zunehme.

Gespart wird, seit es Münzen gibt

Neben den Ausstellungsgegenständen bietet die Schau viele Informationen rund ums Sparen und seine Geschichte. Dass man Geld in einem Gefäß für schlechte Zeiten oder spätere Investitionen zurücklege, sei bereits in der Antike üblich gewesen, sagt Sammler. Ulrich Gohl. Es sei wohl so alt wie die Verwendung von Münzen, die vor über 4000 Jahren entstanden. Als eine der ältesten erhaltenen Spardosen gilt ein Miniatur-Tempel aus Ton aus dem 2. Jahrhundert vor Christus, der bei Ausgrabungen in Priene (Türkei) entdeckt worden. Das Motiv des Tempels wurde deshalb gewählt, weil darin damals Kostbarkeiten aufbewahrt wurden – aus dem Namen „Thesauros“ für Tempel stammt unser heutiges Wort Tresor, erläutert Raible.

Das Image des Schweins, das erst gemästet und dann geschlachtet werde, als Glücksbringer entstand hingegen im Mittelalter, so die Museumsleiterin. Als Spardose fand es in allen erdenklichen Formen und Farben Verwendung, wie in der Ausstellung zu sehen ist. Daneben dienen aber auch andere Tiere als Motive für Sparbüchsen, vorzugsweise solche, die etwas sammeln wie etwa Eichhörnchen und Hamster. In Umlauf gebracht wurden die Büchsen unter anderem als Schulspardosen, Sammelbüchsen oder Weltspartagsgeschenke. Ein Thema der Schau ist speziell die schwäbische Sparsamkeit.

Spardosen als Werbemittel

Kennzeichnend für die Exponate von Sammler Ulrich Gohl, die in der Schau auf Leitern präsentiert werden, sind Spardosen-Figuren, die zur Werbung dienten. Viele stammen von Banken, wie die Sumsi-Biene, eine Comic-Werbefigur der Raiffeisen-Banken, die Knax-Figuren der Kreissparkassen oder der „Drumbo“, der sich aus Dresdner Bank und Jumbo herleitet, laut Gohl „vielleicht das beliebteste Nicht-Sparschwein“.

Aus dem Sport gibt es unter anderem den „Tip-und-Tap-Stiefel“ zur Fußball-WM 1974 als Spardose und Goleo, das Maskottchen zur WM 2006. Der Sammler und Historiker hat zu allen Exponaten bei den Firmen recherchiert, sodass die Ausstellungsbesucher die Entstehungsgeschichte nachlesen können. Allerdings: Nicht alle Unternehmen zeigten sich auskunftsbereit.

 
 
- Anzeige -