Bietigheim-Bissingen Bernhard Obst: Verkannte Künstlerpersönlichkeit

Von Gabriele Szczegulski
Die stellvertretende Galerieleiterin Petra Lanfermann vor zwei Werken aus Bernhard Obsts Studienzeit (links und rechts). In der Mitte eines seiner späteren gezeichneten Werke, die viel Bezug zu seiner Arbeit als Krankenpfleger nehmen. Foto: /Martin Kalb

Zum 70. Geburtstag des schon verstorbenen Künstlers Bernhard Obst zeigt die Städtische Galerie eine Essenz seines Schaffens.

Ein gelungenes Denkmal für eine unbekannte und verkannte Künstlerpersönlichkeit: Eindrucksvoll präsentiert die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen das Werk von Bernhard Obst, dem Künstler, der 2014 im Alter von 58 Jahren verstorben war. Er wäre in diesem Jahr 70 geworden. Sein Freund, der Bietigheim-Bissinger Grafiker Rainer Gautschi, initiierte die Ausstellung „The Sky is open“.  

Er hatte einen ganz eigenen künstlerischen Stil

Talent, Handwerk, eigener Stil, Kunstverständnis, besondere Bildersprache und einen ganz eigenen künstlerischen Stil – das alles zeichnete Bernhard Obst aus, wie man sehr gut in der 37 Werke umfassenden Ausstellung mit großformatigen Werken sehen kann. Und dennoch: Er blieb im Verborgenen der Kunstszene. „Er malte immer sehr groß“, so sagt Galerieleiterin Isabell Schenk-Weininger.

Und das, vor allem zu Ende seiner Schaffenszeit, durch Tausende von Strichen, meist mit Grafit, Bleistift oder Tusche in schwarz-weißen Abstufungen. Aus dem Strichegewimmel tauchen Motive wie Tiere, Menschen, Gesichter und Symbole auf. Trotz allem Können und Talent war der Künstler auch in der Region leider nur ein Geheimtipp. Seinen Lebensunterhalt erarbeitete sich Obst durch seine Arbeit als Krankenpfleger. Dennoch war er fähig, ein detailreiches, faszinierendes Werk zu hinterlassen, das inhaltlich von großer Bedeutung für ihn war.

In seiner Kunst arbeitete er Gesellschaftskritik wie an der Umweltverschmutzung oder die Belastung durch seinen Beruf ab. Obst war ein stiller Mensch, in sich gekehrt, der viel nachdachte – sein Ding war es nicht, für sich zu werben und seine Kunst bekannt zu machen. Auch Ausstellungen wie 2012 im Bissinger Rathaus verhalfen ihm nicht zum Durchbruch. Und dennoch war er mit Fug und Recht ein bedeutsamer Künstler, denn ihm bedeutete das Kunstschaffen alles und seine Ausdrucksweise hatte ein Alleinstellungsmerkmal. Seine Werke sind nicht für die Dekoration des Wohnzimmers geschaffen – zu schwer die Themen, die er in Serien verarbeitete, weil ihm so viel dazu einfiel. In der Serie „Existenz“ verarbeitet er sein philosophisches Interesse. Er las Jean Paul Sartre, setzte dessen Werk „Das Ekel“ um. Darin ringt der Protagonist um die eigene Daseinsberechtigung und rettet sich nur durch seine Schriftstellerei und das Hören von experimentellem Jazz. Die Ähnlichkeit zu Bernhard Obst liegt nahe: Lag dessen Rettung im meditativen Schaffen seiner Werke, während auch er experimentellen Jazz hörte?

Surreale Stillleben, Figuren und fantastische Landschaften

Die Ausstellung zeigt Obsts Anfänge an der Kunstschule und der Kunstakademie in Stuttgart. Akribisch perfekt komponierte er Stoffe, die so haptisch wirken, als ob der Samt greifbar ist. Öl- und Acrylgemälde in satten, grellen Farben schuf er mit Figuren ohne Persönlichkeit, aber viel Symbolik. Großformatige Arbeiten schuf er aus feinen Schraffuren heraus, so entstanden surreale Stillleben und Figuren, aber auch fantastische Landschaften.

 
 
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