Bietigheim-Bissingen „Besser als jede Selbsthilfegruppe“

Von Sandra Bildmann
Sowohl Parkinson-Erkrankte als auch Angehörige sind bei den Treffen und Trainingseinheiten von der Bissinger Ping-Pong-Parkinson-Gruppe willkommen. Foto: /Oliver Bürkle

Beim PingPongParkinson spielen Betroffene Tischtennis und motivieren sich gemeinsam im Kampf gegen die Krankheit. Ein Besuch beim hiesigen Stützpunkt.

Als sich neun Mitglieder und ihre Trainerin mit der BZ in einer Ecke zum Gespräch versammeln, sitzen sie das erste Mal, seit sie sich vor knapp anderthalb Jahren formiert haben, zusammen und reden. Über das, was sie verbindet, was sie empfinden, wie sie auf ihre besondere Tischtennis-Gruppe blicken. Gern würden sie das viel öfter tun, doch es fehlt an der geeigneten Lokalität.

Derzeit 14 Aktive mit der Diagnose Parkinson plus Angehörige treffen sich freitags zwischen 20 und 22 Uhr in der Bissinger Bruchwaldhalle. Aber nicht immer können sie dort auf die vollen Kapazitäten zurückgreifen. Und auch würden sie lieber von 18 bis 20 Uhr an der Platte stehen, um anschließend noch Zeit für gemeinsame Gespräche im lockeren Rahmen zu haben. Vielleicht bei einer Tasse Tee. Doch bislang ließ sich das nicht verwirklichen. Dabei ist die Bedeutung der sozialen Komponente am Vereinssport bei ihnen doch so immens.

Gemeinschaft motiviert

„Tischtennis ist besser als jede Selbsthilfegruppe“, sagt Petra Sack, die die Initiative für den Bietigheimer Stützpunkt des bundesweiten Vereins „Ping-Pong-Parkinson Deutschland e.V.“ ergriffen hat. Seit etwa anderthalb Jahren sind sie an den TTC Bietigheim-Bissingen angeschlossen. Eifrige Zustimmung in der Runde. Sie alle möchten auf die gemeinsame Trainingszeit nicht mehr verzichten. Sie sind eine Schicksalsgemeinschaft, die aber nicht aufsteckt, gegen diese Krankheit zu kämpfen, die sich immer mehr in ihr Leben einmischt und das Regiment übernehmen will.

„Nicht aufgeben ist für mich das Entscheidende“, sagt Werner Dülsen. Er spricht bedacht und mit ruhiger Stimme: „Die Krankheit anzunehmen dauert. Mehr als ein Jahr. Aber wenn du es akzeptiert hast, kannst du kämpfen.“ Den individuellen Kampf müsse jeder alleine bewältigen, sagt er, aber die Gemeinschaft unter denen, die mit derselben Diagnose leben müssen und ebenfalls kämpfen, motiviere sehr, bei sich selbst nicht nachzulassen. Den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen und sich als Parkinson-Erkrankter offen zu zeigen, fällt vielen Betroffenen nicht leicht.

Auch in dieser Runde möchten einige lieber anonym bleiben. Prompt betonen sie, wie im geschützten Rahmen von PPP niemand Scheu haben müsse. „Kommt schnuppern, die Truppe ist genial“, schwärmt eine Frau, die selbst nicht betroffen ist, aber ihren Mann begleitet, denn auch Angehörige sind willkommen und können mittrainieren. Die Frau ist begeistert: „Das hier ist wie ein Sechser im Lotto.“ Jeder dürfe so kommen wie er oder sie könne: mit allen Unsicherheiten und Einschränkungen. Denn die Intensität der Erkrankung und ihre Symptome können individuell sehr unterschiedlich sein. Was die Betroffenen dann bräuchten, sei Verständnis und Nachsicht. Keinen Leistungsdruck.

Ehrgeizig aber sind sie dennoch. Trainerin Kristina Bredow erzählt sie sei beeindruckt, wie das Niveau steigt. Wie die beiden Trainingsstunden durchgespielt würden. Wie die Spielerinnen und Spieler gezielt eine bessere Technik erlernen wollten. Mal spielen sie frei, mal Eins gegen Eins oder im Doppel. Wenn Bredow beim „Balleimertraining“ die menschliche Ballmaschine macht, sind alle Feuer und Flamme.

Sozialer Auftrag

Nicht nur die Trainerin sieht die PPP-Gruppe als absolute Bereicherung. Auch TTC-Vereinsvorsitzender Matthias Grünenwald war sofort überzeugt: „Klar wollen wir das machen, wenn wir den Menschen etwas Gutes tun können. Da haben wir einen sozialen Auftrag.“ Auch gemeinsame Trainingseinheiten mit der Jugend könne er sich für die Zukunft vorstellen.

Ralf Kinzler lebt seit rund 20 Jahren mit der Diagnose. „Man kriegt die besten Tipps von Erkrankten, die schon etwas ausprobiert haben“, weiß er und erzählt: „Während des Tischtennisspielens vergisst und verdrängt man den Schmerz.“ Der Sport könne nicht nur den Krankheitsverlauf verlangsamen, sondern auch dafür sorgen, freiere und unbeschwertere Momente zu erleben. Alle in der Runde schätzen das Lockere, das gemeinsame Lachen. Ein älterer Herr berichtet, dass er nach dem Sport stets besser schlafen kann. „Ich würde das auch ein zweites Mal in der Woche machen“, sagt er. Ein anderer ergänzt: „Es müsste jeden Tag Freitag sein.“

 
 
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